Leserbrief

Bürger wünschen sich bessere Bremsen für leisere Güterzüge

Zum Artikel „Rauschen, Rattern und Quietschen – die ständigen Begleiter“ vom 19. Dezember:

Wenn von einer Bahnumfahrung gesprochen wird, so ist das schon im Ansatz gelogen. Eine Bahnstrecke entlang der A 6 verliefe mitten durch Viernheim, Vogelstang, Wallstadt, Feudenheim, Ilvesheim, Seckenheim und der Hochstätt. Genau dort, wo die Anwohner heute bereits unter dem Lärm der dreispurigen Autobahn leiden. Eine Tunnellösung wird es auf dieser Strecke aus Kostengründen nie geben!

Bahnstrecke besteht seit 1880

Alle Anwohner der Riedbahnstrecke haben sicher den Anspruch, den bestmöglichen Lärmschutz zu erhalten, aber sie sind an eine seit 1880 bestehenden Bahnstrecke gezogen. Bis zur Eröffnung der westlichen Riedbahn 1985 verlief der gesamte Bahnverkehr zwischen Mannheim und Frankfurt auf zwei Gleisen dort entlang.

Der Schienenverkehr hat zugenommen und wird weiter zunehmen, genauso wie der Verkehr auf der Autobahn. Die Forderung der Anwohner der östlichen Riedbahnstrecke, man solle diese Strecke jetzt bitte anderen vor die Haustür bauen, ist schlicht unverschämt!

Eine solche Umfahrung würde auch eine ICE Umfahrung Mannheims werden und wurde daher zu Recht früher von der Stadtführung abgelehnt. Der Hauptbahnhof in Mannheim wäre dann so unbedeutend wie der in Ludwigshafen. (Markus Stein, Mannheim)

Ich vertrete auch die Meinung, dass sich das Problem durch Tunnel und Umfahrungen nicht wirklich lösen lässt. Lärm sollte an der Quelle bekämpft werden und nicht punktuell durch Baumaßnamen abgeleitet werden. Ich kann nicht verstehen, warum lieber viel Geld für Lärmschutzwände und Tunnel ausgegeben wird, anstatt das Geld einzusetzen, um die Fahrzeuge leiser zu machen.

Wenn die Fahrzeuge leiser werden, ist allen Anwohnern an Bahnstrecken gedient. Ich denke da auch die Anwohner im Mittelrheintal. Mit meiner Frau habe ich mehrfach in Lahnstein im Mittelrheintal Urlaub gemacht. Dort sind fast alle paar Minuten Geräusche durch fahrende Züge zu hören. Stationäre Lärmschutzmaßnahmen sind mancherorts unmöglich. Abhilfe könnten nur leisere Züge bringen.

Dass das technisch möglich ist, kann jeder selbst feststellen, wenn er sich mal eine Zeit lang an eine Bahnstrecke stellt. Dabei kann man drastische Unterschiede in der Geräuschentwicklung feststellen. Manche Züge sind so laut, dass man sie schon hört, wenn sie noch weit entfernt sind. Andere Züge hört man fast nicht kommen.

Interessant ist, dass vor allem Züge, die ausschließlich aus Schweizer Güterwagen bestehen, extrem leise sind. Im Sommer habe ich im Mannheimer Hauptbahnhof einen Güterzug mit Tankwagen aus der Schweiz gesehen, der leise vorbeifuhr. Der Zug war so leise, dass ich ihn nicht kommen hörte. Die Tankwagen waren mit dem Text „Lärmreduziert“ versehen. Es ist folglich machbar, bei Güterwagen die Lärmentwicklung zu reduzieren.

Dazu muss man wissen, was die Ursache für die Lärmentwicklung ist. Beim Rollen von Rädern entstehen zunächst einmal Geräusche durch die Rollreibung der Räder. Im Idealfall sollten sowohl die Schienen und die Räder möglichst glatt sein. Dann entsteht das geringste Geräusch beim Rollen.

Leider sind die Räder nie in diesem Idealzustand, sondern weisen Kratzer und Riefen auf. Diese Riefen entstehen, weil in Deutschland bei Güterwagen immer noch Bremsklötze aus Grauguss benutzt werden. Räder, die nicht glatt sind, erzeugen lautere Rollgeräusche und bringen die Schienen und die Drehgestelle in Schwingungen, die den Lärm noch verstärken. Durch Austausch der Graugussbremsklötze gegen Bremsklötze aus radschonendem Material könnte die Lärmentwicklung um einiges reduziert werden. Warum das nicht gemacht wird, ist mir irgendwie rätselhaft. (Paul Metzmaier, Mannheim)

Info: Originalartikel vom http://bit.ly/2l8lpsf