Leserbrief

Das sagen Leser zu Corona und Verschwörungstheorien

Zum Thema Corona-Demonstrationen und zum Kommentar „Gefährliche Mischung“ vom 11. Mai:

Gegen Coronavirus wird es in einigen Monaten wahrscheinlich einen Impfstoff geben. Gegen die menschliche Dummheit leider nie. Einen anderen Schluss lassen die Bilder und Berichte über Demonstrationen und Menschenansammlungen nicht zu. (von Hanspeter Grether, Brühl)

Langsam wird es mir unbehaglich. Nicht wegen der Einschränkungen, die getroffen werden zur Überwindung der Pandemie. Auch nicht wegen der Kritik von Eltern, die seit Wochen unter massiven Belastungen stehen und nur den Wunsch nach Entlastung haben. Und dass große Teile der Wirtschaft den Betrieb wieder aufnehmen wollen, ist ebenso verständlich. Und selbst der lautstarke Protest einer Minderheit, die sich in ihren individuellen Freiheitsrechten beschnitten sehen, ist ihr gutes Recht. Aber dann hört es bei mir auch schon auf mit dem Verständnis. Wenn sich nun Teile dieser vielschichtigen Protestbewegung zum Kampf gegen einen „Corona-Faschismus“ rüsten, ist das so überzogen wie lächerlich.

Dass die politisch Verantwortlichen dem Gemeinwohl verpflichtet sind und deshalb handeln müssen, kann eigentlich nur denen suspekt erscheinen, die in ihrem überzüchteten Individualismus mit „Gemeinwohl“ nichts anzufangen wissen. Ein sträflicher Leichtsinn ist das, der mit abstrusen Verschwörungstheorien nur noch unerträglicher wird. (von Frank Messen, Heppenheim)

Wie ist es möglich, dass so ein beleidigender und unqualifizierter Artikel über die Corona-Demonstranten in Ihrer Zeitung abgedruckt wird? Herr Reinhardt beschuldigt Menschen pauschal, die eine andere Meinung als er haben, sie würden „unter dem Deckmantel des ,Demokratischen Widerstands’ das politische System destabilisieren wollen”. Das ist ungeheuerlich. Bürger und professionelle Experten mit Lebens- und Berufserfahrung und gesundem Menschenverstand als Extremisten, Populisten und Verschwörungstheoretiker abzustempeln, ist eine Unverschämtheit.

Diskussionen und Streitgespräche wären in der Corona-Krise von Anfang an notwendig gewesen, in denen unterschiedliche Meinungen gehört werden, wie das in einer Demokratie üblich ist. Das aber haben die Politiker und die Mainstream-Presse systematisch verhindert, indem sie immer nur die gleichen „Experten” mit der ihnen genehmen Meinung zitiert haben.

Die sich aus dieser eingeschränkten Sichtweise ergebenden sozialen und wirtschaftlichen Kollateralschäden werden sich zeigen und unserer Gesellschaft und unserem Land noch sehr zu schaffen machen. Die Presse hat eine unverantwortliche und unangemessene Panik und große Unsicherheit geschürt. Gute Journalisten sollten sich verpflichtet fühlen, fair und neutral zu berichten, statt sich billig dem linken Mainstream zu unterwerfen. (von Waltraud Gossel, Mannheim)

Leider zeigt der Kommentar „Gefährliche Mischung“ in aller Deutlichkeit, warum der gegenwärtige Mainstream-Journalismus, gelinde gesagt, nicht mehr ernst zu nehmen ist. Statt in irgendeiner Weise sachlich auf die Anliegen der Demonstranten einzugehen, werden sie in einen Eintopf mit „Extremisten, Populisten, Anthroposophen, Verschwörungstheoretikern, Kreml-Propagandisten“ eingerührt, und natürlich dürfen dabei auch AfD und Pegida nicht fehlen.

Umso besser, wenn man noch randalierende Jugendliche dazu nehmen kann. So erspart man sich jede vernünftige und rationale Auseinandersetzung, die einmal das Kennzeichen eines seriösen Journalismus war. Dass Verfassungsrichter darüber hinaus die Demonstrationsfreiheit über den Gesundheitsschutz stellen, ist vom Wesen einer parlamentarischen Demokratie und dem Grundgesetz her vollkommen einsichtig: Die Demonstrationsfreiheit ist ein Grundrecht, Maßnahmen zum Gesundheitsschutz sind im Wesentlichen Verwaltungsanordnungen.

Jedoch ist anzumerken, dass es bei den übertriebenen Maßnahmen gegen die „Pandemie“ nicht um Gesundheitsschutz ging, sondern um politische Profilierung. Das Gesundheitswesen in der Bundesrepublik hat dagegen in den vergangenen beiden Monaten nahezu irreparable Schäden erlitten. Es tut mir ehrlich leid, dass ich diesen Brief schreiben musste, da Peter Reinhard für mich der von mir am meisten geschätzte Mitarbeiter Ihrer Zeitung ist. (von Gunter Zimmermann, Mannheim)

Es ist bezeichnend, aber eigentlich nicht überraschend, dass jetzt wieder aus allen möglichen Ecken die „Schlaumeier“ hervorkommen und glauben, der Bundesregierung Ratschläge geben zu müssen beziehungsweise Versäumnisse vorwerfen. So glaubt ein Herr Lindner, der Versager bei der Bildung einer Bundesregierung 2017, Virologen Ratschläge erteilen zu können.

Selbst erfolglos als Unternehmer, wird man Parteivorsitzender der FDP und glaubt sich für seine Klientel einsetzen zu müssen, um sich zu profilieren. Da wird theatralisch die Gemeinsamkeit (wo war diese!) mit der Bundesregierung vom Anfang der Pandemie aufgekündigt und ein Untersuchungsausschuss im Bundestag gefordert; eine durchsichtige, profilierungssüchtige Forderung. Die Herren der AfD sprechen von Einschränkungen der persönlichen Freiheit im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Diese Partei benutzt das Wort „Freiheit“ und kennt selbst nicht dessen Bedeutung. Auch hier keine konstruktiven Vorschläge – nur heiße Luft.

Als es am Anfang der Pandemie darum ging, Maßnahmen zu beschließen, waren anscheinend die Oppositionsparteien im Bundestag in eine tiefe Bewusstlosigkeit gefallen, so nach dem Motto, hoffentlich fragt mich keiner. Gerade in einer solchen außergewöhnlichen, nationalen Notsituation sind alle Parteien gefragt. Wo war da die viel beschworene „Gemeinsamkeit der Demokraten“? (von Günter Ruhm, Mannheim)

Sie haben es „noch“ nicht verstanden! Durch die globale Corona-Krise hat sich die Alte Welt endgültig verabschiedet und es formiert sich eine Neue Welt. Auf was berufen sich hier die Demonstranten mit Ihrem Aufruf, ohne Masken in die Geschäfte zu gehen? Ohne Abstand und Maske zu pöbeln? Auf ihre Grundrechte? Ist denen nicht bewusst, dass sie durch ihr arrogantes und egoistisches Verhalten die Grundrechte der chronisch Kranken (ob jung oder alt) und ihrer eigenen Eltern und Großeltern mit Füßen treten?

Wann kommen die Aufrufer zum Ungehorsam aus ihrer wohlstandsverwöhnten Partyblase raus und erkennen die Wirklichkeit? Es ist vorbei für immer und wir haben keine Möglichkeit einfach so weiter zu machen, auf Kosten der Umwelt und der Dritten Welt. Auf deren Kosten lebten wir in einem nie da gewesenem Überfluss.

Die globale Welt hat andere Sorgen als sofort wieder Autos etc. aus Made in Germany zu kaufen. Ein weiter so nach dem Reset durch Corona ist auch durch die bedrohliche Klimaerwärmung nicht mehr möglich. Wir Menschen haben es in der Hand, welche neue Welt sich formiert. Durch Rücksicht auf seine Mitmenschen und der Natur haben wir gut Chancen. Den Weg der Pöbler sollten wir nicht gehen. (von Klaus Koch, Mannheim)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2LlRGZF

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