Leserbrief

Das sagen Leser dieser Zeitung zu den Ausschreitungen in Chemnitz

Zu den Ausschreitungen in Chemnitz:

„Die Gesellschaft muss endlich verstehen, dass sie bedroht ist“, schließt Hagen Strauß seinen Kommentar („Immer extremer“) zu den Vorfällen in Chemnitz. Nein, die Politik muss endlich verstehen, dass ihr Willkommenswahn gescheitert ist.

Bezeichnend war wie immer, dass zu dem brutalen Mord (20 Messerstiche, zwei weitere Deutsche schwer verletzt, alle drei wollten einer belästigten und bedrängten Frau zu Hilfe kommen) kein Wort eines Politikers erfolgte – das sind sozusagen Kollateralschäden des Willkommenswahns –, während bei der massenhaften Beurteilung der anschließenden Reaktionen friedliche, legitime Proteste und gewalttätige Ausschreitungen wie immer in einen Topf geworfen wurden.

Einen Schluss will ich Hagen Strauß noch nahe legen: Wenn die innere Sicherheit weiterhin abnimmt, wenn die Justiz weiterhin Fehlurteile auf Fehlurteile häuft, wenn die Politiker weiterhin nichts als beschwichtigen, beschönigen und verharmlosen und wenn die meisten Medien unentwegt das Märchen von den guten Ausländern und den bösen Deutschen weiterstricken, wird Chemnitz bald überall sein. (Gunter Zimmermann, Mannheim)

Ein Gewaltausbruch wie in Chemnitz kann eigentlich nur den überraschen, der mit Ohrstöpsel durch den Tag geht und den Tunnelblick aufgesetzt hat. Sonst würde er nämlich mitbekommen, was die Leute so denken und reden. Und das ist eben nicht das, was uns Medien und Politiker immer gebetsmühlenartig verkaufen wollen.

Die Migration ist eine Sache, die darauf folgen sollende Integration eine ganz andere. Die funktioniert nämlich nicht ansatzweise so gut, wie das Medien und Politiker so oft darstellen. Man könnte auch sagen, dass bei manchen Volksgruppen die Integration im Allgemeinen eher sehr schwierig ist, weil die Lebensgewohnheiten und die Mentalität eben ganz anders sind. Und damit werden beide Seiten nicht glücklich. Damit wertet man niemand ab, das ist eben die Realität.

Bei den Ausschreitungen in Chemnitz war der Auslöser eine Straftat mit Todesfolge, oberflächlich betrachtet. Auch in Kandel hat man gesehen, dass in der Gesellschaft ein Druck im Kessel herrscht, der sich zunehmend entlädt. Es ist niemand damit gedient, die Schwierigkeiten und die Probleme, die die Migration mit sich bringt, totzuschweigen, kleinzureden, zu bezweifeln. Die Probleme sind da, die Medien täten gut daran, dies nicht immer weiter zu ignorieren, sonst könnte in vielleicht nicht so ferner Zukunft Chemnitz Alltag werden. Es ist zu wenig, immer wieder an das Gewaltmonopol des Staates zu appellieren, an die Demokratie, an die Menschlichkeit.

Viele Leute fühlen sich in diesem Staat nicht mehr wohl, und das hat sehr wohl auch etwas mit der Migration zu tun. Aber: Die allerwenigsten dieser Leute haben rechtes Gedankengut. Man sollte ihnen aber das Gefühl geben, ernstgenommen zu werden mit ihren Sorgen. Das sollte das Mindeste sein, was man erwarten kann, wenn man hier geboren wurde.

Tut man das nicht, werden Millionen Menschen nicht mehr für diesen Staat erreichbar sein, sie werden sich von ihm abwenden. Wohin das führen kann, zeigt jetzt Chemnitz. Diese Leute respektieren den Staat nicht mehr. Es gibt Gegendemonstrationen, aber das alles zeigt nur, welcher Riss durch dieses Land geht. Dieses Problem müsste jetzt eigentlich lösen, wer dieses Problem auch hauptsächlich verursacht hat. Und das ist eins der größten Probleme.... Wenig Hoffnung also. (Uwe Kircher, Mannheim)