Leserbrief

Armut heute anders

Zum Artikel „Alleinerziehende häufig arm“ vom 3. August:

Ich weiß aus eigener (Kriegs- und Nachkriegserfahrung) als Kind, was Armut bedeutet, wie unzählige andere vertriebene Frauen mit ihren Kindern auch. Damals war die Definition von Armut kein Brot, keine Schuhe, kein Mantel, als Behausung ein ehemaliger Schweinestall oder verseuchte Baracken. Heute geht Armut anders bei Alleinerziehenden mit Kindern, wie ich aus jahrzehntelanger Berufserfahrung weiß. Insbesondere, wenn Väter ihren Unterhaltspflichten nicht nachkommen können oder wollen.

In diesen Fällen gibt es dann Unterhaltsvorschuss bis zum 18. Lebensjahr, der besser als nichts ist, aber längst nicht die Bedürfnisse von Kindern deckt. Der Unterhaltsbeitrag wird auf Hartz IV angerechnet, so dass die Frauen mit ihren Kindern nicht einen Pfennig mehr Geld haben. Als Alleinerziehende muss man denn auch erst einmal Arbeit finden. Ich habe Mütter gekannt, die drei Jobs auf einmal hatten und dennoch nur knapsen mussten.

Urlaub ist nicht drin

Wie meine Mutter – nicht einen Tag faul, und ich höre sie noch heute sagen, Schulbücher woher nehmen, Ausflug woher nehmen und vieles mehr. Das führte dann dazu, dass ich als Kind schon gearbeitet habe – Rüben verzogen, Kartoffeln gelesen, Akkord in der Konservenfabrik gearbeitet. Ich wollte so gerne dazu gehören, andere Kinder fuhren mal in Urlaub oder Freizeit, ich ging arbeiten.

Urlaub, das ist für arme Kinder auch heute noch genauso wenig drin (auch für die Mütter), Kinobesuche zu zweit erscheinen fast unrealistisch, all die alltäglichen Dinge so gut wie unmöglich.

Info: Originalartikel vom http://bit.ly/2w30cEM