Leserbrief

Arztberuf für Männer nicht mehr interessant

Zum Artikel „Masterplan soll her“ vom 26. Mai:

Das was der baden-württembergische CDU-Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhardt zur Behebung des Hausärztemangels in Baden-Württemberg fordert, hört sich nobel und ehrenwert an. Es handelt sich hierbei um ein bundesweites Problem und leider wurde in den vergangenen drei Jahrzehnten dieses Problem durch die Politik eigentlich erst ins Rollen gebracht.

Mehr Regularien

Teure Wahlversprechen versuchten unsere Sozialpolitiker durch Budgetierung, Honorarabsenkung schön zu waschen. Der Verwaltungsaufwand in den Praxen erhöht sich durch Regularien von Jahr zu Jahr. Jüngstes Beispiel ist die Europäische Datenschutzversordnung DSGVO. Nicht das Einführen dieser Verordnung, sondern der mangelnde Weitblick, welche Konsequenzen diese im Alltag hat, ist auch hier unseren Volksvertretern anzukreiden. Alle diese Maßnahmen kosten Zeit, Manpower und letztlich viel Geld.

Der Arztberuf ist mittlerweile für Männer nicht mehr interessant. Das belegen die Absolventenzahlen an den medizinischen Fakultäten. Stetig zunehmender Verwaltungsaufwand, der Kostendruck und die schlechte Honorarlage erschweren die Entscheidung für den Neueinsteiger eine Praxis auf dem Land zu übernehmen erheblich.

Landflucht als Folge

Die Folge: Landflucht, Bildung von medizinischen Versorgungszentren. Unter diesen schlechten Konditionen spielen die zurückgehende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und ein hohes betriebswirtschaftlichem Risiko zu tragen, eine große Rolle.

Bei allen bisherigen Reformen wurden die Vertreter der Ärzteschaft ignoriert und außen vorgelassen. Wenn wirklich ein Masterplan her soll, dann sollen doch unsere Volksvertreter auch die richtigen Partner mit ins Boot nehmen, die von der Sache etwas verstehen, nämlich die Ärzte mit ihren Standesorganisationen. Dann kann daraus was werden.

Gerhard Weitz, Bürstadt

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2LYHm8V

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