Leserbrief

Büroturm des Collini-Areals schlecht gepflegt

Zum Artikel „Sanierung – nur „Einzelmeinung“ vom 28. April:

Als 1. Vorsitzender des Vereins „Wir im Collini e. V.“ des Collini-Wohnturms möchte ich der Meinung von Herrn Herzog heftig widersprechen. Es ist erst mal festzustellen, dass die Stadt jahrelang den Büroturm nicht gepflegt beziehungsweise saniert hat. Des Weiteren ist festzustellen, dass seit Jahren sehr viel Geld für die Einrüstung des Büroturms ausgeben wurde. Hätte man den Büroturm in der gleichen Weise wie das Wohnhaus gepflegt beziehungsweise saniert, dann würde das Problem nicht bestehen und der Büroturm wäre weiterhin nutzbar und nicht in einem solchen maroden Zustand wie heute.

Am 20. September 2019, dem Tag des Bürgertreffs, wurden keine Vorschläge zu Sanierung oder Neubau des Büroturms vorgestellt, sondern lediglich Vorschläge für die Bebauung des kompletten Collini-Areals. Es wurden drei Vorschläge präsentiert für die Nachnutzung des Büroturms. Keiner dieser Vorschläge war zu diesem Termin in den vorgestellten Versionen akzeptabel.

Aus diesem Grund haben wir eine Unterschriftensammlung angefangen und parallel versucht, mit Frau Limbach ein neues Treffen zu vereinbaren, da bei dem Treffen am 20. September 2019 viele Eigentümer nicht erschienen sind. Als wir bereits zwei Drittel der Bewohner des Wohnhauses befragt hatten, wurde uns mitgeteilt, dass es eine erneute Präsentation gibt, bei der die drei vorgestellten Vorschläge nochmals überarbeitet wurden. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon um die 300 Unterschriften, welche mir vorliegen.

Der endgültige abgeänderte Vorschlag, für den sich die Stadt entschieden hat, ist meiner Meinung nach für circa 80 Prozent der Bewohner akzeptabel, was aber nicht bedeutet, dass diese damit auch zufrieden sind – geschweige denn die 20 Prozent, die es nicht akzeptabel finden. Wir können der Stadt nicht verbieten, ihr Gut zu verkaufen. Aus diesem Grund haben wir nichts weiter unternommen. Wir sind aber der Meinung, dass eine Sanierung des Büroturms und der Tiefgarage die bessere Lösung gewesen wäre und dies hätten wir auch unterstützt.

Aufgrund des geschilderten Sachverhaltes ist die Aussage von Herrn Herzog somit nicht korrekt, dass es sich hier um eine einzelne Meinung handelt, die mit der Nachnutzung unzufrieden ist.

François de Poorter, Mannheim

„Mannheims Wohnadresse Nummer 1“, mit dieser „Headline“ wurden Mitte der 1970er Jahre Wohnungen im neu erbauten Collini-Center in den Inseraten der „Neue Heimat“-Baugesellschaft, auch in dieser Zeitung, beworben. Ich kann mich erinnern, dass meine Eltern, mein Vater als „Besserverdienender“, Post bekamen, die freien Wohnraum zum Kauf offerierte.

Seit 2001 bewohne ich nun selbst schon als Eigentümer ein Appartement als Zweitwohnsitz in dem Anwesen. Die Stadtnähe und gute Erreichbarkeit aller infrastrukturellen Einrichtungen, sowie tolle Aussicht und eine gediegene Anonymität und Ruhe kennzeichnen für mich einen angenehmen Aufenthalt hier, wenn ich in Mannheim bin.

Das ebenfalls denkmalgeschützte Bürogebäude mit der Galerie (Mall), etliche Jahre bereits für Unsummen eingerüstet, soll nun einem neuen Ensemble weichen und unter den Abrisshammer fallen. Neben Wohnraum und Büros sollen Geschäfte entstehen, obwohl man in der Vergangenheit doch negative Erfahrungen mit Verkaufsfläche, zum Beispiel in den D-Quadraten machte. Hier herrschte kurz nach der Eröffnung nur „tote Hose“. Auch die Einzelhändler in der gerade eröffneten „Mall“ des Collini-Centers hatten damals kein Glück und mussten zeitnah passen.

Und jetzt wiederholen sich alte Fehler? Den Bewohnern der westlichen Hausseite werden Gebäude vor die Nase gesetzt, die den Balkonaufenthalt dort nur noch wechselseitig für Voyeure, beziehungsweise zum Trocknen von Wäsche geeignet erscheinen lassen. Im Falle des Abrisses müssten wir alle mit unseren Fahrzeugen die Tiefgarage räumen und dann die nördliche Neckarseite oder die Oststadt zum Parken aufsuchen. Unzumutbar und unrealistisch.

Derzeit findet am Wohnturm eine „behutsame“ Betonsanierung der Fassade statt. Wäre von Beginn an mit der Fassade des Büroturmes in gleicher Weise verfahren worden (regelmäßige Wartung), hätten keine Kosten in Millionenhöhe für die Schutzeinrüstung dieses Gebäudeteils entstehen können und die Mittel neben der Sanierung wären gegeben für eine Neuaufteilung, zum Beispiel in ein Resort für „Studierende“ oder Senioren.

Hier gab es schon zu Beginn Nachlässigkeiten. Nun sind Menschen, die ehemals viel Geld und guten Glauben in ihren Wohnsitz investiert haben, wohl die Gelackmeierten. Wenn ich im Foyer oder an den Fahrstühlen gelegentlich mit anderen Bewohnern ins Gespräch komme, kann ich kaum „Freude“ oder eine positiv gestimmte „ Mehrheit für das Bauprojekt erkennen.

Uwe Merkel, Mannheim

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