Leserbrief

Das sagen Leser zum Umgang mit dem „Sarotti-Mohr“

Zum Artikel „Soll das Capitol die ,Sarotti-Mohren’ abhängen?“ vom 18. Oktober:

Was soll die ganze Aufregung? Dieser arme „Sarotti-Mohr“ ist ein Relikt aus der Vergangenheit, nämlich aus den 1960er Jahren. Im Jahre 2004 verwandelte die Firma Stollwerck, welche die Marke samt dem Mohren im Jahre 1998 von Nestlé übernommen hatte, den „Sarotti-Mohr“ in den „Sarotti-Magier“, Gesicht und Hände in Gold getaucht statt in Schwarz.

Das Wort Mohr hat nichts Beleidigendes an sich. Es ist abgeleitet vom lateinischen Maurus, einem Bewohner Mauretaniens, des heutigen Marokko. Die Mohren hat schon der Struwwelpeter in Schutz genommen. Dort hat der Nikolas die bösen Buben in das große Tintenfass gesteckt, nachdem sie den Mohren wegen seiner Hautfarbe verlacht hatten. Also: Das Problem ist längst gelöst, auch ohne dass man das Wort „Mohr“ hätte verbannen müssen. (Ludwig Mahner, Viernheim)

Wenn die Personen, die hier Rassismus vermuten, sich einmal die alten Werbefilme ansehen, werden Sie feststellen, dass hier kleine positive Geschichten erzählt werden, in denen der „Sarotti-Mohr“ schon fast verehrt wird. Entstanden ist Sarotti in Berlin in der Mohrenstraße. Diese Straße gibt es heute noch, aber auch in anderen Städten. Was machen wir dann mit dem „Gasthaus zum Mohren“, „Mohrenapotheke“, „Mohrenbräu“ und so weiter, alles das gibt es vielfältig in Deutschland.

Für mich stellt sich die Frage, wie viel an Sprache und gewachsenen Traditionen und Traditionsmarken noch geändert werden soll, um die Gemüter zu beruhigen. Ich freue mich immer bei Besuchen im Capitol, ein Stück meiner Kindheit zu sehen. Lasst dieses Schild einfach hängen und kümmert euch um die wahren Probleme in unserer Gesellschaft. (Herbert Knörzer, Mannheim)

Mit welcher moralischen Keule will man uns Deutschen nun wieder den Spiegel vor Augen halten? Ständig kommen selbsterwählte Moralapostel aus ihren Löchern, die einem sagen wollen, was rechtens ist. Zigeunerschnitzel darf man nicht mehr sagen – und wie lange der Zigeunerbaron noch aufgeführt werden darf, steht in den Sternen. Das „Café Mohrenköpfle“ in der Mannheimer Mittelstraße muss sicher auch bald umfirmieren. Wir werden nur noch reglementiert von einigen Gruppen, die nichts Wichtigeres zu tun haben, als jahrhundertealte Normen und Traditionen zu kippen. (Gunter Engert, Mannheim)

Jetzt platzt mir aber der Kragen! Ich kann diese leidigen Diskussionen nicht mehr ertragen, wobei in jeder auch noch so winzigen Gegebenheit Rassismusvorwürfe laut werden. Nun muss der putzige „Sarotti-Mohr“ herhalten. Für mich eine schöne Erinnerung an eine leckere Schokolade, deren Packung mit einem freundlichen Kerlchen dekoriert war, eben eine Figur aus Tausend und eine Nacht und mehr nicht! Sollen jetzt alle Märchen umgeschrieben werden, da dort Figuren vorkamen, die unserem heutigen Menschenbild nicht entsprechen? Böse gedacht, könnte man gerade denjenigen, die im Sarotti-Männchen Rassismus sehen, unterstellen, selber rassistisch zu sein! (Cornelia Blume, Mannheim)

Haben wir nicht einen Berg von anderen Problemen als das Abhängen eines 60-jährigen Werbeschildes? Gibt es wirklich Artgenossen bei uns, denen nur einfällt, wie, wann und wo können wir etwas beanstanden? Wo soll noch alles hinführen? (Friedebert Goldbach, Mannheim)

Es ist immer wieder das alte Paradoxon der Links-Grünen, die etwas gut meinen, aber letztlich schlecht machen. Es gibt im deutschsprachigen Raum allein rund 100 „Mohren-Apotheken“. Sollen die alle umgetauft werden? Seit 1555 (!) gibt es etwa in Weiden eine „Mohren-Apotheke“. Das Wort „Mohr“ entstand aus dem lateinischen Begriff „Maurus“ und ist seit dem achten Jahrhundert im Althochdeutschen bekannt und wurde ab dem 16. Jahrhundert auch für dunkelhäutige Menschen gebraucht. Ohne rassistische Anwandlungen! Die Bezeichnung „Mohr“ leitet sich vermutlich auch (positiv) von dem dunkelhäutigen, heilbringenden Kaspar, einem der Drei Heiligen Könige, ab.

Der berühmte Mainzer Erzbischof Hrabanus (gestorben 840) trug auch den Beinamen Maurus. Interessanterweise sind die gutgläubigen Geschichtsumschreiber auch jene Genderologen und Genderogeten, die nicht verinnerlichen, dass sie mit ihrer Ideologie etwa Blinde, Übersetzer und Menschen, die Deutsch lernen (müssen), diskriminieren. Und eben jene sollten sich einmal überlegen, ob es wirklich gut ist, dass es in Deutschland mehr Lehrstühle für Gender-Studien als für Geriatrie gibt. Aber: „Vielleicht kommt in Bälde wieder die Mode des Denkens auf.“ (Voltaire, Briefe aus England, 20. Brief). (Wolfgang Schneider, Altrip)

Glaubt jemand allen Ernstes, in Frankreich fordert jemand, die bekannte Zigarettenmarke „Gitanes“ (Französisch für Zigeuner) umzubenennen? Auch die legendäre Musikgruppe „Gipsy Kings“ (Gipsy bedeutet im Englischen Zigeuner). Selbst Roma, haben niemals über eine Namensänderung nachgedacht. Ein Antrag eines linken Stadtrates in München, auf den Begriff „Schwarzfahrer“ zu verzichten, weil dieser rassistisch sei, wurde schon vor Jahren mit Kopfschütteln und Gelächter quittiert. (Herbert Semsch, Brühl)

Für mich ist der „Sarotti-Mohr“ etwas Positives. Es sind schöne Kindheitserinnerungen an feine Schokolade. Die Entfernung eines Schildes oder irgendwelche Namensänderungen sind eine verlogene Geschichte. Das Schild soll hängen bleiben. (Claudia Biehler, Mannheim)

Hoffentlich lässt sich Capitol-Chef Riehle nicht in eine Diskussion hineinziehen, die den Schildern gar nicht gerecht wird, nur weil ein paar Pappnasen die Mohren problematisch empfunden hätten. Wie engstirnig muss man denn eigentlich sein, um sich an zwei alten Sarotti-Werbeschildern zu echauffieren? Gab es eigentlich diese bescheuerten Einwände auch schon vor dem Jahr 2015? (Klaus Anacker, Mannheim)

Über dieses, von der Flüchtlingsinitiative „Mannheim sagt Ja“ herbeigeredetes Problem kann ich nur den Kopf schütteln. Ich kann Ihrem Redaktionsmitglied Herrn Ragge nur zustimmen und hoffen, dass hier die Vernunft siegt und das Werbeschild mit dem „Sarotti-Mohr“ im Capitol bleibt. Lasst die Kirche im Dorf und respektiert lieber alle Menschen. (Monika Gordt, Mannheim)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2CB8qsq