Leserbrief

Anspruchsdenken bleibt unbenannt

Zum Debattenbeitrag „Warum sollten wir nach der Corona-Krise Neubauten verbieten, Herr Fuhrhop?“ vom 4. Juli:

Es ist wahrlich ein Streitgespräch mit interessanten Ansichten des Autors, wobei ich die Aussagen zum Umbau oder Renovierung statt Neubau und den Verweis auf die Klimaschädlichkeit eines Neubaus teile. Auch die Aussage zum Teilen des vorhandenen Wohnraums klingt vernünftig, aber wer will das heute noch? Das Bewusstsein, dass wir auf Erden nur Verwalter der irdischen Güter sind, ist nicht vorhanden. Jung und Alt müssten über lange Zeit aufeinander zugehen und Vertrauen aufbauen, Ältere willig sein, abzugeben, Jüngere willens sein, mit Empathie und Geduld die Älteren zum Denken ans Gemeinwohl zu bewegen. So, wie das Verbot von Neubauten in unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung unmöglich erscheint, so utopisch klingt auch ein tiefes Miteinander in der heutigen Welt, welches vor allem viel Zeit und Menschlichkeit braucht.

Spekulationen befeuern Prozess

Der Autor lässt unser Anspruchsdenken außer Acht, viele Bauten seien nach heutigen Standards den Anforderungen nicht mehr gerecht, oft hört man, ein Neubau sei billiger. Singlewohnungen sind gefragt. Ob ihre Größe beim Trend zum Homeoffice weiter ausreicht oder dort ein neues Anspruchsdenken entsteht, wird die Zeit zeigen.

Leider ist auch zu befürchten, dass durch Corona sich Wohnraum weiter verteuert. Die öffentlichen Kassen sind leer, private oder kommerzielle Anleger haben ihr Geld aus dem Wertpapiergeschäft gezogen, vorhanden ist es aber noch. Durch die Schuldenaufnahme werden Massenprodukte weiter zu kaum veränderten Preisen erschwinglich sein, knappe Güter (zum Beispiel Wohnraum) durch die erhöhte Geldmenge sich verteuern. Spekulationen befeuern diesen Prozess. Jörg Biberacher, Mannheim

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2CgNM2Z