Leserbrief

Beamtentum für Lehrer abschaffen

Zum Kommentar „Falsches Bild“ vom 10. September:

Ich gebe Herrn Koch in allen Punkten Recht! Leider haben es die Bildungspolitiker der letzten 25 Jahre verpasst, den Grundschullehrerberuf attraktiver zu machen und zu gestalten, so dass der frische Wind in deutschen Grundschulen fehlt. Es wundert mich nicht, dass die GEW und andere Gewerkschaften wieder ins gleiche Horn schießen, dass am Ende des Schuljahres 2019/2020 viele Lehrerstellen nicht besetzt werden können.

Schon zu meiner PH-Zeit (1. Staatsexamen 1999, 2. Staatsexamen 2000) haben wir als Studenten vor der Pensionierungswelle gewarnt – sollte sich nichts am System ändern. Und es scheint sich am System nichts geändert zu haben. An der Bildung zu sparen ist der größte Frevel, den der Bildungsstandort Deutschland machen konnte. Es kann nicht angehen, dass Pädagogen in der Grundschule zu den Sommerferien hin gekündigt werden, um sechs Wochen ohne Lohn auskommen zu müssen und dann wieder nach den Sommerferien eingestellt werden.

Veraltetes System

Wo bitte bleibt da die Motivation, Lehrer zu bleiben? Dann das Thema Verbeamtung: Das ist ein seit Jahrzehnten überholtes und veraltetes System, das heutzutage nicht mehr vertretbar ist. Ich bin vor knapp 20 Jahren aus bildungspolitischen Gründen in die Schweiz ausgewandert. In ein Land, das die Verbeamtung der Lehrer nicht mehr kennt. Hier werden Lehrer vom Kanton angestellt und bekommen einen mehr oder weniger zufriedenstellenden Lohn. Der eine oder andere Leser wird jetzt sagen, in der Schweiz verdiene man ja immer sehr gut. Stimmt auch, aber die Lebenshaltungskosten sind hier um das gut zweieinhalbfache höher als in Deutschland. Unabhängig davon muss in Deutschland endlich vonseiten der Bildungspolitiker umgedacht werden, und zwar radikal. Es bedarf: Abschaffung des Beamtentums für Lehrer und Umwandlung in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis; Anpassung der Löhne, so wie Sebastian Koch das schon erwähnt hat; Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs; Möglichkeit, sich direkt an Schulen zu bewerben.

Die Note nach dem 2. Staatsexamen darf nicht das einzige ausschlaggebende Kriterium sein für die Chance, als Lehrer eine Stelle zu erhalten. Es bedarf ein breitgefächertes Studium für Grundschullehrer. Ich mag mich noch erinnern, wie manche Politiker in den 1990er Jahren den Lehrerberuf direkt diskreditiert haben. Das muss aufhören!

Matthias Kühn, Meggen (Schweiz)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2lZ4Thj

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