Leserbrief

Das sagen Leser zum Debattenbeitrag über Brasiliens Präsident Bolsonaro

Zum Debattenbeitrag „Ist Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro eine Gefahr für die ganze Welt, Herr Nöthen?“ vom 25. Juli:

Ein sehr guter Artikel, Herr Andreas Nöthen! Ja, Brasiliens Präsident Bolsonaro und seine von Militärs gestützte Regierung sind eine Gefahr für die ganze Welt. Denn, wie Herr Nöthen schreibt, seit 1990 sind 500 000 Quadratkilometer Regenwald vernichtet worden, und unter Bolsonaro schreitet die Zerstörung beschleunigt voran.

Das bedroht die grüne Lunge der Erde unmittelbar – und damit auch alle Menschen in Europa. Der Regenwald wird zerstört, weil man ihn wirtschaftlich ausbeuten will – Bodenschätze, Weideflächen für Rinderzucht, Sojaanbau. 25 Prozent aller Exporte gehen nach China (Fleisch, Soja etc.).

Aber zu ergänzen ist: Brasilien steigerte seine Fleischexporte in 14 Jahren um 700 Prozent – und die EU rangiert dabei an dritter Stelle nach China und Ägypten. Und: Etwa 20 Prozent der Sojaimporte der EU, womit Europas Mast- und Milchvieh ernährt wird, stammen möglicherweise aus Gebieten mit illegaler Waldrodung am Amazonas oder der Cerrado-Steppe („Science“, 16. Juli 2020). Europa und Deutschland müssen dringend handeln. Kein Soja und Fleisch aus Brasilien, solange der Regenwald brennt! Fritz Hofmann, Ludwigshafen

Herr Nöthen, es ist alles richtig, was sie schreiben. Aber: Unter dem Siegel christlicher Mission rissen sich Europäer den Kontinent unter den Nagel. Fanatisch jesuitische Verbesserungsverkünder ließen von ihrem Zentrum Paraguay zur Verwirklichung ihres Gottesstaates das Land entwalden und tränkten es mit dem Blut Unbotmäßiger. Wir, deren ökologischer Fingerabdruck rappel schwarz, unser Glashaus riesengroß ist, sollten, falls wir nicht als Beckmesser gelten wollen, rechthaberische Belehrungen unterlassen!

Anders als alle Raubtiere, auch bedeutend differenzierter als die Hominiden, geben wir Menschen uns nicht mit dem zufrieden, was unsere Existenz gewährleistet. Bedienen wir uns doch mit geradezu wachsender Begeisterung an allem, was uns nützt, den Schaden der anderen oder der Umwelt billigend in kauf nehmend. Streitigkeiten, basierend auf all unseren schlechten Ego-Eigenschaften sind vorprogrammiert. Andreas Weng, Mannheim

Wir haben uns über diesen Artikel sehr gefreut. Wir sind Mitglieder in dem Arbeitskreis „Solidarität mit brasilianischen Gewerkschaften“ in Mannheim/Ludwigshafen. Durch die permanente Verbindung mit unseren Kollegen dort, können wir die Entwicklung im Lande gut verfolgen. Der Artikel beschreibt in sehr detaillierter Form den Charakter und die zerstörende Politik des Präsidenten für Brasilien.

Ergänzend zu den Beschreibungen möchten wir kurz auf den vielfältigen Widerstand im Lande gegen die menschenverachtende Politik der Regierung eingehen. Bisher liegen bereits über 40 Anträge zur Absetzung von Bolsonaro vor. Unzählige Initiativen von Bewohnern und Organisationen sorgen Tag für Tag dafür, dass die Menschen nicht verhungern, weil die Regierung sie gar nicht oder zu wenig unterstützt. Dazu wurden an mehreren Gewerkschaftshäusern Wasserstellen eingerichtet, damit sich die Menschen waschen und Trinkwasser zur Verfügung haben.

Die Gewerkschaften kämpfen unentwegt gegen den Abbau der Arbeitsrechte. Hier gab es am 28. Juni eine Kundgebung in Frankfurt mit Deutschen und in Deutschland lebenden BrasilianerInnen mit dem Motto: „Bolsonaro Raus“ Internationale Unterstützung ist notwendig: wirtschaftliche und politische Institutionen in unserm Land müssen Einfluss nehmen gegen die vernichtende Politik der aktuellen Regierung in Brasilien. Angela Hidding und Fritz Stahl, Mannheim

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3jScRlW 

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