Leserbrief

Das sagen Leser zum Sarotti-Mohr

Zum Artikel „Schöpfer der Figur nicht rassistisch“ vom 22. Februar:

Die Diskussion um den Sarotti-Mohren ist total blödsinnig und darüber hinaus auch völlig überflüssig, aber dennoch sehr aufschlussreich. Die Darstellung des Sarotti-Mohren soll doch wohl lediglich eine orientalische Stimmung symbolisieren. Das hat mit irgendwelcher Diskriminierung nun überhaupt nichts zu tun.

Da könnte man auch die Werbung mit Franziskaner-Weißbier oder mit Le Tartare-Käse für die Bayern oder für die Franzosen als diskriminierend diskreditieren. Wie weit soll es denn noch gehen? Da könnte man auch gleich Shakespeares „Othello – der Mohr von Venedig“ („The Tragedy of Othello, the Moor of Venice“) verbieten. Wir unterliegen mittlerweile tatsächlich einer annähernd totalitären, faschistoiden Meinungsdiktatur – auch genannt Political Correctness – einer kleinen Minderheit. Und niemand gebietet dem Einhalt. So etwas hat vor 90 Jahren in der Art schon mal angefangen. Wohin wir damit gekommen sind, wissen wir alle. Sehr traurig und ärgerlich das alles . . . (von Johannes Triem, Mannheim)

Hätte jeder dieser 100 Teilnehmer nur eine Stunde Sozialdienst geleistet; es wäre „mohr“ dabei herausgekommen! (von Hans Jürgen Kremer, Mannheim)

Es ist Aufgabe der nachfolgenden Generationen, der Erziehung, die Kultur und Geschichte in ihren Ausprägungen zum Beispiel in der bildenden Kunst, der Literatur und Musik zu bewahren, zu pflegen und in einen sich stets wandelnden Kulturzusammenhang zu stellen – nicht aber umzudeuten, umzuschreiben oder gar zu vernichten. Der Zigeunerbaron von Johann Strauss bleibt der Zigeunerbaron. Das Café Mohrenköpfle wird sich hoffentlich nicht umbenennen und die Capitol Bar ihre Sarotti-Mohr-Reklame behalten und der gesunde Menschenverstand sich wie beim „Mannheimer Loch“ durchsetzen. (von Franz Beutler, Mannheim)

Gott sei Dank! Endlich ist in Mannheim ein schwerwiegender Fall von Rassismus aufgedeckt worden, nachdem er, skandalöserweise jahrelang unentdeckt, das Unterbewusstsein ahnungsloser Capitol-Besucher vergiftet hatte. Ich meine den Sarotti-Mohr(en). Man fasst es kaum! Aber zum Glück gibt es auch bei uns die unermüdlichen Spürnasen der politisch korrekten Gesinnungspolizei, die – natürlich nur zum Wohle der Bevölkerung unserer weltoffenen, multikulturellen Stadt – dem alltäglichen Rassismus mann(Pardon! Auch frau/divers)haft entgegentreten. Doch es gibt noch viel zu tun! Wie wäre es, wenn man zum Schutz der immer kleiner werdenden christlichen Minderheit beispielsweise den Blick von der Waldhofstraße zum Luisenring wenden würde? Dort erhebt sich Mannheims größte Moschee, über ihrem Eingang steht in großen Lettern der Name: „Yavuz Sultan Selim Camii“. „Yavuz“ heißt: der Gestrenge, der Grausame. Hier wurde einem islamistischen Verfolger und Eroberer, an dessen Händen nicht nur das Blut unterdrückter Minderheiten wie Schiiten und Christen, klebte, sondern der auch in der eigenen Familie wütete. Ein Vorbild? Wohl eher nicht.

Vielleicht handelt es sich um einen Fall von umgekehrtem Rassismus. Aber in der türkischen Community scheint das niemanden zu interessieren und in der Stadtverwaltung auch nicht. Vermutlich hat sich dort noch niemand die Mühe gemacht, über „Yavuz Selim“ zu recherchieren (zum Beispiel in der Encyclopedia of Islam). Dabei ist es höchste Zeit für eine Umbenennung der Moschee. Und das harmlose Mohrenkind kann bleiben! (von Peter Ratzel, Mannheim)

Hallo Geschäftsleitung des Capitol, sollten Sie wegen des Gegenwindes der Weltverbesserer Ihre Sarotti-Werbung abbauen und aus dem Capitol verbannen, so werde ich Ihr Haus nicht mehr aufsuchen, Sie aber darum bitten, mir die Sarotti-Werbung käuflich zu überlassen. Ich werde einen Platz in meinem Eigenheim finden, wo es als Kindheitserinnerung würdig an der Wand angebracht wird, neben der Weihnachtskrippe mit den Heiligen Drei Königen. Für die Gegenargumentationen des Personenkreises der Verbesserer zur Info: Ich bin nach der Nazizeit geboren, kein AfD-Anhänger und kein Rassist. Kümmert euch um Kindesmissbrauch, Rauschgift- und Alkoholprobleme, Altersarmut und so weiter, damit habt ihr genug Sinnvolles zu tun! (von Karl-Heinz Scholz, Mannheim)

Die Auseinandersetzung um die Sarotti-Reklame im Capitol zeigt beispielhaft, wie man dasselbe betrachten und doch etwas Unterschiedliches sehen kann:

Sicht 1: Ein schwarzer Diener bringt Süßigkeiten zum Kaffeekränzchen der Kolonial-Damen. Der Diener sieht aus wie eine gängige Karikatur des schwarzen Menschen. Dass er lächelt, sagt nichts über seine Lage als Unterdrückter aus. Wer sich nicht bewegt, spürt seine Ketten nicht. Die Reklame ist rassistisch.

Sicht 2: Ein schwarzer Kellner bringt Süßigkeiten. Er lächelt und wirkt sehr sympathisch. Als die Karikatur 1918 entstand, war die grausame deutsche Kolonialpolitik gerade untergegangen. In ihr wurden Schwarze oft als Menschenfresser dargestellt. Somit wirkte die Karikatur einem rassistischen Feindbild entgegen.

Können wir es nicht dabei belassen und uns einfach über das schöne Bild freuen? (von Karl Lederle, Mannheim)

Um es auf den Punkt zu bringen: Der Sarotti-Mohr ist in meinen Augen eine Verniedlichung der Kindersklaverei, die in Herrenhäusern ehemaliger deutscher Afrika-Kolonien stattfand. Aus den Kolonien Kamerun und Togo eignete sich unter anderem die Berliner Schokoladenfabrik Sarotti für einen Spottpreis Kakao an. Deshalb ist Ihrem Kommentator Michael Ströbel nur zuzustimmen, wenn er die obige Entscheidung für absurd hält. (von Joachim Schubert, Mannheim)

Ist ein historischer Sarotti-Mohr in einem denkmalgeschützten Veranstaltungsraum absurd? Der Kommentator, Herr Ströbel, begibt sich selbst an die Grenze zum Absurden, wenn er hierin keinen Denkanstoß erkennen kann, ohne zuvor eine Durchführungsvorschrift erhalten zu haben. Das Wort Mohr kommt von lateinisch maurus, und das heißt, wertfrei beschreibend, dunkelhäutig. Wäre das Wort abwertend gemeint, hätte der Gelehrte Rhabanus sicher nicht den Beinamen Maurus erhalten.

In der Neuzeit hat Wilhelm Busch das Wort Mohr benutzt und in der betreffenden Geschichte von den „Tintenbuben“ das gleiche Recht für den Andersfarbigen ausdrücklich betont. Die werbliche Aussage des Sarotti-Mohren liegt einerseits in seiner exotischen Kleidung, die ausdrückt, dass der Kakao aus einem fernen Land kommt, und andererseits in seinem freundlichen Blick, der versichert, dass es sich dabei um etwas Gutes handelt. Es gab und gibt ohne Zweifel auch recht unfreundliche Mohrenbilder in der Werbung (mir fällt da eine Kaffeerösterei in der Region ein), aber der Sarotti-Mohr bringt nun wirklich die Botschaft: Mit Fremdem und Fremden kann man sich sehr wohl anfreunden! (von Ernst Plattner, Mannheim)

Nie habe ich beim Anblick vom Sarotti-Mohr das Gefühl gehabt, dass es sich um eine diskriminierende Plakatierung handeln könnte. Ich habe auch keine „Betroffenen“ feststellen können. Und das bei rund 20 000 US-Amerikanern, die in Mannheim verweilten, davon mindestens die Hälfte dunkelhäutig. Der Sarotti-Mohr ist ein Teil der Capitol-Geschichte und den sollte man da hängen lassen, wo er ist. Der war dort nicht eine Minute zum Zwecke der Diskriminierung aufgestellt. (von Fritz-Michael Jung, Darmstadt)

Ein weiteres Gremium, das Problemchen zu Problematiken aufbläht, um seine Existenzberechtigung zu etablieren. (von Hans-Lescow Banse, Mannheim)

Jetzt meldet sich auch noch ein Antidiskriminierungsbüro (ADB) zum Sarotti-Mohr-Skandal. Wurde das Büro extra wegen dem Sarotti-Mohr gegründet? Wenn man den Bericht gelesen hat, weiß man, seit wann es das Büro gibt. Seit der Kolonialzeit. Welche Verletzungen hat denn die Reklame bei den Betroffenen ausgelöst? Und eines muss auch klar sein: Der Hausherr vom Capitol kann in seinem Hause machen – oder hängen lassen – was er will. Ohne das ADB zu fragen. (von Klaus Anacker, Mannheim)

Können wir nicht akzeptieren, dass dieses Logo ein Teil der Schokoladengeschichte ist? Persönlich halte ich alle Menschen für gleich und beurteile nicht nach Herkunft oder Hautfarbe. (von Hedwig Erny, Mannheim)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2Hh1y5S 

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