Leserbrief

Danke für Debatten-Beitrag

Zum Debattenbeitrag „Wie können wir den Wachstumszwang überwinden, Herr Schneider-Wedding?“ vom 28. März:

Es tut sehr gut, beim Lesen eines Gastbeitrags das Gefühl zu haben, nicht ganz verblödet zu sein! Oft wollen uns ja die Wirtschaft beziehungsweise deren Vorstände, Aufsichtsräte, Wirtschaftswissenschaftler samt den hörigen Politikern und Lobbyisten weismachen, wir würden die Komplexität der Globalisierung nicht begreifen können. Wir wären da wie „Greta“ zu naive, kleine Mädchen, die ja gar nicht wissen können, worüber sie da reden.

Ich bin gerne Greta! Eines jedenfalls ist klar: Mit einem Grundeinkommen hätten wir nun in dieser Corona-Krise nicht diese Umverteilungsmisere. Was danach an Hilfspaketen auch für die Großindustrie notwendig werden wird, daran will ich gar nicht denken. Das könnte auf einen Umverteilungskampf hinaus laufen. So danke ich Herrn Schneider-Wedding für seinen unmissverständlichen Beitrag: Die Politiker, und allen voran die Interessenten der Kapitalmärkte und Industrien, wollen Stimmvieh, Menschenmaterial, das je nach Bedürfnis gemolken, geschlachtet oder sonst irgendwie verwertet werden kann.

Sklaven des Geldes

Andererseits soll dieses Vieh Verantwortung übernehmen für – ja für was denn? Klimaerwärmung, Konsum, Mitfinanzierung von abstrusen Flughäfen und Bahnhöfen, sprich „Wachstumszwang“, weil wir ja eine Solidargemeinschaft sind, vielmehr sein sollten. Kernfrage ist laut dem Autor: „Warum wird die Fehlsteuerungspolitik auf Kosten der Umwelt und auf Kosten der Menschen mit aller Macht aufrecht erhalten?“

Wir sind schon lange keine Solidargesellschaft mehr. Ein Teil der Menschen hat sich losgesagt, leider nicht bemerkend, dass auch sie Sklaven des Geldes geworden sind. Unsere Gesellschaften sind auseinandergebrochen! Wir befinden uns tatsächlich trotz unseres Fortschritts in vielen Bereichen, tausende Jahre zurück, in der Epoche der Armut, der Konflikte und der Unterdrückung. Aber bei uns, im reichen Westen, ist das halt noch nicht angekommen, es geht uns ja gut. „Me first!“

Wertewandel nach Corona

Dumm ist es, zu glauben, dass dieses Gutgehen nicht auf dem Rücken von anderen fußt, und letztendlich wir uns den Ast absägen, auf dem wir sitzen. Ich hoffe, weil die Hoffnung stirbt bekanntlich als letzte, mit dem Gastautor, dass nach Corona die Welt, das heißt wir Menschen, einen Wertewandel vollziehen und Kreativität, Empathie und vor allem Spiritualität wieder als Basis unser politisches Leben bestimmt. Von wegen „Krone der Schöpfung“– momentan sitzt ein Virus am längeren Hebel. (Eva Martin-Schneider, Heddesheim)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2JNeJvo