Leserbrief

Arbeit war nie bloß sprödes Geldverdienen

Zur Debatten „Werden wir in Zukunft alle arbeitslos sein, Herr Walsh?“ vom 20. April:

Wer Walsh visionäre Zukunftsszenarien liest, der stellt fest, dass Georg Orwells Roman 1984, der in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts für Furore sorgte und Zukunftsängste schürte, im Grunde bloß ein kleiner Ausschnitt des Lebens auf unserem Planeten von Morgen charakterisierte. In seiner Science-Fiction – der wissenschaftlich-technischen Spekulationen – hatte Orwell im Vergleich zu Walsh Gesellschaftsentwicklungstheorien, die bis zum Jahre 2062 gespannt sind, seinen totalitären Überwachungsstaat noch recht „milde“ geschildert. Wir Menschen sind, trotz aller Fortschritte in technologischen und wissenschaftlichen Bereichen, Neuem gegenüber per se eher skeptisch.

Das lebenslange Lernen, welches Walsh in den Vordergrund stellt, begann bereits zu dieser Zeit, in die Privatsphäre der arbeitenden Bevölkerung einzugreifen. Es hat Familienplanungen verändert. An die heute in aller Munde so gepriesene Work-Life-Balance hat zu diesem Zeitpunkt keiner gedacht.

Ehrenamt bleibt Ehrenamt

Deshalb: Arbeit war nie bloß sprödes Geldverdienen, nein, es war und ist bis heute, wenn auch untermauert mit mehr Forderung nach Freizeit, eine Aufgabe, die uns Menschen Sinnhaftigkeit im Dasein vermittelt. Es muss bezweifelt werden, dass künftig auch für bislang unentgeltliche Arbeit eine Entlohnung erfolgen wird. Ehrenämter werden, obwohl Deutschland die höchste Quote in der Welt hat, nie entlohnt werden; alleine schon, weil es von Politik, dem Staat, stets gefordert wird. Einen Paradigmenwechsel wird es hier, auch wie bei vielen anderen ungeklärten Posten innerhalb der Gesellschaft, nicht geben.

Unterstellen wir, dass Künstliche Intelligenz (KI) die Menschen vom Ballast des Alltags gänzlich befreien könnte, bleibt noch eine Kernfrage: Kann diese Art der Ökonomie Schritt halten, ist sie in der Lage, immer mehr Leute, bei geringerem Arbeitsaufwand, zu finanzieren? Es muss in Frage gestellt werden!

Was macht uns menschlich?

Menschen werden am Ende hinterfragen, was mache ich mit immer mehr Freizeit? Welchen Sinn hat es? Immer unterstellt, die künftigen Vergütungen würden trotz geringerer Arbeitszeiten, zum Wohle aller, steigen. Selbst wenn alles nicht zuträfe, bleibt nachvollziehbar: KI, in der bislang geschilderten Form, wird NETTO weitaus mehr Arbeitsplätze zerstören als jeder technologische digitale Wandel zuvor. Sind wir dann wirklich noch in der Lage zu bedenken, was uns menschlich macht, wie Walsh es formuliert?

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2Pz0blc