Leserbrief

Dank für Loimeiers Kommentar

Zum Kommentar „Überfällig“ vom 21. April:

Endlich einmal habe ich nur zu loben, der Kommentar Manfred Loimeiers war tatsächlich überfällig. Hoffentlich kann ich das in Zukunft noch öfters feststellen.

Der Kommentar von Manfred Loimeier war nach jahrelangen Redaktionsbeiträgen mit Hang zu einseitiger „Politischer Korrektheit“, die man schon gar nicht mehr lesen mochte, tatsächlich überfällig. Sollte die kulturelle Meinungs-Hoheit und Grundsympathie der schreibenden Zunft für alles „Linke“ etwa die Meinungs-Freiheit behindert haben? Gilt fortan auch das Prinzip redaktioneller Meinungs-Vielfalt? (Gunter Zimmermann, Mannheim)

Ganz im Sinne des oft zitierten Voltaire, der die Meinung eines Kontrahenten nicht teilen wollte, gleichwohl aber dessen Meinungsfreiheit verteidigt. Das Zitat stammt zwar nicht direkt vom französischen Aufklärer, fasst aber dessen Haltung zitierfähig zusammen. „Die Wahrheit liegt in der Mitte!“ mahnte in früheren Zeiten einer unserer Lehrer. Die Diskussion um die „Spiegel-Affäre“ 1962, etwas außerhalb des Lehrplans geführt, drohte zu entgleisen und die Klasse zu spalten. Eine gemäßigte, wahrheitsnahe Position ergebe sich nur bei Kenntnis extremer Standpunkte und läge dann irgendwo dazwischen. Er berief sich dabei auf Aristoteles: Man solle die Extreme meiden, die Mitte wahren.

In Berlin haben im Herbst letzten Jahres einige Tausend Menschen vor dem Reichstag gegen einen „Rechtsruck“ im neuen Bundestag demonstriert, der zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentrat. Beim Einzug der kommunistischen SED-PDS (heute „Die Linke“) in den Bundestag 1990 gab es gegen einen „Linksruck“ keinerlei Demonstrationen. Heute fällt ein islamkritischer Bundestags-Vizepräsidentenkandidat (Albrecht Glaser, AfD), der irrigerweise glaubt, dem religionsintoleranten Islam das Verfassungsrecht der Religionsfreiheit absprechen zu müssen („keine Toleranz gegenüber Intoleranten“) bei der Wahl durch.

Eine stets Betroffenheit zelebrierende Grüne (Claudia Roth) wird hingegen ohne Probleme ins Präsidium gewählt, obwohl sie 2015 mit fragwürdiger Parolen wie „Deutschland verrecke, du mieses Stück Scheiße“ auf einer Demonstration von Antifa und Autonomen in Hannover mitgelaufen war.

Opposition gehört zur Demokratie

Selbst „Kulturschaffende“ schaffen es mittlerweile, Moralterror mit faschistischen Methoden durchzusetzen: Auf der letzten Frankfurter Buchmesse wurde gegen unerwünschte „rechte Verlage“ nicht nur demonstriert, sondern gleich noch nachts der Ausstellungsstand beschmiert und die Bücher gestohlen. Toleranz und „Vielfalt“ endeten an der Grenze des eigenen engen Gesinnungsspektrums und blamierten damit gründlich den reklamierten hohen Moralanspruch. Gerne wird dabei der „Nazialarm-Automat“ eingeschaltet, wenn auf ökonomische und soziale Folgen des Migrationsskandals hingewiesen wird.

Selbst wenn man die üblichen Schubladen-Etiketten Rechts/Links für nicht besonders hilfreich hält, könnte für eine politisch reife Kultur ein Verhaltenskodex gelten: Eine klar definierte, sich innerhalb demokratischer Regeln und Verfassung bewegende linke und rechte Opposition ist legitimer Bestandteil unserer Demokratie. Dem werden vernünftige, politisch wache Bürger zustimmen und dürfte jedem ideologisch unverbastelten Menschen einleuchten. Dazwischen liegt die breite Mitte der Konservativen, Sozialen, Ökologen und Liberalen und jeder hat sein eigenes Stück Wahrheit und Anspruch auf Geltung.

„Vielfalt“ und „Buntheit“, der Karneval von Kulturen und Religionen, wird zwar von gewisser Seite eifrig propagiert, aber deren Konsequenz verharmlost. Aktuelles Beispiel wieder mal „Islam“. Welche Werte da zu wem gehören oder passen sollen, bleibt völlig schleierhaft. Fernsehen und manche Printmedien liefern dabei eine penetrante pädagogische Belagerung des vermeintlich ignoranten Volkes.

Hingegen soll guter Journalismus nach Überzeugung des früheren Tagesthemen-Moderators HaJo Friedrichs sich nicht mit einer Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten. Faire Presseberichte informieren sachlich, trennen Fakten von Meinungen, vermeiden Gesinnungs-Journalismus, schließen damit das Glaubwürdigkeitsdefizit und heben vielleicht sogar, ganz nebenbei, das Ansehen des Berufsstandes der Journalisten. (Winfried Wolf, Plankstadt)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2HLSman