Leserbrief

Berührung der Psyche

Zum Debattenbeitrag „Warum halten sich Verschwörungsmythen so hartnäckig, Herr Blume?“ vom 17. Oktober:

Als Religionswissenschaftler erklärt Herr Blume die Verschwörungsmechanismen mit Blick auf das Judentum, sie gibt es aber auch in vielen anderen Bereichen. Ich teile seine Ansicht, dass soziale Medien und sozial Isolierte den Verschwörungstheorien Nährboden bieten, warum? In unserem Inneren konkurrieren Gut und Böse um die Vorherrschaft. Durch die Erziehung, die Wertevermittlung, erlernen die Kinder, dass der gute Schäferhund den bösen Wolf unserer Gedanken in Schach halten soll, er soll den Wolf kontrollieren, dass er kein Unheil anrichtet.

Auch im späteren Leben ist es immer wichtig, von Partner, Familie und wahren Freuden bei Bedarf korrigiert zu werden, wenn das Verhalten nicht dem unserer Wertegemeinschaft entspricht. Sozial Isolierte lassen sich oft nicht gerne belehren, geben den Wünschen des Egos nach und sind mit ihrer Situation nicht zufrieden, Partnerschaften und das Leben in Gemeinschaften sind für sie schwierig.

Schattenseiten des Internets

Da sind Verschwörungstheorien willkommen, suchen sie doch auch die Schuld gegebener Umstände bei Anderen, wie auch oft Einsame die Schuld dieses Missstandes nicht bei sich selbst suchen. Wie schon in der Debatte des „MM“ diskutiert, glaubt man gerne Ausführungen, die einem selbst genehm sind, auch der Hass wurde schon beleuchtet, dass persönliche Unzufriedenheit oft der geeignete Nährboden dafür ist.

So haben Verschwörungstheorien leichtes Spiel auf der anonymen Plattform der sozialen Medien, weil Anhänger und sie auf derselben Welle schwimmen, geschickt wird die Psyche der Angesprochenen berührt und uns die gefährlichen Schattenseiten des Internets präsentiert. (von Jörg Biberacher, Mannheim)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3jwP0a9