Leserbrief

Das sagen Leser zu einem diskutierten Muezzin-Ruf

Zum Artikel „Gebetsruf des Muezzin ,nicht undenkbar’“ vom 24. April:

Es ist einige Jahre her, da lagen wir mit einem Charterschiff erstmals in einem türkischen Hafen. Am frühen Morgen, es muss so circa 5 Uhrgewesen sein, jedenfalls zu Sonnenaufgang, ertönte eine laute, monotone Stimme, mittels stark aufgedrehtem Lautsprecher, über die Stille des Hafens. Zunächst erschrocken, was das wohl für ein Lärm in aller Frühe sei, dämmerte dann die Erkenntnis: Es war der Gebetsruf des Muezzin.

Unsere Nachtruhe war damit beendet. Nun, ärgern darf man sich darüber nicht. Wir waren Gast in einem islamischen Land mit einer anderen Kultur und Gebräuchen. Wer das nicht tolerieren mag, sollte nicht dorthin reisen. Ganz anders das jetzt von der Muslimischen Gemeinde geäußerte Bedürfnis, auch hier den Ruf des Muezzin über die Dächer von Mannheim schallen zu lassen. Ich halte dies für ein nicht akzeptables Begehren und finde die Ablehnung der Stadt richtig, eine öffentliche Diskussion überflüssig.

Gehört nicht zu unserer Kultur

Beim Bau der Moschee vor 25 Jahren gab es eine eindeutige Stellungnahme der Bürger: „Minarett ja, aber nur, wenn kein Gebetsruf kommt.“ Daran muss man sich auch halten. Unsere Verfassung schützt die Ausübung anderer Religionen, aber es steht nirgendwo, dass es darum auch gestattet sei, mit öffentlichen Glaubensritualen die hier lebenden Andersgläubigen zu provozieren beziehungsweise sich mit einer Ruhestörung bemerkbar zu machen.

Der Muezzin gehört nicht zu unserer Kultur und wenn Menschen als Gast in unser Land kommen und sich hier niederlassen, dann sollten sie besser unsere Bräuche und Lebensart adaptieren, bevor sie versuchen, die ihren zu importieren. Ohne eine Befragung der (bio-)deutschen Mannheimer Bevölkerung sollte es keine andere Entscheidung geben. (von Peter Krebs, Mannheim)

Religionsfreiheit: Ein Grundrecht! Dem „Mannheimer Morgen“ seien Dank und Anerkennung für den ausführlichen und sachgerechten Bericht über den Wunsch der Muslime, den Fastenmonat Ramadan dieses Jahr mit einem öffentlichen Gebetsruf des Muezzins vom Minarett der Yavuz-Sultan-Selim-Moschee zu beginnen. Auch die positiven Stellungnahmen dazu vonseiten der Dekane Jung und Hartmann sowie der Pfarrerin Sobottke sind lobenswert. Die eher zurückhaltende Reaktion von Drakul für die Stadtverwaltung, ein Gebetsruf sei „nicht undenkbar“, soll zunächst als Diplomatie verbucht werden.

Debatte kann helfen

Alle sind sich einig, dass ein solches – in Mannheim erstmaliges – Ereignis verständlicherweise zu einer sehr großen Menschenansammlung an der Moschee führen würde, und dass diese angesichts der Pandemie im Augenblick nicht verantwortbar ist. Es ist zu hoffen, dass es für die Muslime schon sehr bald eine Gelegenheit gibt, das jetzt Versäumte ohne gesundheitliche Risiken nachzuholen und damit auch von ihrem Grundrecht auf freie Religionsausübung – endlich – Gebrauch zu machen.

Eine öffentliche Debatte, wie sie jetzt vorgeschlagen wird, kann und sollte helfen, auf Unkenntnis, unbegründeten Vorbehalten bis hin zu Vorurteilen und sogar Hassreden beruhende Bedenken zu überwinden. Aber sie kann das Grundrecht nicht aushebeln. Der Gebetsruf ist ein wichtiger Bestandteil der von unserem Grundgesetz geschützten muslimischen Religionsausübung. Er enthält das muslimische Glaubensbekenntnis und die Aufforderung, zum Gebet zu kommen: „Gott ist der Allergrößte. Ich bekenne, dass es keine Gottheit gibt außer Gott. Ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Gottes ist. Kommt zum Gebet. Kommt zum Heil. Gott ist der Allergrößte. Es gibt keine Gottheit außer Gott.“

Einem Bericht der Evangelischen Kirche zufolge gibt es den öffentlichen Gebetsruf in etwa 30 Städten Deutschlands. In demselben Bericht ist zu lesen, dass das christliche Glockengeläut mehr Menschen nervt als der Ruf des Muezzins. (von Manfred K. Nagler, Mannheim)

Kirchenglocken läuten seit einer Verlautbarung Karls des Großen im Jahr 802. Der Ruf des Muezzins erschallt in Deutschland seit 1985, als er für die Dürener Fatih-Moschee gerichtlich erstritten wurde. Ich finde es sehr bedauerlich, wenn das Geläut aus Lärmschutzgründen inzwischen gerichtlich immer weiter eingeschränkt, aber der Ruf des Muezzins ausgeweitet wird.

Darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Kritiker nennen im allgemeinen zwei Punkte: Der Gebetsruf sei ruhestörender Lärm, er verstoße gegen das Bundesimmissionsschutzgesetz, insbesondere in den Nachtzeiten. Und sie werten den Ruf dort, wo er ertönt, als einen Herrschaftsanspruch des Islam. Im Unterschied zum Ruf des Muezzin verbreiteten die Glocken keinen konkreten Inhalt, diese seien nur Signalquelle und Erinnerung. Während das Glockengeläut also eher ein Signalton ist und über die Einladung zum Gottesdienst hinaus keine Botschaft proklamiert, wird durch den Gebetsruf eine ganz andere Botschaft vermittelt.

„Allahu akbar“ dröhnt der Ruf zu Beginn vier Mal aus den Lautsprechern. Dieser arabischer Ausruf, bedeutet auf Deutsch wortwörtlich: „Gott ist größer“, „Gott ist der Größte“, „Gott ist der Großartigste“ oder „Gott ist am größten“. Leider ist die falsche Übersetzung, dass „Allahu akbar“ „Gott ist groß“ bedeutet, in Deutschland weit verbreitet. Wer „Allahu akbar“ sagt, drückt jedoch damit aus, dass Gott über allem steht, vor allem über allen Menschen steht und es besser weiß als alle anderen. Warum sollte ich mir dies als Nichtmoslem immer wieder anhören müssen? (von Lothar Hässler, Weinheim)

Als ich die tröstenden Worte unseres Oberbürgermeister Peter Kurz an die Muslimische Gemeinde Mannheims las, muss ich sagen, kamen mir wirklich fast die Tränen. Wie vorbildlich sie sich bisher alle verhalten haben und welch wichtigen Beitrag sie zur Bewältigung der Corona-Krise bisher geleistet haben (wir nicht?). Und wie schmerzlich es sein muss – mit Beginn des Ramadans – kein Beten, kein gemeinschaftliches Fastenbrechen zu zelebrieren. Und wie wichtig gerade in Zeiten von Corona der Glaube für sie ist.

Diese Zeilen habe ich von Herrn Kurz vor Ostern vergeblich im „MM“ für unsere christlich-jüdische Gemeinde gesucht. Oder für unsere Kommunionkinder und Konfirmanden. Die haben sich ein Jahr lang auf ihren Ehrentag vorbereitet. Und dann die schmerzliche Absage erhalten. Die hätten sich sicherlich auch alle um tröstende und einfühlsame Worte unseres OB gefreut. Aber egal. Das wird im kommenden Jahr sicherlich nachgeholt. (von Gunter Engert, Mannheim)