Leserbrief

Das sagen Leser zum Besitzerwechsel im „Café Journal“

Zum Artikel „Wird aus dem Café Journal ein türkisches Restaurant?“ vom 22. Juni:

Was für ein Sinneswandel! Wo vor Jahren noch von kultureller Vielfalt, geistiger Offenheit und dem Charme eines „Klein-Istanbul“ in Mannheim nicht nur in dieser Zeitung geschwärmt wurde, so hört sich der Kommentar zur Schließung des Cafés Journal am Marktplatz von „MM“-Redakteur Schall wie ein Hilferuf an. Doch dieser Hilferuf kommt zu spät. Längst hat die Realität der „kulturellen Vielfalt“ den Nucleus unserer Stadt infiziert.

Nun also das nächste türkische Restaurant und vielleicht demnächst eine weitere Shisha-Bar auf den Planken. Um die Finanzierung kümmern sich türkische Banken, deren Engagement in Deutschland vom Türkischen Staat wohlwollend begleitet wird.

Ghettoisierung ganzer Stadtteile

Der Marktplatz ist das Zentrum unserer Stadt seit Generationen. Das Zentrum gerade auch für ältere Mannheimer, nicht nur wegen des Wochenmarktes. Dass diese Gegend seit Jahren zur „No-go-Area“ verkommen ist, liegt nicht nur am Wirken unserer Integrationsromantiker und Islamversteher. Solange unsere Rathausspitze, begleitet von einem einschlägig besetzen Gemeinderat, ihre Energie auf Buga, Glücksteinquartier und der möglichst publikumswirksamen Entwicklung des Franklin-Areals richtet, wird die Ghettoisierung ganzer Mannheimer Stadtteile nicht aufzuhalten sein. Diese Entwicklung ist erschreckend – unsere Stadt verliert ihre Identität. Joachim König, Mannheim

In Zeiten von Corona sollen wir doch unsere Kreativität leben. Dies möchte ich hiermit tun. Nachdem „Galeria Kaufhof“ in der Kunststraße schließt, vielmehr schließen muss, wäre es doch eine wunderbare Möglichkeit, dieses Gebäude als „Haus der Erinnerung“ weiter zu beleben. Zum Beispiel das wunderbare „Café Journal“ dorthin zu verlagern. Etwas ähnliches geschah in Ägypten, übrigens mit Erfolg. Gut, das „Journal“ wird nicht vom Assam-Stau-See bedroht, aber man kann sagen, auch hier steht das Wasser bis zum Hals. In den Etagen würde ich auch das alte „Hemmlein“ wieder zum Leben erwecken, den „Alten Bahnhof“, der ja leider abbrannte, das „Andechser“ unser bayerisches Wohlfühllokal (Haxen, Hühnchen, Knödel, Bier und Schnaps. Antialkoholiker bekamen auch einen Minztee).

Die Mitarbeiter von „Galeria Kaufhof“ würden als Personal eingestellt werden und die Mannheimer Künstler, die gerade finanziell am Abgrund stehen, könnten sich kreativ betätigen. Und als krönenden Abschluss wäre es doch möglich, unseren „Mercedes-Benz-Stern“ auf dem Dach anzubringen. Dieser steht in Ladenburg im Museum „Benz“. Dann können wir in meditativer Ruhe in den „Mond gucken“. Was wir auch so schon tun. Gisela Reugels, Ilvesheim

Als in den 1960er Jahren – hinter dem Kaufhaus Karstadt – die ersten türkischen Bürger Einzug hielten, sprach man damals schon von einer Ghettoisierung. Mittlerweile breitet sich deren Eroberungsgebiet über die komplette Breite Straße bis in die Planken hinein aus. Wenn sich diese Entwicklung mit dem Einheitsbrei von türkischen Dönerläden, Restaurants, Handygeschäften und ähnlichem fortsetzt, braucht sich keiner zu wundern, wenn deutsche Kunden die City meiden – aber auch Touristen die Innenstadt in einem erheblichen Maße links liegen lassen.

Wo ist hier die vielgepriesene Gastfreundschaft der Türken, auch mal alkoholische Getränke anzubieten, wie es andere Lokalitäten tun? Also ein Indiz dafür, dass man unter sich bleiben möchte, obwohl ihnen von deutscher Seite viel Entgegenkommen in allen Bereichen zugesprochen wird.

Die Stadtspitze und unsere Kommunalpolitiker brauchen jetzt auch nicht so erstaunt und überrascht zu tun, wie sich unsere Innenstadt türkisch-arabisch entwickelt hat. So gut wie kein deutsches, kroatisches, spanisches oder österreichisches Lokal ist mehr zu entdecken. Statt Vielfalt Monotonie. Wenn ein Laden oder Geschäft schließt, kann man Wetten darauf abschließen, dass ein türkisches Geschäft Einzug hält. Hier haben unsere Politiker schon vor Jahren versäumt, für ein ausgeglichenes Angebot zu sorgen. Anstatt dessen wird Multi-Kulti demonstriert und sich über die Belange, Traditionen und Gewohnheiten der Mannheimer hinweggesetzt. Auch das bezeichne ich als eine Art Diskriminierung – den Deutschen gegenüber. Gunter Engert, Mannheim

Die genannten beklagenswerten Zustände am Marktplatz und der westlichen Innenstadt sind insofern besorgniserregend, als dass durch das Verschwinden alteingesessener Lokale und Geschäfte und den Ersatz durch Unternehmen mit türkischem Hintergrund nicht nur die kulturelle Vielfalt verschwindet – ja, auch die „traditionelle deutsche Küche“ gehört für mich zur Vielfalt – sondern auch ganz handfeste, nicht nur wirtschaftliche, sondern insbesondere politische Interessen dahinter stehen.

Wie mir von mehreren türkischen Freunden glaubhaft geschildert wurde, gibt der türkische Staat, also in diesem Fall ganz konkret Herr Erdogan, gezielt Kredite mit hohen Negativzinsen – heißt de facto Zuschüsse – an türkischstämmige Investoren in Deutschland. Also zum Beispiel an Mannheimer Gastwirte und Ladeninhaber sowie solche, die es werden wollen. Damit ein möglichst großer Teil mancher Geschäftsfelder und Immobilien in türkischer Hand und damit in türkischem Einfluss ist. Im sonstigen Wirtschaftsleben würde man so etwas „feindliche Übernahme“ nennen. Nur, dass es hier nicht mehr nur um einzelne Betriebe geht, sondern um ganze Wirtschaftszweige. Mit unabsehbaren Folgen für die Gesellschaft . . .

Man mag es bedauern, dass das Café Journal schließt. Aber in der vorliegenden Form gegen ein „türkisches Restaurant“ als Nachfolger zu schreiben finde ich bedenklich. Es gibt gute und schlechte Restaurants. Die Herkunft der Betreiberin oder des Betreibers ist doch völlig unerheblich. Wer weiß, vielleicht sind die Betreiber der von Ihnen genannten Restaurants sogar in Mannheim geboren? Wer ist der Einheimische, wer ist der Fremde? Wen interessieren diese Kategorien beim Abendessen?

Es ist in der Gastronomie schlicht so: Restaurants öffnen, sie schließen und ändern sich. Und wenn es zu viele „Grillrestaurants“ – das ist doch der übliche „MM“-Begriff für Restaurants mit türkischer Küche – gibt, werden sie keine Kunden finden und andere Betriebe werden öffnen. So funktioniert es. Einen Eingriff durch die Stadt zu fordern, finde ich absurd. Und: Alkohol wird wirklich genug ausgeschenkt in der Stadt. Das kann kein Kriterium sein. Ulrich Krieger, Mannheim

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2Bx4UkH