Leserbrief

„Corona-Leugner auf die Intensivstation“

Zum Thema Corona-Leugner:

Ebenso wie die Initiative „Querdenker 6201“ möchten wir hier unsere Meinungsfreiheit nutzen – leider erheben wir zu selten unsere „Mitdenker“-Stimme und geben diesen Initiativen damit mehr Raum als sie repräsentieren. Mögen diese Initiativen „gut gemeint“, harmlos oder vielleicht auch unbedeutend wirken, sind sie aus unserer Sicht brandgefährlich. Zu groß ist die Gefahr, dass populistische oder gar extreme Gruppierungen diese Bewegungen für ihre Ziele nutzen und die Mehrheit dabei schweigend zuschaut.

Wir sind beschämt, sprachlos und bestürzt zu sehen, dass angesichts der steigenden Corona-Infektions- und Todeszahlen überall auf der Welt immer noch die Existenz dieses Virus verharmlost oder gar geleugnet wird. Hier ist eine globale Sicht gefordert, nicht nur der Blick auf das Krankenhaus um die Ecke. Doch auch hier im Rhein-Neckar-Kreis sterben Menschen an diesem Virus oder leiden an starken, noch nicht übersehbaren Folgen. Dieses Wissen kommt leider durch eigene Erfahrungen: durch berufliche Tätigkeit im Gesundheitsbereich und durch reale Fälle im Freundeskreis (zum Beispiel 40-jährige, sportliche Nichtraucherin ohne Vorerkrankungen, die nun seit knapp fünf Monaten in der Reha ist, um wieder normal Treppen steigen und arbeiten zu können).

Solidarität mit Füßen getreten

Durch egoistisches Denken und Handeln wie dem Verweigern von Masken und dem Infragestellen der Inzidenzzahlen oder des Virus insgesamt werden Menschen weiterhin gefährdet und das Gemeinwohl und die Solidarität mit Füßen getreten. Es ist das erste Mal, dass wir in direktem Umfeld unserer Nachbarschaft (Familie mit zwei kleinen Kindern) mit dieser absurden und durch Fachkreise hinlänglich widerlegten Sichtweise konfrontiert werden – immer wieder mit dem aus unserer Sicht unhaltbaren Hinweis auf die angeblich gezielte, geplante und absichtliche Einschränkung unserer Grundrechte.

Geradezu perfide wird das Ganze, wenn Infos an die Presse gehen, dass geplant sei, vor Kindergärten (!) und Schulen Kinder anzusprechen und unwirksame, löchrige Masken zu verteilen. Dies alles heute als „Test der eigenen Kommunikationsstrukturen“ darzustellen, ist ein dreister Scherz auf Kosten der Schulen/Eltern und Kinder. Allein der Ansatz dieser Idee zeigt, wie es um den Ver- und Anstand dieser Leute bestellt ist.

Wir schließen uns hier der Meinung eines Intensivmediziners an, der sagte: „Schickt alle Corona-Leugner und Maskenverweigerer für einen Tag zu mir auf die Isolierstation – dann denken sie anders!“ Hier geht es nicht um die Diskussion einzelner Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie (die uns genauso beeinträchtigen und teils nerven), sondern um die Verharmlosung einer Krise, die mittlerweile alle Staaten dieser Welt erreicht hat.

„Symbol der Trauer“ missbraucht

Wäre es nicht sinnvoller, gemeinsam und entschlossen, alles Mögliche zu tun, um diese Situation so schnell wie möglich zu beenden? Auch wir wollen (wieder) unbeschwert leben, feiern und reisen und nicht andauernd Risiken abwägen müssen. Wir sind sehr traurig, dass bei der letzten Demo hier in Weinheim weiße Rosen als „Symbol der Trauer“ missbraucht und verschwendet wurden – sie sollten besser für die aktuell 58 Familien allein in diesem Landkreis niedergelegt werden, in denen ein lieber Mensch dem Virus zum Opfer gefallen ist.

Ursula Lünborg-Bächtle und Bernd Schlieder, Hirschberg