Leserbrief

Leserbrief zur Mineralstoffbehandlungsanlage auf der Deponie Sansenhecken: Kommerzielle Interessen derzeit vorrangig

Bürgermeister muss im Interesse der Bürger handeln

Nach dem Motto "Wenn, dann richtig" haben die AWN und die Ecosoil GmbH gleich mal 69 (!) Abfallschlüssel in Ihren Antrag auf Genehmigung einer Mineralstoff-Behandlungsanlage aufgenommen. Wenn der Antrag, wie von den Betreibern gestellt, genehmigt wird, haben wir Bürger ein schönes Sammelsurium an gefährlichen Abfallstoffen zu erwarten.

Als besonders bedenklich sah der Sachverständige des BUND die hoch belasteten Stäube an, da sich aufgrund deren Beschaffenheit eine Emission nicht vollständig vermeiden lässt. Diese feinsten, unsichtbaren und geruchlosen Teilchen können in der Luft aufgewirbelt lange Zeit schweben und über die Luftröhre und die Bronchien bis tief in die Lunge vordringen. Dadurch können verschiedenste Lungenkrankheiten bis hin zu Krebs ausgelöst werden. Immerhin wird mit einem jährlichen Ausstoß an Feinstäuben von circa vier Tonnen gerechnet.

Laut Modellberechnung soll sich deren Verteilung vor allem auf den Bereich der Mülldeponie und der angrenzenden Aussiedlerhöfe konzentrieren, wobei die geographischen Gegebenheiten bei der Berechnung der Luftführung nicht berücksichtigt wurden.

Die tatsächliche Ausbreitung der Luftemissionen ist den Bürgern von Buchen und Bödigheim durch die MBA bestens bekannt.

Auch wenn laut Antragsteller die Emissions-Grenzwerte der einzelnen Schadstoffe eingehalten werden, hat trotzdem jede Schadstoffbelastung Auswirkungen auf die Gesundheit, vielleicht nicht unmittelbar, aber langfristig. Da eine Vielzahl von gefährlichen Stoffen beantragt wurde, kann sich durch deren Vermischung ein gesundheitliches Risiko ergeben, das jetzt nicht abgeschätzt werden kann.

Die Einhaltung der im Emissionsgutachten genannten Werte kann auch nicht garantiert werden, da sich die Kontrolle der Schadstoffbelastung nach Aussage von Herrn Büttner (Ecosoil GmbH) auf Stichproben beschränkt. Hinzu kommt, dass die Proben durch den Entsorger erst vor Ort genommen werden.

Das heißt für uns, dass sich der vorab deklarierte Müll schon hier befindet, bevor er zum ersten Mal tatsächlich kontrolliert wird. Die Analyse einer Probe dauert mindestens ein bis zwei Tage. Hier stellt sich die Frage, was in der Zwischenzeit mit dem angelieferten Material passiert und wie vorgegangen wird, sollte die Analyse nicht mit den deklarierten Werten übereinstimmen.

Die Stadt Buchen hat hier als Verpächterin des Geländes Sansenhecken an die AWN eine besondere Verantwortung. Herr Bürgermeister Burger hat in der Gemeinderatssitzung vom Montag erklärt, dass die Möglichkeit, "überregionalen" Müll zu deponieren bereits in dem mit der AWN 2005 geschlossenem Pachtvertrag enthalten ist und die Stadt Buchen daher keine Handlungsmöglichkeiten sieht.

Hier wäre jedoch zuerst einmal die Bedeutung des Begriffs "überregional" zu definieren. Im Lexikon ist nämlich unter diesem Begriff das Synonym "auf Landesebene" zu lesen. Zum anderen sieht der mit der AWN geschlossene Vertrag eine Kündigungsmöglichkeit im Jahre 2015 vor und wir sind der Meinung, dass damit durchaus ein gewichtiger Einfluss auf die geplante Anlage genommen werden kann. Schließlich ist solch eine Anlage mit erheblichen Investitionen verbunden und wird auf Jahrzehnte hinaus geplant.

Grundsätzlich steht außer Frage, dass wir Menschen Müll produzieren und dieser Müll auch deponiert werden muss. Doch hier geht es um weitaus mehr als nur darum, Müll aus unserer Region, dem Land Baden-Württemberg und angrenzenden Bundesländern zu bearbeiten und zu deponieren. In diesem Antrag geht es um die Verwertung von gefährlichem Abfall aus ganz Deutschland und sogar den EU-Ländern.

Grundsätzlich ist Abfall möglichst entstehungsnah zu entsorgen. Wir können daher nicht nachvollziehen, warum wir in unserem schönen Städtchen Buchen den Giftmüll anderer Länder verwerten sollen. Hier sind einzig und allein kommerzielle Interessen einzelner Unternehmen vorrangig und nicht das Wohl der Bürger.

Da Herr Burger auch Mitglied des Aufsichtsrates der AWN ist, mag ein Interessenskonflikt bestehen. Doch hier ist unser Bürgermeister gefragt, im Interesse der Bürger zu handeln, die ihn in dieses Amt gewählt haben.

Edith Schäfer, Helma Hübl, Katharina Hütter, Silvia Reiser und Michaela Peschel, Buchen