Leserbrief

Leserbrief: Zu "Hohe Investitionen in die Wasserversorgung" (FN vom 29. Juli)

Anschluss an Bodensee-Wasserversorgung hätte erhebliche Vorteile

Die NABU-Gruppe Hardheim hatte für den 27. November 2008 zu einem Informationsabend im Rahmen ihrer Reihe "Naturschutz ums Haus" ins Pfarrheim eingeladen. Es fanden sich erschreckend wenige Hardheimer Bürger ein, die sich für das Thema "Wasserversorgung in Hardheim" interessierten. Der Referent war vom Planungsbüro ibu. Unter den Zuhörern war auch Herr Kuhn, der viele fachliche Informationen gab. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass es sinnvoller sei, Wasser zentral zu enthärten, als dass jeder Haushalt seine eigene Enthärtungsanlage einbauen lässt.

Der Gemeinderat hat entschieden, im Rahmen großer notwendiger Sanierungsmaßnahmen eine zentrale Enthärtung durchzuführen. Dass dabei eine Beimischung von Bodenseewasser ausgeschlossen wurde, erscheint angesichts der Vorgabe "Eigenwasser vor Fremdwasser" und aufgrund der Tatsache, dass Hardheim in der glücklichen Lage ist, genügend eigene Quellen zu haben, vernünftig.

Seltsam dabei ist allerdings, dass die diesbezügliche Entscheidung des Gemeinderates unter völlig falschen Voraussetzungen getroffen wurde (ob bewusst oder versehentlich kann ich nicht beurteilen), dass nämlich kein Bodenseewasser zu haben sei. Das ist nachweislich falsch.

Auf Anfrage wurde von der Bodenseewasserversorgung mitgeteilt, die letzte Nachfrage liege über fünf Jahre zurück. Da passt das Zitat "Wir können immer nur aus der Situation des Augenblicks heraus entscheiden" wie die Faust aufs Auge.

Dieser Beschluss wäre demnach dringend auf seine Rechtmäßigkeit zu überprüfen und zwar deshalb, weil die Bodenseewasservariante erheblich billiger wäre, viel weniger Aufwand an Energie und Ressourcen mit sich bringen würde und dazu noch viel besseres Wasser liefern würde. Wer sich gegen eine solche Variante ausspricht, muss sich fragen lassen, ob er "zum Wohle Hardheims" handelt.

Heute muss doch jeder den Euro zweimal umdrehen. Oft wird leider das billigere, dafür aber schlechtere Produkt - auch Lebensmittel - gekauft, weil man sich das teuere einfach nicht leisten kann. Hier soll man schlechteres Wasser zum teureren Preis bezahlen.

Hinzu kommt - und das ist uns aus Umweltschutzgründen besonders wichtig, dass beispielsweise bei einer Nanofiltration täglich etwa 180 Kubikmeter Konzentrat (konzentriertes Wasser mit einer Härte zwischen 100 und 130) über eine eventuell noch zu bauende Abwasserleitung vom Hochbehälter in die Erfa geleitet werden müssen. Es wird somit fast ein Drittel teuer aufbereitetes Trinkwasser hochkonzentriert in die Erfa geleitet.

Wasserrechtlich halte ich das für sehr bedenklich, auch wenn es hierfür die Zustimmung der Wasserwirtschaft geben sollte. Außerdem fallen Säuren und Laugen (jährliche Kosten etwa 11 000 Euro) für die Offenhaltung der Membranen an, die -zwar neutralisiert - aber auf jeden Fall der Kläranlage zugeführt werden müssen und damit in den natürlichen Kreislauf geraten.

Möglicherweise sind auch dazu noch Leitungen notwendig. Ob die Planung dafür schon läuft, ist dem Bericht über die Gemeinderatssitzung nicht zu entnehmen. Ich würde es jedenfalls für sinnvoller halten, statt dieser Leitungen und der jetzt vergebenen Leitungsbaumaßnahmen den relativ kurzen Anschluss an die Bodenseewasserversorgung zu bauen und auf den ganzen teueren technischen Aufwand plus Chemie plus Energieverbrauch zu verzichten. Das vor allem deshalb, weil unsere hohen Nitratwerte um nur maximal 20 Prozent gesenkt werden, das Wasser erst fast mineralienfrei gemacht und dann wieder mit unbehandeltem Wasser vermischt werden soll, damit es wieder Magnesium, Calcium und anderes enthält.

Das weitere gesparte Geld könnte außerdem in die Sanierung der Leitungsnetze investiert werden. Die überdurchschnittlich hohen Verluste von 20 Prozent müssen wir ja schließlich auch mitbezahlen.

Im Übrigen ist Hardheim über seine Ortsteile bereits Kunde der Bodenseewasserversorgung, kann also mit günstigeren Preisen rechnen als ein Neukunde. Die notwendige Mischwanne ist vorhanden. Es will mir nicht einleuchten, dass wir Hardheimer Bürger Millionen ohne Not doppelt bezahlen sollen (80 Prozent in Form von sehr hohen Gebühren plus Beteiligung an den Zuschüssen in Höhe von nur 20 Prozent als Steuerzahler) und dann doch nicht die bestmögliche Wasserqualität haben, dafür aber einen extrem hohen, nicht zwingend notwendigen Wasserpreis.

Ich bin gespannt auf die Antwort des Bundes der Steuerzahler auf eine diesbezügliche Anfrage. Oft kommt von dieser Seite die Abrechnung im Schwarzbuch erst hinterher, vielleicht geht es auch mal früher und es bleibt uns erspart, dass Hardheim dort ein weiteres Mal auftaucht.

Ich vermisse hier transparente Vergleichsuntersuchungen und eine entsprechende Gesamtkostengegenüberstellung und bei Bedarf ein nachdrückliches Hinterfragen der Vorgabe "Eigenwasser vor Fremdwasser" im zuständigen Ministerium.

Sollte es tatsächlich keine Ausnahme geben können, soll das Ministerium bitte den Differenzbetrag und die Folgekosten zu 100 Prozent übernehmen.

Das Argument, bereits erhaltene Zuschüsse müssten möglicherweise bei Änderung der Konzeption zurückgezahlt werden, ist völlig unbegründet, weil die bisher getätigten Maßnahmen notwendig waren und damit unabhängig von der weiteren Vorgehensweise sind.