Leserbrief

Alltagsleben von kaltem Denken dominiert

Zum Debattenbeitrag „Wie können wir die Corona-Krise bewältigen, Herr Schmidbauer?“ vom 20. Juni:

Interessiert habe ich die Ausführungen des Psychoanalytikers gelesen, wie die Pandemie unser Seelenleben beeinflusst. Interessant sind die Gegenüberstellungen von kaltem und warmem Denken sowie die Brücke der pandemischen Lungenerkrankung zur schwer atmenden Mutter Erde.

Unser Alltagsleben wird von kaltem Denken dominiert, nackten, kalten Zahlen, die aber wenigstens im Vergleich zu Fakenews nicht lügen. Zahlen haben oft die Macht über unser Wohlbefinden übernommen, „stimmen“ sie, verbreitet sich Freude, „stimmen“ sie nicht, ist die Depression nicht weit. Ursprünglich waren Zahlen und das Jonglieren mit ihnen (Rechnen) ein Hilfsmittel, den Alltag besser zu organisieren. Heute dominiert der einstige Helfer, der Knecht, unser Denken.

Danke als Zauberwort

Der Autor, auch Paartherapeut, dürfte nur allzu gut diesen immer schwieriger werdenden Spagat zwischen perfektionierter Arbeitswelt und nie perfekter Partnerschaft kennen. Aufgrund der Macht des Geldes und somit der Zahlen privat und gewerblich wird es kein Umdenken geben, die Bestrebungen, in die Welt von vor Corona zurückzukehren, sind unübersehbar. Trotzdem können wir uns mit warmen Gedanken positives Denken aneignen. Ein Zauberwort ist DANKE, seine Nutzung einfach zu erlernen.

Masken sind in Corona-Zeiten ein lästiges Übel, danke, dass wir sie nur zum Einkaufen und im ÖPNV nutzen müssen und uns sonst relativ frei bewegen können. Danke, dass uns die Pandemie hier in Deutschland bei einem vergleichsweise gut vorbereiteten Gesundheitswesen erreicht hat. Danke, dass Politiker Entscheidungen gefällt haben, die wohl keiner von uns hätte treffen wollen, und die sich im Großen und Ganzen als gut erwiesen haben. Danke, dass unsere Nation nicht so gespaltet ist wie andere. Danke für viele Dinge, die wir heute überhaupt haben dürfen im Vergleich zur (Nach)Kriegsgeneration.

Wer DANKE sagen kann, lebt körperlich und spirituell, er ist nicht erkaltet. Er wird die Corona-Krise psychisch, wie ein Erkältungsvirus mit Wärme weggeschwitzt wird, bewältigen. (Jörg Bieberacher, Mannheim)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2CSHs1K