Leserbrief

Bigottes Lippenbekenntnis

Zum Artikel „Strobl lässt Unternehmer abblitzen“ vom 20. Juni:

Dass die im Wahlkampf gern erhobene Forderung, Zugewanderte mögen sich doch bitte schleunigst und eigeninitiativ in Deutschland integrieren, für so manchen Konservativen nur ein bigottes Lippenbekenntnis ist, beweisen einmal mehr Baden-Württembergs Innenminister Strobl sowie Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut: Trotz der eindringlichen Forderung von mehr als 90 (!) Unternehmern aus dem Ländle, die erstens wirklich seit Jahren etwas tun in Sachen Integration und die zweitens auch angewiesen sind auf Arbeitskräfte und Auszubildende, will die CDU offenbar aus ideologischen Gründen nicht von einer harten Abschottungspolitik im Stile der CSU abweichen. Das kann man nur als zynisch bezeichnen. Was, bitteschön, kann man an Integrationsleistung beiderseits – von zugewanderten Arbeitnehmern ebenso wie von engagierten Unternehmern – denn noch mehr erwarten, als dass Anstrengungen unternommen werden, Menschen eine Perspektive in Form von Ausbildung und Arbeit zu geben?

Steine in den Weg gelegt

Diese Bemühungen torpediert die CDU mutwillig, offenbar mit Blick auf die Stammtische. Dabei nehmen die Migranten, um die es hier geht, keinem einzigen „Biodeutschen“ den Arbeitsplatz weg – es fehlen im Gegenteil Zehntausende Fachkräfte in Baden-Württemberg, und an die 10 000 Ausbildungsplätze sind nicht besetzt! Dass Unternehmer, die an diesem Missstand etwas ändern wollen, seitens der Landesregierung Steine in den Weg gelegt werden, ist wirtschaftlich unsinnig – und menschenverachtend dazu.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2lxvUF9