Leserbrief

Zum Thema Bundesgartenschau, Straße durch die Au

Appell an Stadträte

Es wurde schon viel zum Thema "Straße durch die Au" geschrieben. Eine schreckliche Vorstellung, dieses Naturparadies durch eine Straße zu zerstören.

Auch wenn ich altersbedingt und aus gesundheitlichen Gründen die Gartenschau nicht mehr besuchen kann, so stimme ich ihr trotzdem grundsätzlich zu.

Meine Sorgen gelten den jungen Gartenfreunden mit kleinen Kindern, die erst kürzlich einen Garten erworben haben und unmittelbar betroffen wären. 1960 habe ich meinen Garten von meinem Vater übernommen, trat kurz danach in den Vorstand ein, dem ich 38 Jahre als 2. und 1. Vorstand angehörte.

In dieser Zeit wurden viele Projekte auf den Weg gebracht und verwirklicht. Eine zentrale Wasserversorgung wurde in Betrieb genommen, da immer mehr Einzelwasserpumpen zur Wasserförderung in den Gärten eingesetzt wurden und die Abgase die Umwelt belasteten. Mit Hilfe von Stadtrat Prof. Horst Wagenblaß und dessen Verbindungen war es möglich, verbunden mit unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden, in relativ kurzer Zeit (ca. 1 Jahr) die Anlage in Betrieb zu nehmen. Pro Garten wurden Kosten von 550 DM fällig, was in der damaligen Zeit eine große Belastung darstellte.

Viel Arbeit und Herzblut

Die Umgestaltung unseres Festplatzes wurde als nächstes in Angriff genommen und noch viele andere Pläne wurden nach und nach verwirklicht.

Das war nur ein kleiner Überblick über unsere Arbeit in vielen freiwilligen Stunden der Gartenfreunde, Idealisten und Sponsoren, denen wir zu großem Dank verpflichtet sind.

Deshalb, meine Damen und Herren Stadträte, bitte ich Sie, stimmen Sie dem Bau der Straße in der vorgesehenen Form durch unsere Gartenanlage nicht zu. Oberbürgermeister Kurz hat den Kleingärtnern in der Au versprochen, dass kein Gartenfreund geschädigt wird, doch der ideelle Wert kann durch ein Ersatzgelände nicht ersetzt werden.

Zu erwähnen wäre noch, dass auch die Gaststätte "Alte Au" betroffen wäre und unsere Wasserversorgung mit dem Tiefenbrunnen.

Bei der Einweihung der Wasserversorgung wurde die Gartenanlage in eine Daueranlage umbenannt. So wurden endlich viele provisorische Häuser aus Holz oder Blech durch Steinhäuser ersetzt. Viel Arbeit und Herzblut wurde seitdem in viele Gärten und die Gartenanlage gesteckt, Freundschaften geschlossen und eine Gemeinschaft gebildet.

Dies steht nun alles auf dem Spiel für diese "Straße durch die Au". Die Gartenanlage ist öffentlich zugänglich, wir laden die Stadträte und die Bevölkerung der Stadt Mannheim ein, sich selbst ein Bild zu machen.