Leserbrief

Das denken Leser über den Gastbeitrag von Liane Bednarz

Zum Debattenbeitrag „Sind die Grenzen zwischen konservativ und rechts fließend, Frau Bednarz?“ vom 14.7.:

Na dann mal herzlichen Dank Frau Bednarz, jetzt wissen wir endlich, wo die große Gefahr für unsere Gesellschaft zu orten ist. Es sind die fehlgeleiteten Christen, die eine unbarmherzige Religion anstreben. Es sind die gefährlichen Abtreibungsgegner und die Genderfeinde, welche dann das Übel AfD wählen. Es sind die kaltherzigen Konservativen, die illegale Einwanderer nicht als Flüchtlinge akzeptieren wollen. Und dann die Islamfeinde, die nicht sehen wollen, wie herzensgut und fortschrittlich diese Religion ist. Ja Frau Bednarz, wir werden wachsam sein und uns diese so gefährliche Gruppe unserer Gesellschaft genau anschauen. Das lenkt hoffentlich von den vielen Problemen ab, unter der die Bevölkerung hier tatsächlich zu leiden hat.

Jürgen Schmitt, Mannheim

Sicherlich hat die Publizistin Frau Bednarz Recht, dass im Umfeld der AfD und rechter Protagonisten in den neuen Bundesländern teilweise ein gesellschaftliches Milieu zu beobachten ist, das sich völkischer und nationalistischer Positionen bedient, die sich auszeichnen durch ein Schwarz-weiß-Denken und mangelnde demokratische Liberalität. Sicher ist es auch richtig, dass die Grenzen zwischen rechtem konservativen Denken und rechtsradikalem Denken fließend sind.

Das gilt übrigens auch für fließende Grenzen zwischen linksdemokratischen und linksradikalen Positionen. Ob christlich-religiöse Vordenker in den neuen Bundesländern nationalistisch angehaucht sind, wie Frau Bednarz sagt, kann ich jetzt nicht beurteilen. Vermutlich ist das so. Tatsache ist aber auch, wie Frau Bednarz ja zugibt, dass Konservative und Christen sich rechts von CDU und CSU orientieren, weil die Unionsparteien die Ihnen wichtigen Themen und Standpunkte nicht mehr vertreten.

Werte müssen geteilt werden

Pauschal Stimmungen und Feindbilder mit Schlagworten wie „Genderwahn“ oder „Massenzuwanderung“ zu schüren, ist nicht zu verantworten. Da hat Frau Bednarz sicher recht. Und als Christ sollte man das auch nicht tun. Trotzdem muss man die realen Probleme in unserer Gesellschaft sehen, die für die Zukunft unseres Landes gefährlich sind: In vielen Stadtteilen westdeutscher Städte sind gebürtige Deutsche oft schon in der Minderheit. Multikulturelle Problemviertel erschweren die Integration der Zuwanderer oder stellen sie ganz in Frage.

Männlichen Schülern, die ohne Vater aufwachsen, fehlt es in Schulen oft an männlichen Vorbildern, weil dort oft überdurchschnittlich viele Frauen unterrichten. Darauf weist die Sozialpsychologin Christa Mewes schon lange hin. Frau Bednarz und auch Vertreter der beiden christlichen Kirchen müssten meines Erachtens auch erkennen, dass man mit christlichen Werten und Nächstenliebe nur denjenigen begegnen kann, die diese Werte unserer Kultur auch in unserem Sinne teilen oder anzunehmen bereit sind.

Wer das nicht tut, ist naiv und läuft Gefahr, sich selbst aufzugeben im eigenen Land. Das gehört neben deutschen Sprachkenntnissen übrigens auch zu einer gelingenden Integration in Deutschland. Und dann muss man auch als Christ, der Angst hat um seine Heimat, Kritik an kirchlichen Vertretern wie Kardinal Woelki üben dürfen und ist deswegen noch lange kein rechter Christ im Sinne von Frau Bednarz, der mit nationalen Themen Stimmung macht.

Insgesamt hat Frau Bednarz recht, vor rechten fundamentalistischen Tendenzen, auch bei katholischen und evangelikalen Christen, zu warnen. Aber die Probleme unseres Landes beim Thema Zuwanderung, der Familienpolitik oder der Schulpolitik, die konservativen Kritikern zu Recht wichtig sind, müssen unbedingt ernstgenommen werden.

Robert Schnörr, Mannheim

Die Argumentation von Liane Bednarz, durchaus mit Verständnis für die Konservativen vorgetragen, scheint mir etwas abgehoben zu sein. Von den Sorgen der Menschen in unserem Land ist bei ihr nicht die Rede. Was die Menschen in diesem Land umtreibt, sind doch ihre unmittelbaren Wahrnehmungen und Erfahrungen in ihrer Lebensumwelt. Es kommen mittelbare Erfahrungen hinzu, zum Beispiel dass 66 Prozent der hier lebenden, zu einem guten Teil hier geborenen Türken für den Autokraten Erdogan abstimmen.

Zu diesen Erfahrungen gehört auch, was zum Beispiel in den jährlichen Befragungen des kriminologischen Instituts Niedersachsen bei den Schülern in Niedersachsen zutage tritt. In der Befragung 2018 haben 27,4 Prozent der Schüler folgender Aussage zugestimmt: „Die islamischen Gesetze der Scharia“ (nach denen zum Beispiel Ehebruch und Homosexualität hart bestraft werden) „sind viel besser als die deutschen Gesetze.“ Und 33,6 Prozent der Schüler stimmten der Aussage zu: „Der Islam ist die einzige wahre Religion; alle anderen Religionen sind weniger wert.“

Hier scheint nicht etwa die Grenze zwischen konservativ und rechts, sondern es scheinen vielmehr die Grundlagen unserer Gesellschaft ins Rutschen zu geraten. Unser Land hat sich in kurzer Zeit sichtbar verändert, und ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen. Weittragende politische Entscheidungen wurden über die Köpfe der Bevölkerung hinweg getroffen. Diesen vorangehende ernsthafte, öffentliche Diskussionen, bei denen die Menschen mitgenommen, aber auch auf sie gehört wird, sind Fehlanzeige.

Es ist verständlich, wenn dann Ängste um die Zukunft unserer Gesellschaft aufkommen. Hier vorwurfsvoll von Verschwörungstheorien zu reden, wird den Gefühlen nicht gerecht. Solche Gefühle sind vielmehr ernst zu nehmen. Das hört man inzwischen zwar auch von den Politikern, aber so lange die Probleme nicht umfassend gelöst werden, wirken diese Aussagen nur wie Lippenbekenntnisse.

Hartfrid Golf, Lampertheim

Halten wir zunächst fest, dass da eine linke Juristin und Publizistin argumentiert, keine Theologin oder Christin. Aus der Sicht traditioneller Christen findet die Radikalisierung des Christentums eher durch linke Selbsterlösungsevangelisten statt, die das Heil der Menschheit im Willkommenskult für Jedermann erblicken. Dass „der Islam“ keine Nächstenliebe im christlichen Sinne kennt, muss nicht weiter erklärt werden.

Dass Christen, die ihre Religion mit Gewalt verbreiten wollen, gegen ihren Glauben handeln, Muslime aber zur gewaltsamen Ausbreitung des Islam im Koran mehrfach aufgefordert werden, sollte man nach jahrelanger Debatte und mit Blick auf Geschichte und Gegenwart ebenfalls als Teil der Allgemeinbildung abhaken können. Ja, Christen lieben alle Menschen, denn alle sind nach der Bibel von Gott zu seinem Ebenbild erschaffen. Und jeder Mensch ist von Gott geliebt. Heißt das aber auch, dass wir alle, die das wollen, bei uns aufnehmen müssen? Auch um den Preis, dass diese Bereitschaft im Extremfall Chaos schafft, Gesetzlosigkeit und Unfrieden stiftet?

Hier stellen sich durchaus vertrackte Fragen: Steht hier die private Gesinnungsethik gegen die gesellschaftspolitische Verantwortungsethik? Kann das biblische Gebot der Nächstenliebe von der persönlichen Beziehung und Begegnung auf die politisch-gesellschaftliche Ebene übertragen und damit für alle als Pflicht auferlegt werden? Das Liebesgebot sagt nichts darüber aus, ob überhaupt und in welcher Zahl eine Gesellschaft Fremde im eigenen Land aufnehmen soll oder muss.

Die – theoretisch – halbe Weltbevölkerung, wie manche Linksgewirkten meinen, geht ohnehin nur um den Preis der Selbstzerstörung. Und dem steht das Gebot des „liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ entgegen. Wer sich selbst nicht liebt, kann auch keinen anderen respektieren oder gar lieben. Was einer als Privatmensch tut, wirkt auch auf die gesamte Gesellschaft ein und ist dennoch klar zu unterscheiden.

Vor Feinden schützen

Das Beispiel vom barmherzigen Samariter zeigt deutlich: Hier begegnet Einer einem Anderen in akuter Not und nicht etwa vielen Glücksrittern, die sich in fremder Gesellschaft ein müheloses Leben erhoffen. Wer glaubt, man könne die Messiashoffnung auf Welterlösung flugs säkularisieren und endlich eigenhändig das Paradies auf Erden schaffen, der betrachtet vermutlich als internationaler Sozialist die gesellschaftlichen Güter hierzulande als für alle weltweit verfügbar. Der sollte aber bitte auch nicht mehr seine Haus- oder Wohnungstür verschließen, denn damit schließt er ja andere aus.

Nach Luther hat die Obrigkeit nicht nur das Recht, die Ordnung mit Strafen durchzusetzen, sondern auch die Pflicht, ihr Volk vor Feinden zu schützen. Von einer Herberge für Feinde der Gesellschaft, wie etwa in unseren Tagen für einen Salafisten und ehemaligen Leibwächter des Oberterroristen, der jetzt endlich abgeschoben wurde und irrsinnerweise wieder zurückgeholt werden soll, hat er nichts geschrieben.

Winfried Wolf, Plankstadt

Info: Den Originalartikel lesen Sie hier.