Leserbrief

Zum Thema Kunsthalle

Das Kapital der Stadt nicht abreißen

Im Gegensatz zu der Ansicht von Peter Zimmermann (Leserbrief vom 4. März) war es nicht kleinkarierte Nörgelei, sondern weitblickender Bürgersinn und Mut zum Neuen, der Mannheimer Bürger in den vergangenen Jahren veranlasst hat, mehr als vierzig Leserbriefe zum Thema Kunsthalle zu verfassen.

Darunter war wohl keiner, der nicht dem Ehepaar Hector für deren großzügige Spende in Millionenhöhe von Herzen gedankt und den Bau einer weiteren Kunsthalle (z.B. für moderne Kunst) begrüßt hätte. Nach reiflichen Überlegungen schälte sich der Vorschlag heraus, diesen Neubau am besten auf einem parkähnlich begrünten Grundstück südlich der Moltkestraße gleich im Anschluss an den Billing-Bau zu errichten, schon um eine gemeinsame, kostensparende Bewirtschaftung zu ermöglichen.

Auch im Hinblick auf Mannheim als Kulturhauptstadt wäre dies eine wertvolle Bereicherung. Dieser Vorschlag wird nun durch den eigentümlichen, um nicht zu sagen absurden Plan konterkariert, den erst vor dreißig Jahren errichteten Mitzlaff-Bau abzureißen, um dort den Neubau zu errichten. Ein Schildbürgerstreich! Gegen den kulturinteressierte Mannheimer Bürger seitdem Sturm laufen! Inzwischen wurden in jenen Zuschriften Hunderte von Argumenten gesammelt, deren ernüchternde Bilanz die Sinnlosigkeit dieses Vorhabens hinsichtlich Konzept, Kosten, künstlerischer Ausrichtung und Bauplatz aufzeigt. In einem vierseitigen Schreiben an Oberbürgermeister Kurz (und alle Verantwortlichen) vom 17. Januar 2012 waren diese Gesichtspunkte zusammengestellt worden, wurden jedoch bislang nicht beachtet.

Wie im Mannheimer Morgen vom 2. März berichtet, möchte die Stadt nun endlich einlenken und auf die Bürger zugehen - allerdings unter einem gänzlich verkehrten Akzent: Man möchte "Widerstände ausräumen" gegen das vom Gemeinderat bereits beschlossene Vorhaben, das allerdings schon vom Ansatz her nicht tragfähig war. Denn in der städtischen Baukultur ist Erhaltenswertes zu erhalten, auch wenn man daneben Neues plant. Nur so kann sich ein Kulturstandort im Laufe der Zeit entwickeln.