Leserbrief

Leserbriefe

Das sagen Leser dieser Zeitung zum SV Waldhof

Zum Kommentar „Beispiellose Härte“ vom 20. Juni:

"DFB möchte vermeiden, dass derart kriminelles Fanpotential in der 3. Liga auftaucht"

Entgegen der Meinung von Herrn Hof zum Strafantrag gegen den SV Waldhof bin ich der Meinung, dass die angedrohte Strafe sehr wohl berechtigt ist. Meines Wissens ist es ein einmaliger Vorgang, dass in höheren Klassen ein Fußballspiel wegen einer derartigen Randale mit 45 Verletzten abgebrochen wurde.

Vergessen Sie nicht, dass hier nicht nur Bengalos und Böller, sondern auch Blendgranaten und Rauchbomben in Zusammenhang mit Brandstiftung gezündet wurden. Der Hintergrund des Neun-Punkte-Abzugs ist meines Erachtens klar: Der DFB möchte unter allen Umständen vermeiden, dass eine Mannschaft mit einem derart kriminellem Fanpotenzial in absehbarer Zeit in der 3. Liga auftaucht. Hier würde durch die überregionale Medienberichterstattung ein verheerendes Zeichen gesetzt. Auch mir ist bewusst, dass es sich bei den Randalierern um eine relativ kleine Gruppe handelt, die der SV Waldhof jedoch seit Jahren nicht im Griff hat. Durch diese Leute ist das Image des Clubs nachhaltig zerstört.

Günther Gernandt, Lampertheim

"Nun hängt man einen viertklassigen Verein hin, öffentlich, nach allen Regeln der Kunst"

Die Meldungen über die Pläne des DFB zur Bestrafung des SV Waldhof haben mich sprachlos gemacht. Unfassbar, was da im Raum steht: Neun Punkte Abzug in der nächsten Runde bedeuteten das Ende jeglicher Aufstiegschancen in der kommenden Saison 2018/2019. Nun plötzlich ist der DFB der Auffassung drakonischste Strafen verhängen zu müssen. Noch eine Woche zuvor gab es für Ausschreitungen nach dem besiegelten Abstieg des HSV aus der Bundesliga eine Geldstrafe von 40 000 Euro für einen Ex-Bundesligisten und zukünftigen Zweitligisten. 40 000 lumpige Euro gegen einen Verein, der im Jahr Millionen Euro umsetzt. Nicht mal die Hälfte des Monatsgehalts eines mittelmäßigen Bundesligaprofis.

Ähnlich lächerliche Strafen gab es gegen andere Bundesligisten in den letzten Jahren. Strafen, die von den betroffenen Clubs aus der Portokasse bezahlt werden. Geisterspiele? Sonstige Auflagen? Punktabzug? Fehlanzeige! Nicht die geringsten ernsthaften Bestrebungen zur Eindämmungen von Fankrawallen sind an dieser Stelle zu verzeichnen. Stattdessen laufen sich findige Juristen des DFB schonmal warm um zu verhindern, dass die verarmten Bundesligisten an den Kosten für Polizeieinsätze an den Spieltagen beteiligt werden.

Und nun? Nun hängt man einen viertklassigen Verein hin, öffentlich, nach allen Regeln der Kunst. Tolle Leistung, das zeugt von echtem Mut und Entschlossenheit! Ach Entschuldigung, die „Respect“-Kampagne habe ich natürlich vergessen, die ist auch toll! Toller Verband! Toller DFB!

Florian Hoppner, Lampertheim

"Warum wird ausgerechnet in der Risikosportart Nummer eins so nachlässig gehandelt?"

Ich bin Fan mehrerer Sportarten und sehe diese lieber live, als im Fernsehen. Dabei fällt mir Folgendes auf: Im Eishockey gibt es bundesweit so gut wie keine Randale. Im Handball gibt es praktisch gar keine. Wenn ich zu einem Spiel der Adler oder Löwen gehe, werde ich am Eingang abgetastet und untersucht, ob ich irgendwelche verbotenen Dinge bei mir habe. Im Fußball gibt es sehr oft Randale. Wenn ich zum SVW gehe, werde ich aber nicht kontrolliert. Noch schlimmer: Nicht wenig Menschen haben Schlüssel, mit denen sie jederzeit ins Stadion gehen können und ungestört Utensilien wie Bengalos und so weiter deponieren. Warum wird ausgerechnet in der Risikosportart Nummer eins so nachlässig gehandelt?

Manfred Stein, Mannheim

"Mehr als 20 000 friedliche Fans werden in Sippenhaft genommen."

Einen Punktabzug in der geforderten Höhe halte ich schlichtweg für eine Frechheit. Mehr als 20 000 friedliche Fans, Präsidium, Spieler, Trainer, eine Fußballregion werden in Sippenhaft für die Tat weniger Straftäter genommen. Mit diesem angedachten Punktabzug wird eine Mannschaft, deren Aufstiegschancen und weitere Perspektiven unverhältnismäßig negativ beeinflusst – und das in einer Liga, die nicht umsonst finanziell als „Todesliga“ bezeichnet wird und aus der jeder Verein so schnell als möglich heraus muss.

Ralf Glombik, Mannheim

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