Leserbrief

Das Café Journal ist weiter Thema

Zu den Artikeln „Wird aus dem Café Journal ein türkisches Restaurant?“ vom 22. Juni und „Der Platz hat seinen eigenen Charme“ vom 26. Juni:

Die Menschen wundern sich, dass es immer mehr türkische Restaurants, Grillstuben, Dönerbuden und so weiter gibt. Eigentlich eine logische Entwicklung. Fragen Sie doch mal Deutsche, wer bereit ist, sechs oder gar sieben Tage in der Woche zu arbeiten. Das meistens auch noch von morgens bis spät in die Nacht. Die Arbeitszeit beginnt meist vor der Öffnung (Beschaffung) und endet nach der Schließung (Abrechnung) nicht gleich.

Ich weiß das von einem Schulkameraden, der ein (deutsches) Restaurant betreibt, auf die siebzig zugeht und seit Jahren – ergebnislos – einen geeigneten Nachfolger sucht. Wenn man dann den Ertrag durch die Arbeitszeit dividiert, kommt oft ein Stundenlohn raus, der niedriger ist als der Mindestlohn. Hinzu kommt dann eventuell auch noch Ärger mit Gästen, Anwohnern, Personal, und, und, und . . . Da muss man sich nicht wundern, dass es kaum noch (deutsche) Menschen gibt, die bereit für solche Arbeit sind. Heinrich Bischoff, Viernheim

Mit großer Betroffenheit und Sorge las ich die Nachrichten zum Thema „Café-Journal“, das offenbar den Besitzer gewechselt hat. Man befürchtet, dass sogar der Name verschwinden wird, obwohl er so zutreffend war. Ganz vielen Bürgern war der Name vertraut. Den bisherigen Verantwortlichen für das Lokal sei Dank gesagt!

Dieses Café war etwas Besonderes, im Grunde genommen war es ein kleines Kultur-Institut. Man denkt an die internationalen Zeitungen, die am Eingang angeboten wurden, neben alten Zeitungsteilen in den Bilderrahmen, die an wichtige Ereignisse der Historie erinnerten. Man freute sich über die internationalen Frühstücksangebote. Das Ambiente war ruhig, wohltuend alt und abgeschirmt von der quirligen Umgebung, ein Ort der Ruhe im Gegensatz zu anderen Lokalen in der Nähe.

Vereinheitlichung

Und nun? Ich befürchte, dass eine weitere Vereinheitlichung am Marktplatz stattfinden wird, denn vielfach wird keinerlei Rücksicht auf die Empfindungen derer gelegt, die schon immer hier waren. Man befürchtet auch, dass sich das Angebot nach religiös angebundenen oder fremden Sitten richten wird, die längst nicht alle positiv aufnehmen. Langfristig kann das zur weiteren Entfremdung zwischen den Gruppen führen, nicht gut für das Zusammenleben in der Stadt, vielleicht sogar gefährlich. Man erhalte zumindest den Namen „Café-Journal“, verbunden mit einer gewissen Verpflichtung, den liberalen Geist dieses Restaurants wenigstens etwas zu bewahren. Es wäre für alle gut. Klaus Mengel, Mannheim

Die Empörung über die offensichtliche Monokultur in der Gastronomie des Marktplatzes ist Thema bei all meinen Freunden und Bekannten. Frau Brinkmann hätte nicht in der heißen Sonne am fast leeren Marktplatz, sondern an einem Markttag ihr Interview führen sollen. Denn nur dafür gehen Mannemer, die ihre Stadt lieben wie ich, noch dort hin. Sie versuchen Meinungen von ... bis wiederzugeben. Allein die Überschrift scheint mir aber den Tenor zu bestätigen, den dieser Artikel an die geneigte Leserschaft vermitteln will: alles nicht so schlimm. Der Charme ist da. Dieser Nivellierung kann ich in keiner Weise das Wort reden. Der Mannheimer Marktplatz mit seinen stinkenden, nicht appetitanregenden Grillkaminen, ist kein Ort zum Verweilen. Daher ist ein fünftes türkisches Restaurant gut für die Gäste, die ihre Brautkleider, den Schmuck und so weiter, in großem Umfang hier kaufen, um danach traditionelle Gerichte ihres Landes einzunehmen. Bestenfalls. Uns Mannheimern bleiben dann allenfalls die Wasserturmarkaden oder der Strohmarktplatz, um ein Bier oder eine Weinschorle zu trinken. Arme Stadt. Schauen Sie nach Ladenburg oder andere Städte in unserer Gegend, wie Speyer, Karlsruhe, Heidelberg. . . So eine Bündelung und Ausschließlichkeit in der Gastronomie gibt es nirgends! Gerade jetzt, wo der Außenbewirtung eine gesteigerte Rolle zukommt, wäre der Marktplatz ganz anders zu nutzen. Die Stadtverwaltung hat die Entwicklung schon lange verschlafen. Das immerhin an einem der bedeutendsten Plätze Mannheims! Elisabeth Müller, Mannheim

Richtig schade, dass es das „Journal“ nicht mehr gibt. Ich fand, es war ein angenehmes Lokal mit eigenem Flair, guten Esskleinigkeiten, netten Menschen, nicht zuletzt: mit liebenswürdigem Personal. Seinen Wegfall empfinde ich als Verlust – gerade für die Multi-Kulti-Szene,. . . die ich besonders gern mag und zum Großteil auch als gelungen sehe – oder ist sie das etwa doch nicht?

Fressschuppen ohne Charme

Sicher sind die türkischen Restaurants okay, aber halt Fressschuppen. . . ohne Charme, Schirm und Melone; doch, mit Schirm zum Teil schon! Bitte, ich vermute, dass die Bedienung dort auch liebenswürdig ist. . . Darum geht’s grad nicht ausschließlich. Es gibt in den Lokalen nicht mal ein Glas Wein als kleines Zugeständnis an die „Eingeborenen-Kultur“. Das würde doch keinem wehtun und wäre eine nette Geste, oder? Ich bin eine weibliche Uralt-Figur, die sich ihre Zeit zum ersten Mal mit dem Schreiben eines sogenannten Leserbriefes vertreibt, Multi-Kulti geradezu liebt, zum Teil im Ausland gelebt hat und jederzeit gegen „Rechts“ auf die Straße geht. J. Heberer, Mannheim

Auch ich bedaure sehr, dass das Café Journal schließt! Ich frage mich die ganze Zeit, warum keiner dieses Lokal mit einer ähnlichen Speisekarte übernimmt? Gibt es einen Grund? Es könnte alles bleiben, es braucht nur jemanden, der die „Journal-Tradition“ weiterführt. Malu Wünnenberg, Mannheim

Liebe Mannheimer, in Ludwigshafen gibt es kaum noch deutsche Speiselokale. In Mitte überhaupt keine mehr. Das ist der Trend. Deshalb: Unterstützt die wenig verbliebenen deutschen Speisegaststätten, in denen noch nach alter Tradition gekocht wird. Walter Weidenhaus, Ludwigshafen

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/38bAJLX und https://bit.ly/2Zh1MS4