Leserbrief

Bei Windstille wird kein Strom produziert

Zum Artikel „Hitzige Diskussion ums Klima“ vom 23. November:

In Ihrer Zeitung lese ich, dass sich Heidelberg bis 2030 nur mehr mit 100 Prozent „grünem“ Strom versorgen möchte. Geht das überhaupt mit Netzstrom? Wir überlegen: Bevor Strom ins Netz gelangt, muss er produziert werden. Lässt man für diese Betrachtung Atomkraftwerke außen vor, dann geschieht dies sowohl in Wind- und Solarparks, die „grünen“ Strom produzieren, als auch in Kohle- und Gaskraftwerken, die „schwarzen Strom“ produzieren.

Biothermische und Speicherkraftwerke liefern dabei nur einen kleinen Beitrag. Bei der Produktion dieses Mischmasches an Strom wird eine gewisse Menge an CO2 produziert. An wind- und sonnenreichen Tagen wird weniger CO2 produziert als an Tagen mit Dunkelflauten. Denn an Tagen mit wenig Wind und Sonne muss mehr Strom durch Verbrennen von Kohle und Gas produziert werden. Ist der Strommix aber einmal produziert und ins Netz eingespeist, liegt unabänderlich fest, wie viel CO2 dafür produziert wurde.

Diese CO2-Menge ist letztlich aber für die nationale und globale CO2-Bilanz relevant. Wenn nun Heidelberg nur den „grünen“ Strom aus dem Strommix für sich beansprucht, dann ist das das Gleiche, wie wenn man versucht, aus einer Tasse Milchkaffee nur die Milch herauszutrinken. Gesetzt den Fall das ginge, dann würde doch der verbleibende Rest des Milchkaffees wieder dunkler („schwärzer“) werden, oder? Das heißt, der Strom für Otto-Normalverbraucher in Mannheim würde allein deshalb „schwärzer“ werden, weil Heidelberg den „grünen“ für sich beansprucht.

Kraftwerke weiter notwendig

Eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes kann nur durch Aufrüsten von Wind- und Solaranlagen erreicht werden. Man muss sich dabei aber vergegenwärtigen, dass 1000 Windräder bei Windstille gleich viel Strom produzieren wie ein Windrad – nämlich keinen. Deshalb werden die konventionellen Kraftwerke für die Versorgungssicherheit auch zukünftig notwendig sein. Und wenn es die Atomkraftwerke in Deutschland nicht mehr sein können, dann werden es eben die fossilen Kraftwerke sein müssen – außer es wird eine heute noch unbekannte Speichertechnologie entwickelt.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/35wKqCH