Leserbrief

Das sagen Leser zum Thema Elektro-Autos

Zum Kommentar „Jetzt bitte wenden!“ vom 4. Februar:

Martin Geiger stellt in seinem Kommentar zu Recht fest, dass „der Klimaschutz endlich auch im Straßenverkehr Vorfahrt haben muss“. Das von ihm maßgeblich als Lösung propagierte E-Auto stellt allerdings aus mehreren Gründen keine wirkliche Alternative dar. So stellt sich zum Beispiel die Frage nach der Herkunft des für die Batterien benötigten Lithiums. Wer schon einmal Bilder der Lithiumproduktion in der chilenischen Atacama-Wüste gesehen hat, wird zustimmen, dass wir das nicht wollen können. Ungeklärt ist auch die Herkunft der für das elektrische Fahren benötigten Energie. Und wie sieht es mit der Entsorgung gebrauchter Akkus aus?

Nein, es ist nicht sinnvoll, heutige Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch solche mit Elektroantrieb zu ersetzen und ansonsten alles beim Alten zu belassen. In einer echten Verkehrswende kann das E-Auto nur ein Teil der erforderlichen Maßnahmen sein. Insbesondere in den Städten muss es vielmehr darum gehen, den Fahrradverkehr massiv zu fördern, öffentliche Verkehrsmittel verstärkt auszubauen und zu nutzen und auch einfach mal zu Fuß zu gehen. Mannheim bietet ideale Voraussetzungen. Die Wege innerhalb der Stadt sind kurz, die Topographie ist angenehm, das Klima freundlich. Jetzt fehlt nur noch der Mut bei Verwaltung und Politik zu visionären Entscheidungen. Denn klar ist, dass zum Beispiel eine Stärkung des Rad- und Fußverkehrs auf Kosten des Autoverkehrs gehen muss.

Nach Ladezeiten, Reichweiten und Feinstaub durch Gummiabrieb der Reifen frage ich gar nicht. Nach dem Schaden für unsere Autoindustrie und den Verlust hunderttausender Arbeitsplätze auch nicht. Zu diesem Thema gibt es ausreichend viele Statistiken. Die Ökobilanz über den gesamten Lebenszyklus eines E-Mobils spricht nun wirklich nicht gerade für diese Technologie (siehe ADAC Heft 4/2018).

Eine Umstellung der Produktion auf E-Mobile sehe ich äußerst skeptisch. E-Mobilität kann nicht unser Rezept für die Zukunft sein. Nach anderen Lösungen muss gesucht werden, auch wenn in dieser Zeitung vom 4. Februar auf den ersten drei Seiten die E-Technologie in hohen Tönen gepriesen wird.

Jetzt bitte wenden, diesen Satz möchte man auch Herrn Geiger zurufen, wenn man diesen Kommentar gelesen hat. Das CO2 zerstört nachweislich die Erde. Ein Elektroauto erzeugt kein CO2. Geht mal zu Fuß oder fahrt mit dem Rad.

Die deutschen Autobauer werden links überholt. Die Journalisten müssen übertreiben, um die Botschaften an den Mann und die Frau zu bringen. Was aber auch klar sein sollte: Autobauer müssen Geld verdienen und die Kunden kaufen sich das Fahrzeug, das sie möchten. Meine Empfehlung an alle Weltenretter: Geht zu Fuß, esst kein Fleisch, fliegt nicht in Urlaub und heizt die Wohnung nicht. Eure Kinder werden sich freuen.

Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass die Nachfrage nach Pkws mit alternativen Antriebssystemen noch zu wünschen übrig lässt. Elektromobilität? Klingt gut, ist meines Erachtens aber zu kurz gesprungen. Der Strom kommt zwar aus der Steckdose, aber wird die Primärenergie umweltfreundlich erzeugt und zur Steckdose geleitet? Die Elektromobilität über mit Batterien ausgestatteten Kraftfahrzeuge kann nur ein erster Schritt sein.

Eine zukunftsorientierte Lösung kann meines Erachtens nur der Antrieb über Brennstoffzellen sein, zumal damit Probleme wie „Reichweite“, „Laternenparker“ aber auch „Primärenergie“ gelöst sein dürften. Vorausgesetzt, dass auch ein entsprechendes Tankstellennetz für Wasserstoff/Methanol (als Energieträger) eingerichtet ist. Natürlich auch europaweit. Bei alledem müssen auch wir Verbraucher umdenken. Martin Geiger hat es in seinem Kommentar „Jetzt bitte wenden!“ sehr treffend formuliert: „Gefordert ist dabei jeder Einzelne. Es reicht nicht, nur auf Autobauer oder Politik zu schimpfen. Jeder sollte sich fragen: Muss es ein SUV mit großem Verbrauch sein, nur weil die Sitze höher sind und er schick aussieht?“

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2Sg6U8j