Leserbrief

Beleidigung für Vertreter der Aufklärung

Zur Info-Box „Sechs wegweisende Dokumentarfilme“ vom 3. August:

Wie der Zeigefinger Gottes in der mittelalterlichen Malerei aus den Wolken stößt, so durchbricht ein Flugzeug die Wolkendecke über Nürnberg. An Bord ein neuer Heilsbringer: Adolf Hitler begibt sich herab, um die Huldigung seines Volkes entgegenzunehmen. „Im Auftrag des Führers“, so beginnt die 1934 von Leni Riefenstahl gedrehte Anbetung, und die junge Autorin, begabt, skrupellos, karrieresüchtig, wusste, was ihr Idol von ihr erwartete.

Dieses Machwerk lässt keine Widerwärtigkeit aus: Während markige Jungmannen halbnackt ihre Kampfspiele zelebrieren und strahlende Maiden dem Führer ihren Beitrag zum kommenden Bevölkerungsschwund zum Kusse reichen, wird in markigem Wort die Reinheit der Rasse beschworen. Und über allem das selbstzufriedene Gesicht des Stammvaters deutscher Populisten.

Beleidigung für Aufklärer

Der GröFaZ, Tiefpunkt jeglicher Kultur, in der Maske des Biedermanns, gefeiert von der Geierwally des modernen Films. Ihre Zeitung hält dieses Dokument des Wahns für einen wegweisenden Dokumentarfilm. Welcher Weg wird denn hier gewiesen? Claude Lanzmann, Alain Resnais, Robert J. Flaherty, Michael Moore, Michael Glawogger in einer Reihe, auf gleicher Stufe mit Leni Riefenstahl – welche Beleidigung für die Vertreter der Aufklärung. Steht Ihre Zeitung zu dieser Einordnung „bedeutender Dokumentarfilm“ und nicht „übelste Propaganda“? Erklärung, Aufklärung und Entschuldigung sind angebracht. (Spottname für „Größter Feldherr aller Zeiten“, Anm. der Redaktion)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2LZXt9V