Leserbrief

Da läuten alle Alarmglocken

Zu den Artikeln „Investor will ABB zerschlagen“ vom 21. Juni und „Im Sinne der Beschäftigten“ vom 28. Juni:

Als ehemaliger, langjähriger Mitarbeiter im Bereich Industrieanlagen bei ABB und jetzt als Rentner in Wachenheim wohnend, beziehe ich immer noch den „Mannheimer Morgen“. Dabei lese ich auch mit Interesse die Entwicklung der ehemaligen innovativen, großen Firma ABB.

Zwei dicke Überschriften in zwei Ausgaben des „MM“ veranlassen mich zu diesem Leserbrief. Die erste Überschrift in der Ausgabe vom 21. Juni lautet: „Investor will ABB zerschlagen“! In der zweiten Überschrift, Ausgabe vom 28. Juni ist zu lesen: „Im Sinne der Beschäftigten“! (klein dabei geschrieben steht: IG Metall zufrieden). Da stellt sich mir die Frage: Kann die Zerschlagung einer Firma im Sinne der Beschäftigten sein? Zu lesen ist auch, dass der Investor Cevian seine Finger mit im Spiel hat. Ist dieser Investor nicht auch maßgeblich bei der ehemaligen Firma Bilfinger und Berger beteiligt? Da läuten doch alle Alarmglocken!

Wie kann die IG Metall mit so einer Zerschlagung und deren Folgen zufrieden sein, zumal es sicher sehr starke Vernetzungen mit anderen Bereichen in ABB gibt. Auch wäre es interessant zu wissen, seit wann und mit welchem Prozentsatz vom Grundkapital der „Großaktionär“ an der gesamten Firma ABB beteiligt ist – um solche Maßnahmen, wie die Zerschlagung, durchzusetzen?

Die größte Rücksichtslosigkeit finde ich ist, dass der größte Teil des Verkaufserlöses, von rund neun Milliarden Euro an die Aktionäre fließen soll. Anstatt diese Gelder der Firma zu entziehen, wäre, wenn schon eine zukunftssichere Sparte für Stromübertragung verscherbelt wird, eine Reinvestition in die Firma ABB zu tätigen, um zukunftsorientierte Arbeitsplätze zu schaffen. Zumal nach meiner Ansicht die Arbeitnehmer weit mehr zum Wert dieser verkauften Sparte beigetragen haben als diese Investoren mit ihrem eingesetzten Kapital. Aber Gier nimmt auf Menschen keine Rücksicht! Ich glaube, auch schon einmal gehört zu haben, dieses Verhalten erinnere an Heuschrecken. Es stellt sich zudem auch die Frage: Wie lange hat das übrig gebliebene, angebliche, schwerfällige „Konglomerat“, das laut der ungeduldigen Investoren, („MM“ vom 21. Juni), weiter getrimmt werden muss, noch Bestand?

Erlauben Sie mir noch eine kleine Bemerkung über die Weitsichtigkeit mancher Manager im Rückblick. Während meiner aktiven Zeit sollte der Geschäftsbereich Industrieanlagen aufgelöst werden, da man keine Zukunft für das Geschäft mehr sah. Man übersah die Vernetzung mit anderen Bereichen, welche zu sehr positiven Ergebnissen führte. Dank des zuständigen Betriebsrates und einigen Managern mit Rückgrat wurde dieses Vorhaben jedoch verhindert. Heute ist dieser Bereich noch einer der wenigen bei ABB verbliebenen Bereiche!

Robert Koch, Wachenheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2RLSsBu und http://bit.ly/2XKC5un