Leserbrief

Das sagen Leser dieser Zeitung zum Gehwegparken

Zum Artikel „Parken auf dem Gehweg: Die Stadt soll jetzt handeln“ vom 17. Januar:

Wir müssen uns in Deutschland nicht mehr wundern, wenn die Parteienlandschaft aussieht, wie sie aussieht, und die politischen Ränder stark und stärker werden bis hin zur Unregierbarkeit von Bund, Ländern und Kommunen. Beispiel: Das bisher in unserer Stadt geduldete halbseitige Parken auf dem Gehweg wird demnächst (auch) in Mannheim beseitigt. Bei Verstößen gibt es dann Bußgelder.

Müssten nicht alle, die in Politik und Verwaltung für den Staat und die Öffentlichkeit Verantwortung tragen, die Menschen von Problemen entlasten, anstatt diesen neue zu bescheren, welche die Bürgerinnen und Bürger selbst gar nicht mehr lösen können? Wo sollen denn die Autos hin? Selbst in nicht verdichteten Wohngebieten ist abends und nachts oft kaum noch ein Parkplatz am Straßenrand zu bekommen. Dort funktioniert Parken schon seit Jahrzehnten eben nur durch „Gehwegparken“.

Klar, die Verwaltung ist von der Rechtsaufsicht aufgefordert, zu handeln. Wie allerdings ein „Handeln mit Augenmaß“ aussehen soll, wie es Peter W. Ragge in seinem Kommentar zu Recht fordert, ist mir derzeit nicht ersichtlich. Wahrscheinlich ist es gar nicht möglich. Unfassbar eigentlich, aber Deutschland schafft sich mehr und mehr ab! Kai-Uwe Sax, Mannheim

Ich bin Bewohner der Mannheimer Innenstadt. Ich bewege mich mit dem Auto, dem Fahrrad und natürlich zu Fuß. Ich habe in den vergangenen Jahren einen Menschen im Rollstuhl durch die Innenstadt gefahren. Zum Thema Gehwegparken ein paar Gedanken:

1. Bewegt man einen Rollstuhl durch Mannheim, so ist Hindernis Nummer eins nicht der zu enge Gehweg, der einen Rollstuhl (Rollator, Kinderwagen) überhaupt nicht mehr durchlässt, die zugeparkten Straßenkreuzungen sind es, die einem das Leben schwermachen, oft zu weiten Umwegen zwingen. Und: Ein Rollstuhlfahrer möchte vielleicht nicht nur an Kreuzungen, wo die Bordsteine abgesenkt sind (meist auch nur!) über die Straße. Er möchte das vielleicht auch zwischendurch und muss dann die Hofeinfahrten benutzen, um zur Straße zu gelangen. Diese sind in der Regel aber viel zu ungenügend abgesenkt und das Gefährt kann leicht kippen.

2. Das Beispiel der zugeparkten Kreuzungen in der Innenstadt, aber auch in den Zentren der Vororte, die verhindern, dass Feuerwehr und Rettungswagen auf schnellstem Weg ans Ziel kommen, ist seit Jahren ein Thema, über das der „MM“ immer wieder berichtet hat. Geschehen ist nichts. Kontrollen? Polizei und KOD scheint die Behinderung der Notfallfahrzeuge nicht groß zu kümmern; kein Innenstadtbewohner kann von gezielten Aktionen berichten. Parallel mag man das Befahren der Fußgängerzonen, seit Jahren auch das dreiste Parken dort heranziehen. Immer wieder ein Thema, viele Überlegungen im Rahmen der Umgestaltung von Planken und Breiter Straße (dauerhafte Sperren, elektronisch steuerbare Poller und so weiter), jedoch: Wo nicht kontrolliert wird, gibt es Wildwuchs. Verbietet man jetzt das Parken auf dem Gehweg, was ja immer einen Wegfall von fünfzig Prozent der Parkplätze in einer Straße bedeutet, so wird sich nichts ändern.

3. Es ist gut, nach Alternativen für den motorisierten Individualverkehr auf vier Rädern zu suchen. Autos verpesten die Umwelt (auch in der E-Variante), verstopfen Stadt- wie Überlandstraßen, vernichten Lebensqualität, ja sogar Leben. Aber zur Zeit ist das private Auto immer noch eine Realität, in gutem Glauben an die Nutzbarkeit erworben und in manchen Fällen auch zum Erreichen des Arbeitsplatzes unumgänglich. Wollen wir uns von dieser Form der Mobilität lösen, so muss dies in Form einer gesellschaftlichen Willensbildung geschehen. Der Eindruck, „hintenrum“, unter Vermeidung des öffentlichen Diskurses werde von der Politik den Kfz-Besitzern das Leben erschwert, so dass sie schließlich genervt aufgeben, der jetzt schon im Entstehen ist (Parkhausabriss, Umwandlung von Parkraum in Gastronomie-Außenflächen) ist ein fataler; er beschädigt das Bild der Politik und letztlich das Verhältnis zur Demokratie. Man kann den ganz Rechten ihr Geschäft auch verdammt leicht machen.

4. Ein Blick über die Grenze zeigt, wie es auch gehen könnte: In der Schweiz kann man heute ausschließlich da parken, wo Parkflächen mit Farbe ausgewiesen werden, was fast immer auch die Kennzeichnung individueller Parkplätze in Mittelklassewagengröße bedeutet. Und schwupps, sind zugeparkte Kreuzungen kein Thema mehr (natürlich mit Unterstützung regelmäßiger Kontrollen und sehr empfindlicher Sanktionen). Das ist in Deutschland aus finanziellen Gründen (die Farbe kostet zu viel?) nicht realisierbar? Ach armes Deutschland… In der Schweiz kann man an Parkautomaten oft auch mit Kreditkarte zahlen, und Parkscheine hinter der Windschutzscheibe kennt man nicht: Der individuell markierte Parkplatz trägt nämlich auch noch eine kleine Nummer, die man in den Automaten beim Bezahlen eingibt. Ein paar Kassenbons (!) weniger, ein bisschen Bequemlichkeit mehr – Servicewüste Deutschland, möchte man aufseufzen, wenn wieder einmal anderswo kein Thema ist, was hier so gar nicht gehen soll.

Fazit: Es sind viele Dinge, die Rollstuhlfahrern und Kinderwagenschiebern das Leben erschweren, keinesfalls allein das Gehwegparken. Verbotsschilder aufzustellen, deren Überwachung einem nachher wurscht ist, ist keine Lösung. Ein bisschen mehr Ordnung beim Parken ist sicher dringend geboten, weil sie uns allen das Miteinander erleichtert, aber sie muss im Rahmen eines gesamten Konzepts zur Mobilität geschehen, dem ein Gespräch mit dem Bürger vorausgegangen ist. Und damit tut man sich in Mannheim ja besonders schwer. Ach Deutschland? Ach Mannheim! Joachim Wagner, Mannheim

Eines ist sicher: Wenn in der Donnersbergstraße nicht mehr auf dem Gehweg geparkt werden darf, muss die Donnersbergstraße zur Einbahnstraße erklärt werden. Auf beiden Seiten der Straße parken geht nicht, eine Seite muss frei bleiben (Parkverbot). Dann fallen Parkplätze weg.

Auf meiner Wohnseite waren früher Linien, denn der Gehweg ist hier sehr breit. Diese wurden aber nicht mehr erneuert und sind nicht mehr sichtbar. Leider hört man nichts mehr über die Absicht, eine Tiefgarage unter dem Pfalzplatz zu bauen. Als Dauerparker würde auch ich meinen Obolus entrichten. Thomas Schmitt, Mannheim

Ihrem Artikel zum Gehwegparken kann ich absolut zustimmen. Klar ist, dass Lösungen von der Stadt zur Behebung der Parkprobleme kommen müssen und nicht einfach nur Strafmandate. Ich wohne in der Hubenstraße, in der ich abends, wenn ich vom Geschäft heimkomme, meist keinen freien Parkplatz mehr finde.

Die Lösung für die Misere wäre ganz einfach: Man müsste die Straßen zu Einbahnstraßen machen und die Parkplätze, statt wie bisher längs, quer anlegen. Diese Lösung könnte man in allen Mannheimer Problemzonen anwenden. Aber man verteilt lieber Strafzettel, das bringt mehr Geld ein.

Gruß von einem Strafzettel geplagten Anwohner. Alexander Überbacher, Mannheim

Welche „Parksünder“ sollen denn bestraft werden? Weht hier mal wieder ein komischer Wind aus der übersauberen Schwabenhauptstadt ins „freie“ Mannheim rüber? Dort bekam ich, in einem noblen Vorort, genau meinen ersten Strafzettel für die Nutzung nur des Bordsteins für die rechten Räder, erkannte diese schwäbische Ordnungsfanatik und lobte im Stillen mein freies Mannheim.

Bis jetzt der Wind auch hierher pfeift. Strobl, Kretschmann und Co. lassen grüßen. Dabei würden die bisherigen Regelungen, bei klarer Anwendung, völlig genügen. Werner Freckmann, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/30Hqrj1