Leserbrief

Leserbrief: Zum Thema Schließung des Kindergartens in Bernsfelden

Bemühungen zum Scheitern verurteilt

Dass unser Kindergarten geschlossen wird, ist für uns alle sehr schmerzhaft. Dass aber im gleichen Atemzug von einem verbesserten Betreuungsangebot in der Kerngemeinde Igersheim gesprochen wird, ist für uns wie ein Faustschlag.

Uns ist sehr wohl bewusst, dass bei weiterhin niedriger Kinderzahl in unserer Einrichtung eine "finanziell" vertretbare Lösung gefunden werden muss. Doch von Anfang an wurde von politischer Seite der Erhalt des kommunalen Kindergartens in Harthausen forciert (Stärkung der größeren Gemeinde, zentraler Teilort) und dem kirchlichen Kindergarten in Bernsfelden nicht den Hauch einer Chance eingeräumt.

Unser Kindergarten besitzt seit August 2008 die Betriebserlaubnis zur Betreuung der Kinder von zwei bis 14 Jahren. Allerdings wurde eine Kleinkind- und Schulkindbetreuung nicht verwirklicht, weil die Gemeinde Igersheim die finanziellen Mittel zur Aufstockung der 50 Prozent Kraft nicht bewilligt hat, obwohl der Bedarf vor allem für die Schulkindbetreuung gegeben war (sechs Kinder).

Als Begründung für die Ablehnung wurde die bereits bestehende Schulkindbetreuung in der Kerngemeinde Igersheim angeführt, die auch von den Bernsfelder Kindern in Anspruch genommen werden kann. Dies wiederum würde für unsere Familien einen zusätzlichen Fahrdienst (einfache Fahrtstrecke zehn Kilometer) für unsere Kinder bedeuten, da die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel wegen der ungünstigen Abfahrtszeiten nicht gegeben ist.

Um wenigstens eine Betreuung dieser Kinder während den Ferienzeiten zu sichern, haben qualifizierte Eltern durch ihre ehrenamtliche Mitarbeit in erheblichem Umfang diese Betreuung dankenswerter Weise ermöglicht. Der Kindergarten Bernsfelden hätte bei einer bewilligten Schulkindbetreuung auch in Zukunft mehr als sechs Kinder und somit eine bessere betriebswirtschaftliche Auslastung.

Doch alle Bemühungen, unseren Kindergarten am Leben zu erhalten, was für Bernsfelden und auch Simmringen von immenser Bedeutung ist, sprich Familienfreundlichkeit, gute Lebensqualität, gute Integration zugezogener Familien in die Dorfgemeinschaft, Attraktivität für junge Familien, Bindung der Jugend an ihren Heimatort, kurze Wege usw., waren von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Bernsfelden fühlt sich von der"Wohlfühlgemeinde" an den Rand gedrängt und stiefmütterlich behandelt.

So kann der Eindruck nicht hinwegtäuschen, dass eine Schließung unseres Kindergartens schon länger ins Auge gefasst und ganz bewusst von der Kommune Igersheim gewollt ist. Zugunsten der "Wirtschaftlichkeit", sind die Bernsfelder und Simmringer Kinder immer im Nachteil. Bisher betraf es die Schulkinder, die bei der katastrophalen Busbeförderung in überfüllten Schulbussen mit teilweise bis zu 80 Kindern und zu unakzeptablen Abfahrtszeiten nach Igersheim gebracht werden und jetzt kommen auch die Kleinsten in diesen Genuss. Versprochen wurde schon einiges, aber getan hat sich bisher nichts.

Wie muss es einer Mutter und ihrem dreijährigen Kind ergehen, das am Morgen weinend vor Trennungsschmerz in den Schulbus ohne Kindersicherung gesetzt wird und ohne den tröstenden Zuspruch seiner Mutter wegfahren muss, auch wenn eine Begleitperson die Kinder im Bus betreut. In unseren Augen ist der Ortsteil Bemsfelden zum Sterben verurteilt, wenn der Kindergarten, der Mittelpunkt und Herzstück unseres Dorfes ist, seine Pforten schließen muss. Die jungen Leute werden abwandern, wenn sie bereits im Kleinkindalter in verschiedenen Einrichtungen untergebracht werden, da die betreffenden Eltern die für sich und ihre Kinder bestmögliche Lösung wählen. Gewachsene Strukturen brechen auseinander, das Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl geht verloren, was gerade für ein kleines Dorf wie Bernsfelden lebensnotwendig ist, denn bekanntlich entstehen lebenslange Freundschaften bereits im Sandkasten.

Wir bedauern zutiefst, dass unser Kindergarten, der auf Grund einer Stiftung seit fast 100 Jahren besteht, geschlossen wird. Dies ist mit Sicherheit nicht im Sinne des Stifters und auch nicht in unserem Interesse. Doch der Kirchengemeinde allein fehlen die finanziellen Mittel. Was wird aus dem schönen alten Kindergartengebäude, aus dem herrlichen Spielplatz, den die Eltern in Eigeninitiative und mit viel Herzblut für ihre Kinder gestaltet haben, aus den Einrichtungsgegenständen, dem Spielmaterial?

Im Kindergarten Bernsfelden fühlen sich alle sichtlich wohl, vor allem unsere Kinder auch gerade wegen der Kleingruppe von derzeit zwölf Kindern. Oder wachsen die Kinder in einer großen Gruppe behüteter auf, in der einer Erzieherin weniger Zeit für die persönliche Zuwendung und die Förderung der individuellen Bedürfnisse eines Kindes bleibt? Kinder sind unsere Zukunft und in die Zukunft sollte man investieren. Dieses Geld ist bestens angelegt. Doch die Realität sieht leider anders aus. Die Kosten müssen nach unten gedrückt werden, vor allem in Bernsfelden, da dem Steuerzahler ein teurer Kindergartenplatz nicht zumutbar ist. Dabei hat die Kirchengemeinde immer versucht, die Kosten so gering wie möglich zu halten, indem die Eltern in hohem Maße ehrenamtlich mitgearbeitet haben, wie bei der Pflege der Aussenanlagen seit über zehn Jahren (Rasenmäher, Hecken schneiden, Schnittgut entsorgen) und bei der Durchführung einer täglichen, verlässlichen Rufbereitschaft seit zwei Jahren trotz Berufstätigkeit vieler Eltern. Man sollte doch immer zum Wohle der Kinder entscheiden, aber leider sind sie wie so oft wieder einmal die Verlierer, denn Kinder haben keine Lobby. Sie werden nicht gefragt. Bernsfelden wurde schon einiges weggenommen zugunsten der Weiterentwicklung der Kerngemeinde Igersheim als"Wohlfahlgemeinde und "familienfreundliche" Kommune.

Auch die Familien in Bernsfelden wollen sich in ihren Dorf "wohlfühlen". Wir hoffen, dass bei den Politikern baldmöglichst ein Umdenken einsetzt, indem sie erkennen, dass auch die Kleinen eine Stärkung verdient hätten und ein Zusammenschluss, aus wirtschaftlichen Gründen nicht immer das Non plus ultra ist.