Leserbrief

Zum Thema "160 Güterzüge in der Nacht" / Artikel vom 23. April

Bahnverkehr der Zukunft

Der MM-Redakteur Martin Tangl hat es mal wieder auf den Punkt gebracht mit seinem Artikel über drohenden Bahnlärm, dass dies weder unsere Zukunft sein kann noch den Bürgern in Mannheim zugemutet werden darf.

Leider besteht bei vielen noch immer die Angst in den Köpfen, dass der ICE-Knotenpunkt mit der Umfahrung des Güterverkehrs ausgelagert werden soll. Doch das alte Vorhaben der Bahn ist längst Geschichte. Die Angst vieler Stadträte ist ja berechtigt, aber der Stadtrat muss endlich versuchen, mit der Zeit zu gehen. Die Bahn hat schon längst begonnen, Direktverbindungen einzurichten, damit die ICE nicht mehr über Mannheim fahren müssen.

Man stelle sich nun vor, wenn heute schon der Fern- und Nahverkehr durch den Güterzug ausgebremst wird und die Bahn an Lösungen arbeitet mit Direktverbindungen und Neubaustrecken, was wird erst passieren, wenn der Güterverkehr sich mit 160 bis 200 Güterzügen vervierfacht?

Das wird doch ohne neue Strecken nicht funktionieren! Die Frage bleibt dann offen, wenn der Güterverkehr weiter durch Mannheim fährt, wo fährt dann der Fernverkehr in Zukunft? Angst ist also legitim, doch sie darf uns am Ende nicht selbst schädigen. Obwohl es hier schon längst nicht mehr primär um den Lärmschutz geht, sondern vielmehr um die Zukunft einer modernen Region, werden trotzdem immer wieder Rufe laut, es würde doch ein ordentlicher Lärmschutz gebaut werden.

"Brauchen unseren Schlaf"

Doch schauen wir uns mal die Fakten an. Eine Lärmschutzmauer dämmt höchstens 9 bis 10 Dezibel. Ein Güterzug hat ca. 100 Dezibel. Ein Güterzug mit modernem Fahrwerk hat ca. 80 bis 85 Dezibel. Es folgt also eine Reduzierung des Lärms auf max. 70 Dezibel. Arbeitsrechtliche Vorgaben verlangen im Arbeitsschutz ab 73 Dezibel das Tragen eines Hörschutzes!

Wie sollen wir hier einen ordentlichen Lärmschutz bekommen? Wir brauchen unseren Schlaf in der Nacht für eine gute Arbeitsleistung am Tag und für die Gesundheit des Körpers. Wenn die Bürger in Zukunft mit Hörschutz schlafen müssen, dann wird der jetzt schon erhebliche Widerstand größer und heftiger werden, das ist mal auf jeden Fall sicher. Das Umfahren des Güterverkehrs muss Priorität bekommen und dabei muss klar sein, dass der Knotenpunkt ICE weiterhin beibehalten bleiben muss.

Doch ist das nicht die logische Folgerung daraus? Wenn der Güterverkehr ausgelagert wird, dann hat der Fern- und Nahverkehr schnellere Verbindungen und der Lärmschutz wird damit auch kein Problem mehr, weil er mit den modernen Zügen weit unterhalb der 80-Dezibel-Grenze liegt.

Das Einlenken unseres Oberbürgermeisters Peter Kurz ist sehr zu begrüßen. Auch sein Fachwissen über die Korridorstudie ist beeindruckend. Er ist voll im Bild und nun heißt es nur noch, den Gemeinderat mit ins Boot zu bekommen.