Leserbrief

Das sagen Leser zum Kommentar über Sarrazin

Zum Kommentar „Er muss raus!“ vom 24. Januar:

Der Brachial-Redakteur dieser Zeitung hat wieder zugeschlagen. Meint: Er muss raus! (Ex-Finanzsenator und Buchautor Thilo Sarrazin). Mir ist vollkommen unverständlich, wie Herrn Serifs Kommentar im News-Room die Blattabnahme geschafft hat. Da er sich scheinbar nicht die Mühe gemacht hatte, Herrn Sarrazins Thesen in die Zukunft zu verfolgen, ist seine Anmaßung schon dreist und abenteuerlich. Herr Serif, bei uns in Deutschland herrscht Rede-, Meinungs- und Pressefreiheit. Das müssten Sie doch am besten wissen.

Da Herr Sarrazin nicht derselben Meinung ist wie seine bräsige SPD, ehrt ihn, weil er nicht mit dem Mainstream mitschwimmt. Das gefällt den selbsternannten Tugendwächtern natürlich nicht. Sie schreiben in dieser Zeitung doch auch, was Ihnen zupasskommt. Schlimmer noch. Sie wollen der Leserschaft vorgaukeln, dass nur ihre Meinung die richtige ist. Hätten Sie ihren Kommentar auch so geschrieben, wenn Herr Sarrazin in der CDU oder bei den Grünen wäre?

Was er von sich gegeben hat, ist fachlich unqualifizierbar. Warum lassen Sie Ihren Kommentar nicht von einem schreiben, der dem intellektuellen Niveau des Kritisierten mindestens in die Nähe kommt? „Sarrazin kann sagen, was er will – muss dafür aber auch die Konsequenzen tragen.“ Herr Serif bedient sich schon wieder einmal mit einem kontraproduktiven Argument versus Ihr Bericht: „SPD darf Sarrazin ausschließen.“ Da steht nämlich, dass Herrn Sarrazin das Vertreten der eigenen Meinung schon einmal den Arbeitsplatz gekostet hat, nämlich bei der Bundesbank.

Wie kann man sich hier noch mit Meinungsfreiheit brüsten? Sind Ihre Mitarbeiter schon betriebsblind? Der Herr Serif kann genau so wenig wie die ganze SPD ihm einen einzigen rassistischen Satz nachweisen. Wenn Fragen gestellt werden, auf die die Antwort nur die nächste Generation, – und nicht wir – geben kann, wieso will Herr Serif heute schon uns eine verbindliche Antwort aufoktroyieren? Kann unser ach so freiheitliches System nicht einmal Fragen erlauben?

Der Kommentar von Herrn Serif macht wieder einmal deutlich, dass Meinungen, die nicht einer links-grünen Gesinnung entsprechen, umgehend als rechtsextrem oder gar rechtsradikal abgestempelt werden. So viel zur Meinungsfreiheit in Deutschland. Sie gilt anscheinend nur für eine links-grün orientierte Klientel oder besser gesagt, man kann anderer Meinung sein; jedoch muss man alsbald mit Konsequenzen rechnen.

Thilo Sarrazin hat mit seinen Äußerungen den Finger in eine Wunde gelegt, die leider von sehr vielen Menschen aus Angst und Feigheit gemieden wird. Ich kann Herrn Sarrazin, auch wenn er (noch) SPD-Mitglied ist, nur zustimmen. Die Indoktrination in unserem Land, vor allen Dingen durch die Grünen sowie die überwiegend links-grün gesinnten Medien, wird immer unerträglicher. Sie beanspruchen die Deutungshoheit für sich und lassen keine anderen Meinungen gelten. So etwas nennt man eigentlich „Faschismus“.

Die Gremien der SPD werden wohl selbst entscheiden können, wer Mitglied in dieser Partei sein kann. Dazu benötigen sie die Empfehlung von Walter Serif nicht. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass eine Mehrheit der Leser des „MM“ solche einseitigen und ziemlich bösartigen Kommentare lesen möchte. Zu einer Steigerung der Auflage trägt dies auf jeden Fall nicht bei.

Mal wieder ein typischer „Serif“. Seine deutliche Abneigung – oder sollte man das allgegenwärtige Wort gebrauchen: „Hass“ – gegen Herrn Sarrazin sei ihm gegönnt und man mag sie teilen. Auch wenn sich das Sich- gemeinmachen mit einer Sache, und sei es einer guten, sich für einen seriösen Journalisten bekanntlich ohnehin verbieten sollte – eine so offensichtliche Geschichtsklitterung sollte man ihm nicht durchgehen lassen, auch nicht im Dienste der ach so ehrenwerten Sache, ebenso nicht einen so nonchalanten Umgang mit Fakten. Streiten wir nicht über Begriffe – was meint „Rassismus“, wie weit trägt der „Boden des Grundgesetzes“, was sind „die Grundsätze und die Geschichte der SPD“ (war’s nicht einstmals eigentlich die möglichst gerechte Verteilung des durch gemeinsame Leistung erarbeiteten Wohlstandes? Ein gegen alle Widerstände durchgesetzter Ausgleich zwischen Arbeit und Kapital? Und nicht – wie heute – so drängende Probleme zu lösen wie die Versorgung aller möglichen ach so benachteiligten Grüppchen mit pekuniären und mentalen Safe-Spaces. Bis hin zur wichtigen Frage: „wie viele Toiletten für wie viele Geschlechter?“) und so weiter.

Eins allerdings sollte so nicht stehen bleiben: Ernst Reuters Flucht vor den Nazis und seine Aufnahme in der Türkei in diesem Zusammenhang zu bemühen, das ist dürftig oder dreist. Oder beides. Wir sprechen vom Jahr 1935, die Türkei war unter Kemal Atatürk ein betont laizistischer, sich von der Religion abgrenzender Staat, gesellschaftlich reformerisch und mit bewusstem Bruch zum Osmanischen Reich.

Und heute? Das Land, das Herr Serif mit der Seele sucht? Ein Land unter dem neuen Sultan Erdogan, auf dem Wege in einen Staat mit islamischer Räson und, wie hierzulande unbestreitbar zu beobachten, zumindest geistigem Expansionsdrang. Ich werde jetzt nicht über den Zusammenhang von Islam und Staatsverständnis und den daraus resultierenden kulturellen Gegebenheiten diskutieren – das tut Herr Sarrazin auf seine Weise genug. Aber: Das ist nicht vergleichbar und, mit Verlaub, absichtlich irreführend. Dieses historische Beispiel jedoch als schiefes Argument in Ihrer sehr persönlich gefärbten Philippika gegen Herrn Sarrazin zu gebrauchen, zeigt jedenfalls eines, lieber Herr Serif: Sie bedienen sich genau der Mittel, die Sie Ihrem Kontrahenten vorwerfen. Und das ist unredlich – und eines Journalisten unwürdig.

Es heißt in dem Kommentar, Thilo Sarrazin, ehemaliges Mitglied im Vorstand der Bundesbank und einstiger Berliner Finanzsenator sei „ein hartherziger Rechtspopulist“. Ihm ginge es mit seinen Büchern „vor allem um den Mammon“. Woher weiß der Schreiber das? In seinem Buch „Der neue Tugendterror“ würde Sarrazin behaupten, es gäbe in Deutschland ein Rede- und Denkverbot. Damit liege er falsch. „Er darf sagen, was er will.“ Wohin es führt, wenn einer sagt „was er will“, bringt der Kommentator auf einen kurzen Nenner: Thilo Sarrazin wird von ihm als „Rassist“ und „Hetzer“ beschimpft. So wird ein Mensch diskriminiert und an den schmutzigen Rand der Gesellschaft geschoben, der arbeitet, Leistung bringt, für die Schwächeren Steuern zahlt und sich auch noch große Sorgen um die Zukunft Deutschlands auf die Schultern lädt. Nach unserem Grundgesetz darf niemand wegen seiner politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

Dem Kommentator ist es offensichtlich entgangen, wie sehr er sich selbst und dem Grundgesetz widerspricht, wenn er Sarrazin als Rassist und Hetzer an den Pranger stellt. Die Aussagen seiner Bücher werden als niveaulos abqualifiziert – auch mit einem Zitat, das aus dem Zusammenhang gerissen wurde – obwohl schon ein kurzer Blick in Sarrazins Quellennachweise ausreicht, um zu erkennen, wie sorgfältig er recherchiert hat.

In seinem Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ und erst recht auf über 400 Seiten seines Buches „Feindliche Übernahme“ – Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht – setzt er sich kritisch und differenziert mit dem Islam auseinander – aber er „wettert“ nicht gegen Islam und Muslime. Und er stellt erst recht keine „kranken Behauptungen“ auf. Der Kommentar erinnert mit seiner Intoleranz, seinen Unterstellungen und seiner Sprache an das viel beklagte Mobbing, wo es um ein massives Runtermachen, Bloßstellen, Ausgrenzen und um Diffamierung geht.

In seinem Kommentar nennt Walter Serif Thilo Sarrazin einen Rassisten, der in der SPD nichts verloren habe. Einer der reputierlichsten SPD-Politiker, Klaus von Dohnanyi, ehemaliger Bundeswissenschaftsminister und Erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, ist ganz gegenteiliger Meinung. In einem Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 6.September 2010 ist er der Auffassung, dass es nützlich sei, die Zusammenfassung eines faktenreichen Buches (Thilo Sarrazin: „Deutschland schafft sich ab“) zu lesen, und er gibt sie verkürzt wieder.

Auf Seite 326 des Buches mit dem Untertitel „Was tun“ hieße es, jeder sei willkommen, der bereit sei Deutsch zu lernen (wir sollten aber nicht vergessen, dass Teile der deutschen Politiker, die Pflicht Deutsch zu lernen, als „Zwangsgermanisierung“ betrachteten), zu arbeiten, Bildungsehrgeiz zu entfalten und sich den Sitten und Gebräuchen anzupassen. Es sei mindestens für die Kinder anzustreben, Deutsche zu werden. Muslime, Heiden oder Christen hätten dieselben Rechte und Pflichten. Wer wolle, dass er und seine Kinder Türken oder Araber blieben, wäre im Herkunftsland besser aufgehoben, denn wir wollten keine nationalen Minderheiten (Parallelgesellschaften). Wer nur am deutschen Sozialstaat interessiert sei, sei nicht willkommen. „Soweit Sarrazin und gängige Praxis in anderen Ländern. Hier soll das alles falsch sein? Alles „rassistisch“?“ fragt Dohnanyi! Keine Scheu vor Debatten und keine Feigheit mehr vor Worten wie Rasse, Juden, Muslime zeigen. Man dürfe über sie nachdenken und man dürfe sie benutzen. „Nicht gedankenfeige sein! Aber nie rassistisch!“ Soweit Dohnanyis Fazit! Dohnanyi ist bereit, Sarrazin vor der Schiedskommission der SPD zu verteidigen, da er der Ansicht ist, dass Sarrazin wegen dieses Buches aus keiner europäischen Linkspartei ausgeschlossen würde! Wir dürfen gespannt sein!

Sie bezeichnen Thilo Sarrazin als Rassist. Sind für Sie alle Menschen Rassisten, die mit der Flüchtlingspolitik nicht einverstanden sind und Tatsachen aussprechen, die viele denken. Die Deutschen werden nicht irgendwann im eigenen Land zu Fremden gemacht, die Deutschen sind bereits jetzt schon Fremde im eigenen Land. Ihre Hetzkampagne gegen den Bestseller-Autor ist nicht nachvollziehbar. Ich frage mich ernsthaft: Dürfen Sie in einer angeblich unabhängigen Tageszeitung einen derart hasserfüllten Kommentar schreiben?

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2tXRmLl