Leserbrief

Das sagen Leser zu „ungerechter Rente“

Zum Debattenbeitrag „Warum ist die Rente in Deutschland ungerecht, Frau Holtkotte?“ vom 6. Juli:

Ich bin der gleichen Meinung wie Frau Holtkotte. Es gibt viele Leute in meinem Umfeld, die regelmäßig einer Arbeit (bei ein- und demselben Arbeitgeber) nachgehen und nach 45 Arbeitsjahren mit der Rente nicht auskommen können, da die Arbeitgeber nicht mehr dem Gewerkschaftsverbund angehören und somit die ausgehandelten Erhöhungen der Gehälter nicht angleichen müssen und die Mieten und Lebenserhaltungskosten weiter steigen. Diese arbeitswilligen Kollegen bekommen später eine Rente, die gerade so über dem Satz der Grundsicherung liegt und sie somit kein Anrecht haben auf irgendwelche Zuschüsse (Wohngeld und so weiter), so dass sie gezwungen sind, immer noch einen 450-Euro-Job (auch in hohem Alter) auszuüben, um über die Runden zu kommen.

Sollte das aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sein, so bleibt nur das Flaschenpfand von weggeworfenen Pfandflaschen zu sammeln oder der Gang zur Tafel. Ich finde, da wird die arbeitende Gesellschaft von der Politik ganz schön im Stich gelassen! Bezieht jemand über Jahre hinweg Hartz IV, kann er alle Anträge (die derzeit von der Stadt/Gemeinden) großzügig zur Verfügung gestellt werden, nutzen, um über die Runden zu kommen, ohne auch nur einen Cent in die Rentenkasse eingezahlt zu haben.

Da ist alles, nur keine Gerechtigkeit! Statt froh zu sein, dass es immer noch Menschen gibt, die als Verkäufer, Altenpfleger, Frisöre und so weiter, arbeiten und das für solch einen Hungerlohn bis zu sieben Tage in der Woche, dann werden sie auch noch bei den wohlverdienten Renten benachteiligt. Für alles andere ist genügend Geld da, nur nicht für die arbeitende Bevölkerung, das find ich sehr traurig. Von Jutta Ritter, Mannheim

Wie Frau Holtkotte richtig schreibt, werden in Deutschland Hunderte von Milliarden Euro zum Fenster rausgeschmissen und viele bedürftige deutsche Bürger müssen sehen, wo sie bleiben. Warum müssen so viele Menschen zur Tafel gehen oder können die Miete kaum noch zahlen oder warum haben wir rund 500 000 deutsche Obdachlose? Ich bin zutiefst enttäuscht und verärgert, weil ich als Pflegeperson für meine Frau und für meinen Sohn als Pfleger tätig bin und dabei merke, dass ich dabei langsam zugrunde gehe, da ich um jede Vergünstigung beziehungsweise für eine Reha immer kämpfen muss.

Dazu braucht man aber Kraft, die immer mehr schwindet. Ich muss dazu sagen, dass meine Frau und mein Sohn, beide Pflegegrad drei haben und zu 100 Prozent schwerbehindert sind mit dem Vermerk G, aG und B. Ich bin mit 60 Prozent Behinderung noch gut bedient. 2016 hat die Krankenkasse viel zahlen müssen, wofür ich mich auch bedanke, denn unser Sohn lag nach zwei Darmverschlüssen und vielen Komplikationen über drei Monate im Koma und insgesamt rund acht Monate in diversen Kliniken. Meine Familie leidet unter der Erbkrankheit Myasthenia gravis, die dazu geführt hat, dass meine Frau bereits rollstuhlpflichtig ist und unser Sohn kurz davor steht.

Nun zu unserem Gesundheitssystem: Nach langem Suchen hat uns endlich ein Hausarzt aufgenommen. Da er aber keine Hausbesuche macht und meine Angehörigen nicht mehr laufen können und schon gar keine Treppen steigen, (unser Arzt hat seine Praxis im ersten Stock, mit 24 Stufen erreichbar), wurden schon einige Behandlungen auf einem öffentlichen Parkplatz vor der Praxis vorgenommen. Unter anderem Fäden ziehen nach einem Unfall meiner Frau, Blutabnahme nach Thrombose und Ähnlichem. Was glauben Sie, wie ich mich fühle, wenn man untätig dabei zusehen muss, was wir unter anderem für ein tolles Gesundheitssystem haben.

Auf der Krankenkasse war ich deswegen vorstellig gewesen. Da wurde mir erklärt, dass man keinen Arzt zwingen könne, Hausbesuche zu machen, zumal wir viel zu wenig Ärzte hätten und kein Arzt gerne auf dem Land arbeiten möchte. Aber wie sagte Frau Holtkotte: Für Flughafen BER, Gorch Fock, Stuttgart 21, für Maut und viele dämliche Dinge wird Geld verbrannt, aber wo es dringend gebraucht würde, ist keines da. Von Karl-Heinz Gabler, Biblis

Ein sehr guter Beitrag von Susanne Holtkotte betreffend der desaströsen Rentensituation in Deutschland. Frau Holtkotte traut sich die Dinge zu benennen, die zur heutigen Lebenssituation von Millionen von Rentnern führt. Ich selbst bin seit 2014 Rentner und bin enttäuscht und verärgert für meine 49 Berufsjahre „abgespeist“ worden zu sein. Hinzu kommt die Oberdreistigkeit, diese Lebensleistung von Rentnern noch einmal zu besteuern! Das ist nicht nur verfassungswidrig! Die Doppelbesteuerung wurde in ein Schnellgesetz gepackt und damit leider wirksam bis auf weiteres.

Die Menschen, die heute Rente bekommen, haben bereits in ihren Arbeitsjahren Steuern dafür gezahlt. Die Bundesregierung kassiert hier noch einmal zusätzlich ab. Ist das Moral? Es ist in der Tat eine Politikverdrossenheit bei den Wählern mehr als sichtbar. Die sogenannten „etablierten“ Parteien verlieren Stimmen und Zustimmung.

Das Rumeiern und Zeitschinden wird dann Arbeitsmodus genannt. Es werden keine oder unzureichende Antworten auf die Fragen der Menschen gegeben. Entscheidungen wieder einmal vertagt oder verschoben. Politik ist heute unglaubwürdig geworden.

Die von Frau Holtkotte angeführten Sünden wie zum Beispiel Gorch Fock, Flughafen Berlin, Maut und so weiter sind nur einige Millionengräber. Missmanagement, Beraterhonorare und Lobbyisten fordern ihren Tribut. Nein, ein Krankenhaus oder Seniorenheim ist kein Profitcenter. Es gehört dem Zweck entsprechend und den Menschen dienend geführt. Da muss die Politik einen ständigen prüfenden Blick drauf haben und gegebenenfalls einwirken.

Schulen sind zum großen Teil in schlechtem Zustand, Kitas, Kindergärten werden benötigt, Bildung gefördert und entsprechend finanziert. Es gibt so viel zu tun für Politiker in diesem Land. Dazu gehört auch der Respekt für eine geleistete Arbeitszeit der Bürger. Die Agenda 2010 hat außer Niedriglöhne nicht viel gebracht. Und das rächt sich heute und morgen. Ich möchte Frau Holtkotte und Ihrer Zeitung für eine offene, ehrliche aber auch anprangernde Debatte danken. Von Frank Wolf, Boxberg

Ich, 82-jähriger ehemaliger Oberstudienrat (ich habe mich vom Hauptschüler über Chemielaborant emporgearbeitet), und überzeugter Sozialdemokrat gebe der Frau Holtkotte nur zum Teil recht. Die Entlohnung jeder Arbeit muss gerechter sein, man muss davon leben können und später auch eine ordentliche Rente haben. Es kann nicht sein, dass ein Arbeiter, der Autos zusammenschraubt, fast das Doppelte einer Krankenschwester oder Pflegekraft verdient.

Anderseits hat „jeder den Marschallstab im Tornister“ – laut Napoleon; es gibt auch viele Sprüche wie: „Jeder ist seines Glückes Schmied“ oder „Ohne Fleiß kein Preis“, oder wie Götz Werner („dm“-Chef) sagt: „Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe“. „Reich geworden bin ich nicht von dem Geld, das ich ausgegeben habe“, soll Rockefeller gesagt haben.

Ich habe auch viele Schüler als Lehrer unterrichtet, die gesagt haben: „Was interessiert mich der Scheiß!“ Man kann auch, wie in Ihrem Artikel: „Früher Abschied ohne Abschlag“, in der gleichen Ausgabe, freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlen; das tat ich zum Beispiel für meine Frau, als es mir vor 40 Jahren noch nicht besonders gut ging. Ich fuhr halt ein kleineres Auto und machte weniger Urlaub – oder bei der Oma. Von Xaver Dobmeier, Tauberbischofsheim

Dem Beitrag von Frau Holtkotte kann ich voll und ganz zustimmen. Das Rentensystem in Deutschland ist ganz und gar ungerecht und spaltet die Gesellschaft. Ich befürworte hier, wie die Mehrheit der Bevölkerung, unbedingt eine sogenannte „Bürgerversicherung“. Also ein solidarisches Rentensystem, in dem alle einzahlen. Auch die Beamten sowie Anwälte, Ärzte, Apotheker, Architekten und so weiter, die Mitglieder der berufsständigen Versorgungskassen sind und auch nicht in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen und auch die Politiker und Abgeordneten, die eine besonders üppige Altersversorgung haben.

Die Diskussionen und der Handlungsbedarf drehen sich auch immer nur um die gesetzlichen Rentner. Von den Beamtenpensionen sowie der Abgeordnetenversorgung, die die öffentlichen Haushalte enorm belasten, hört man fast gar nichts. Dieser Personenkreis bekommt sehr gute Altersbezüge im Gegensatz zum Rentner und diese Schere klafft immer weiter auseinander.

Wie Frau Holtkotte schon erwähnt, es ist für alles Geld da, nur für die Rentner nicht. Zu erwähnen sind auch noch die vielen versicherungsfremden Leistungen, die zweckentfremdet aus der Rentenkasse entnommen werden und von den Bundeszuschüssen nur teilweise abgedeckt werden. Diese vielen versicherungsfremden Leistungen müssten komplett aus Steuern bezahlt werden. Von Marlene Umminger, Grünsfeld

Auch ich kann Frau Holtkotte nur zustimmen. Ich habe nach der mittleren Reife angefangen, mit 16 Jahren in einem medizinischen Beruf ohne Unterbrechung zu arbeiten. Dieses Jahr habe ich 45 Berufsjahre erreicht. In Rente könnte ich frühestens mit 63 Jahren (47 Berufsjahre) gehen, dann aber mit einem dauerhaften Abschlag von 10,8 Prozent.

Bei einem Gehalt als Medizinische Fachangestellte bleibt da nicht viel an Rente, um würdevoll und adäquat leben zu können. Selbst bei regulärem Rentenbeginn kann man sich keine großen Sprünge erlauben. Wie Frau Holtkotte schreibt: Arbeit muss sich lohnen für das Alter und weiter, da bekommt das Wort „sinnlos“ eine ganz andere Bedeutung, denn es macht in der Tat für viele Menschen in unserem Land keinen Sinn, zu gehen. Genau das erlebe ich in meinem Arbeitsleben tagtäglich. Elke Hörer, Oftersheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2LSOSoh