Leserbrief

Bestehende Bäume schützen

Zum Artikel „Antrag zur Sanierung in Arbeit“ vom 6. Juli:

Das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe hält bei der Rheindammsanierung an der massiven Abholzung fest. Hat die Stadt alles getan, um Tausende von Bäumen im Waldpark zu erhalten? Der Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats Mannheim hat zwar am 4. Juli beschlossen, dass die Stadt ein eigenes Gutachten in Auftrag gibt. Aber kommt das nicht zu spät?

Es ist nicht nachvollziehbar: Eine durchgängige, in die Erde eingelassene Spundwand aus Stahl, in der Mitte des Rheindamms, schützt die Bürger am besten vor Hochwasser und ermöglicht den Erhalt Tausender Bäume. Diese Lösung ist sicherer, zuverlässiger und zukunftsfähiger als eine Erdbauvariante. Doch das RP will den Damm grundsätzlich durch Erdbau erneuern und dabei fast sieben Hektar Wald vernichten.

Voraussichtlich im September wird die Landesbehörde der Stadt dazu Antragsunterlagen zur Genehmigung vorlegen. Auf die Sanierungsvorschläge der Experten der Bürger-Interessen-Gemeinschaft (BIG) Lindenhof ist das RP nicht eingegangen. Die Bäume müssten selbst bei einer Spundwand zur Dammverteidigung weichen, so das RP. Umstürzende Bäume könnten den Verteidigungsweg blockieren oder Rettungskräfte erschlagen.

Mit einer standsicheren Spundwand ist eine Dammverteidigung laut dem Prüfingenieur für Geotechnik im Wasserbau Christian Schmidt indes gar nicht notwendig. Ein Dammbruch sei bei dieser Lösung ausgeschlossen. Die Aufstockung mit Sandsäcken sei überhaupt nicht erforderlich, zudem auf einer Strecke von 3,5 Kilometern logistisch gar nicht möglich. Die auch bei Stadtbäumen übliche Baumpflege und -kontrolle sichere die Betriebswege.

Darüber hinaus stabilisieren viele Baumarten mit ihren Wurzeln den Damm, wie der langjährig erfahrene Baumgutachter Lothar Wessolly weiß. Ganz abgesehen davon, bringt Karlsruhe damit meines Erachtens ein Totschlagargument vor: Damit müsste man alle Bäume auf unserer Erde fällen, denn grundsätzlich kann jeder Baum umstürzen.

Die Fragen der Stadt hat das Regierungspräsidium bislang nicht hinreichend beantwortet. Zum Beispiel fehlen noch immer Kostenschätzungen zu den unterschiedlichen Varianten. Aber: Bei dieser Jahrhundertentscheidung dürfen Kosten angesichts der Bedeutung von Bäumen – allein für die Abkühlung der Stadt, die Verringerung von CO2, die Feinstaubbindung – nicht der ausschlaggebende Faktor sein. Dies haben Stadträte inzwischen mehrfach betont. Erfreulich ist auch, dass sich nun einige Politiker für die Rettung des wertvollen Baumbestands starkmachen.

Ist das beschlossene Gutachten die Rettung? Noch ist offen, wann die Stadt ein Gutachten einholen wird. Die Stadt kennt das Projekt seit 2016 und hätte mehr tun können, um den drohenden Kahlschlag abzuwenden. So hat sie es – in Zusammenarbeit mit Vertretern der Forst- und Umweltbehörden sowie der Naturschutzverbände im Projektbegleitkreis – nicht erreicht, dass die Behörde in Karlsruhe ihre Planungen mit dem Ziel Baumerhalt überarbeitet. Stattdessen mussten engagierte Bürger Zigtausende Euro spenden, um baumschonende Lösungen mit Hilfe von renommierten Gutachtern aufzuzeigen. Die Stadt wäre gut beraten, diese Expertise zu nutzen. Schon allein für das Klima unserer Stadt muss sie den bestehenden Baumbestand schützen.

Sabine Jinschek, Mannheim

Info: Originalartikel unter https://t1p.de/7sbo

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