Leserbrief

Beten für Frieden der Religionen

Zum Kommentar „Weg aus der Krise“ vom 5. September:

„Macht, Moral und Zölibat“ in der katholischen Kirche – eine Neuorientierung am Ursprung der Christenheit. Unter diesem Titel befasste sich eine dpa-Meldung mit der katholischen Kirche. Und daneben zeigte Peter Ragges Kommentar einen „Weg aus der Krise“. Hat der „MM“ aber recht? Trifft wirklich zu, dass der Zölibat ihrer Priester der Kirche zwar Macht gibt, aber „ihre Glaubwürdigkeit (…) durch den Missbrauchsskandal zutiefst erschüttert“? Und wird der „synodale Weg“ zu einer „modernen Kirche führen, wie wir sie brauchen (…), indem sie Menschen ein Fundament gibt“?

Probleme und Krisen findet man schon in den frühen Jahren der Christenheit, wie es die Briefe des Apostels Paulus an die ersten Gemeinden zeigen. Aber ihre Lösung auch: „Wir sind die Kirche Christi, von ihm müssen wir ausgehen.“ In der Gegenwart begegnet uns Papst Franziskus. Während der „Amazonas-Synode“ erlebte er einen Dauerstreit zwischen Befürwortern und Gegnern des Zölibats. Am Ende war er unfähig, eine „Unterscheidung“, also eine Entscheidung, zu treffen.

Trost und Hoffnung im Krieg

Es ist zu befürchten, dass der synodale Weg in Deutschland zu demselben Ergebnis führen wird. Dass der aktuelle Missbrauchsskandal die Glaubwürdigkeit der Kirche zerstört haben soll, ist zumindest ungerecht. Denn ins Rollen hat sie ihn selbst gebracht. Jesuit Klaus Mertes hat nach dem Besuch von drei ehemaligen Schülern Vorgänge öffentlich gemacht, die er bis dahin für unvorstellbar hielt.

Schon damals aber hatte seine Kirche viel Einfluss verloren. Seit dem Krieg, in dem Trost und Hoffnung dringend gesucht wurden, ging trotz „Sonntagsgebots“ die Zahl der Gottesdienstbesucher zurück. Die Besucher der Messen und Rosenkranzandachten werden im Durchschnitt immer älter, ihre Gruppen kleiner, neue Beter wachsen nicht nach.

Näher an den Muslimen

Doch immerhin darf man davon ausgehen, dass sich in allen Seelsorgeeinheiten des Dekanats Mannheim Rosenkranzgruppen zum Gebet treffen. Sie bewegen sich in diesem Großgebet konzentriert durch das Leben Jesu und Marias. Der Rosenkranz spendet immer noch Trost und Kraft. Die Opfer des IS beteten ihn vor ihrer Ermordung, und Lech Walesa trug ihn beim ersten Vertrag mit der kommunistischen Regierung um den Hals. In unseren Gottesdiensten beten wir für den „Frieden zwischen Juden, Christen und Muslimen“. Vergessen wir nicht, dass der Rosenkranz uns die Muslimen näherbringt, die ihn uns schon vor langer Zeit geschenkt haben. (von Helmut Mehrer, Brühl)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2FIGPsW