Leserbrief

Aus Problemen werden neue Probleme

Zur Debatte „Warum gibt es so viel Armut in unserer reichen Welt, Herr Sator?“ vom 21. Dezember:

An Andreas Sators Sichtweise ist wenig falsch, aber doch zu plakativ gestrickt, vergleichbar mit den heutigen Protestbewegungen der aus dem Vollen lebenden Jugendlichen.

Wohlstand wie auch Armut definiert sich für die Betroffenen erst im Vergleich. Predigen nicht bis heute alle christlichen Lehrer über die gottgewollte Armut? Erhöhen sie gar als den direkteren Weg ins Himmelreich? Waren die rückständigen „Heiden“ mit ihrem Hakenpflug nicht glücklicher ohne die „Segnungen“ samt Christianisierung der Europäer?

Blanker Hohn

Als die israelischen Gelehrten um 500 vor Christus den göttlichen Rat artikulierten: „Seid fruchtbar und mehret euch“, hatten die kanaanitischen Bauern lediglich 30 000 Münder zu sättigen! Denken und deuten wir den Beitrag von Andreas Sator neu, hat uns der beginnende Wohlstand des 18. Jahrhunderts neben der Landflucht und Verarmung der Massen auch die Bevölkerungsexplosion gebracht, derer wir wohl nur mit völlig anderer soziologischer Denke samt Tatkraft der gesamten Menschheit begegnen können.

So wie sich der Mensch mit Problemlösungen häufig neue Probleme aufhalst, sind für die „Dritte Welt“ die Segnungen westlicher Zivilisation eher als Fluch zu sehen. Hat doch Entwurzelung – ideell und traditionell immer Ghettoisierung nach sich gezogen. Außerdem sind ethische Erwägungen aus Wohlstandsbürger-Mund gut gemeint, dürften den „Hinterherhinkenden“ aber wie blanker Hohn erscheinen. (Andreas Weng, Mannheim)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2u3bOKD 

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