Leserbrief

Das halten Leser vom Grundeinkommen

Zum Debattenbeitrag „Warum ist das bedingungslose Grundeinkommen eine echte Perspektive, Frau Douma?“ vom 26. Mai:

Eva Douma hat überzeugend dargestellt, welche Vorteile bei einem Grundeinkommen für alle Bürger entstünden – wie eine freie Wahl, sich in der Arbeitswelt oder in sozialen Bereichen einzubringen, ohne ökonomischen Druck.

Gerade in einer Zeit, in der immer mehr (besonders prekäre) Arbeitsverhältnisse durch Digitalisierung und Roboter wegfallen werden, ist es dringend nötig, eine neue Form des sozialen Zusammenlebens in der Zukunft zu finden. Gleichzeitig entfielen alle Hartz-IV-Berechnungen, das heißt, eine Entlastung der Jobcenter (die ihrer eigentlichen Aufgabe – nämlich Jobs zu vermitteln – wieder nachgehen könnten) und der Verwaltungsgerichte (wegen der Einsprüche bezüglich Hartz-IV-Bescheide).

Also weniger Bürokratie, mehr soziale Gerechtigkeit und viel Einsparung von Finanzen. Die (politische) Angst, dass dann wieder viele Menschen nicht arbeiten wollten, ist durch Umfragen widerlegt: Arbeit hat für den großen Anteil der Menschen wieder Sinn – und das auf freiwillige Entscheidung. Was aber ist mit dem, der nicht arbeiten will? Der fand auch bisher Schlupflöcher in unserem Sozialsystem – mit viel bürokratischem Aufwand. Christa Grenz, Neuhofen

Ja, diese Idee des bedingungslosen Grundeinkommens ist wirklich eine feine Sache. Jeder erhält so viel Geld, dass er davon gut leben kann. Ob er arbeitet oder nicht, spielt keine Rolle. Die Industrie 4.0 ermöglicht das ja so schön.

Kollege Computer

Wie schreibt Frau Douma so putzig? „Die Übernahme von schmutzigen, öden oder schweren Tätigkeiten, die Pflege der Alten oder per Algorithmus den nächsten Spielfilm zu kreieren und das Auto zu steuern: Alles erledigt der Kollege Computer.“ Was für eine schöne neue Welt stellt sich denn da Frau Douma vor? Altenpfleger, Erzieherinnen, Krankenpfleger und Filmemacher werden in einen Topf geworfen.

Was aber ist mit der menschlichen Zuneigung und Fürsorge? Machen das dann die Grundeinkommensbezieher? Heute schon ist trotz Millionen von Arbeitslosen niemand mehr dazu bereit, diese Tätigkeiten zu übernehmen. Unser Sozialsystem hat sich als Magnet für alle Armen dieser Welt entwickelt, was würde geschehen, wenn das weiter ausgebaut würde?

Wie lange noch malochen dann die, welche schon jetzt alles bezahlen müssen? Die Auswanderung von hoch qualifizierten Arbeitskräften würde fortschreiten und der Zuzug von Grundeinkommensbeziehern nähme rapide zu. Nein, das ist der absolut falsche Weg. Anders herum wird jedoch ein Schuh daraus. Wer gesund ist, darf ohne Gegenleistung keinen Cent erhalten. Nur Erziehende und Pflegende sowie Kranke dürfen unterstützt werden. Jürgen Schmitt, Mannheim

Aus geistig-spiritueller Sicht macht es Sinn, dafür einzustehen, jedem Arbeitnehmer einen einheitlichen Grundlohn zu zahlen. Denn das würde bedeuten, dass in der Menschheit ein Umdenken stattfinden würde, nämlich: „Jeder Mensch ist mit dem, was er erschafft und leistet, gleich viel wert und zwar unabhängig davon, ob es sich um einen einfachen Arbeiter handelt, zum Beispiel einen Friseurmeister, einen Bäckerlehrling oder vielleicht um einen Akademiker, einen Hochschulprofessor.“

Ein neues, gesellschaftliches Denken würde ausgelöst und erschaffen. Die Erkenntnis reift: Unabhängig davon, wie sehr oder eher weniger gebildet die Menschen sind, sie alle haben es verdient, gut zu leben und über die Runden zu kommen – und das, ohne sich etwa darüber Sorgen zu müssen: „Wie erwirtschafte ich die notwendigen finanziellen Mittel für Miete und Strom?“ Aber Eigenverantwortung und einem jedem Menschen zustehende Freiheit beinhalten nicht, untätig zu bleiben, die Trägheit, die Bequemlichkeit, die Faulheit zu leben oder Belangloses zu vollbringen, das niemandem dienlich ist. Denn Freiheit ist untrennbar mit Verantwortung verbunden. Auch damit, sich in einen Beruf oder in die Gesellschaft einzubringen, so gut es einem jeden möglich ist.

Das schließt genauso eine ehrenamtliche Tätigkeit oder die Pflege von alten, hilfsbedürftigen Familienmitgliedern ein, so dass im letztgenannten Fall jener dann sogar keine Voll- oder Teilzeitstelle aufnehmen kann. Hierzu sind noch nicht alle bereit. Daher wäre es sinnvoll, gerade jene vor die Wahl zu stellen: „Wenn du nicht bereit bist, zu arbeiten oder dich zumindest um eine Arbeitsstelle zu bemühen, so kann ich dir kein Grundeinkommen auszahlen.“

Bedingungsloses Grundeinkommen sollte keinesfalls bedeuten, jeder erhält es, auch derjenige, der nicht arbeiten möchte. Vielmehr sollten nur diejenigen ein solches erhalten, die bemüht sind, eine Arbeit zu finden und sei es nur für die Ausübung einer Tätigkeit für einige Stunden. Marliese Hanßen, Ladenburg

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2LLGHqj