Leserbrief

Das sagen Leser zur geänderten Ampelschaltung

Zum Artikel „Langes Grün für Fußgänger bringt Staus und Ärger“ vom 31. Oktober:

Laut Jan Krasko von der Stadt Mannheim ist die derzeitige Schaltung der Ampelphasen „unumgänglich“. Ich weiß nicht, wo solche Entscheidungen getroffen werden und muss vermuten, dass dies am Grünen Tisch geschieht. Was mit der derzeitigen Situation erreicht wird, ist ein höherer Spritverbrauch, eine höhere CO2-Belastung, von der zusätzlichen Feinstaubbelastung ganz zu schweigen.

Dass damit Staus verursacht werden, streitet die Stadtverwaltung nicht einmal ab. Eine wesentlich intelligentere Lösung wäre sehr wohl möglich, die auch auf die Belange der Fußgänger Rücksicht nimmt. Es wäre ratsam, einmal eine unabhängige Untersuchung über die Mehrbelastung der Umwelt, des Geldbeutels und der Nerven der Pkw-Fahrer in Auftrag zu geben, damit endlich eine zumindest befriedigende Lösung gefunden werden kann. Von Volker Schmitt-Illert, Mannheim. 

Da bleibt einem die Spucke weg, wenn man liest, was der Stadtsprecher zu diesem Thema zum Besten gibt. Zunächst: Der Autor des Artikels schildert die Situation in diesem Kreuzungsbereich zutreffend. Es kommt wegen der Ampelregelung immer wieder zu langen Staus auf der Neckarauer Straße. Es könnte allerdings der irrige Eindruck entstehen, es handle sich bei den beim Abbiegen in die Speyerer Straße unnötig Wartepflichtigen nur um Rentner, die zu ihren Schrebergärten fahren wollen.

Es sind vielmehr die Bewohner von Lindenhof, Niederfeld, Almenhof und zum Teil auch Neckarau, denen hier unnötige Wartezeiten zugemutet werden, die meist länger sind als die 70 Sekunden, die man bei Fußgängern für nicht zumutbar hält. Es erstaunt, dass sich zu dieser Problematik der Stadtsprecher und nicht etwa ein Bediensteter des zuständigen Dezernats äußert. Die Folge ist, dass der Sprecher erkennbar von Dingen redet, von denen er keine Ahnung hat.

Wo sollen die „Fußgänger in Richtung Hochschule“ herkommen, zu deren Lasten sich eine Veränderung der Ampelschaltung auswirken würde? Etwa von der Esso-Tankstelle oder von dem benachbarten Pflegeheim? Das sind nicht unbedingt typische Besucher einer Hochschule. Auch von dem hier gelegenen Blutspendezentrum dürften keine allzu große Anzahl von Fußgängern in diese Richtung zur Straßenbahnhaltestelle gehen.

Warum bei einer Freigabe der Abbiegespur zum Zeitpunkt des bereits in Richtung Neckarau auf der Parallelfahrbahn fließenden Verkehrs sogar 90 Sekunden Wartezeit entstehen sollen, bleibt im Dunkeln. Das gilt in gleicher Weise für das angeblich einschlägige Postulat, Fußgänger und Radfahrer gegenüber Kraftfahrzeugen zu schützen. Es ist beim besten Willen nicht einzusehen, was „Schutz“ mit längeren oder kürzeren Wartezeiten zu tun hat. Und dass die Stadt den Schutz rechtswidrig handelnder, die Straße trotz roter Ampel überquerender Fußgänger höher achtet als die Gestaltung eines flüssigen Verkehrsflusses auf einer Hauptverkehrstraße, ist offensichtlich eines der Prinzipien Mannheimer Verwaltungspraxis.

Völlig verfehlt ist schließlich der Hinweis auf die Gefährlichkeit der Zulassung des Abbiegeverkehrs bei gleichzeitiger Grünschaltung für querende Fußgänger mit deren Schutz durch gelbes Warnblinken. Denn diese Regelung findet sich in nächster Nähe bei der Markuskirche an der Kreuzung Speyerer Straße/Steubenstraße/Meeräckerstraße an allen vier Abbiegespuren. Es fällt schwer zu glauben, dass die Kraftfahrer dort aufmerksamer sind als in dem hier in Rede stehenden Bereich, zumal es sich meistens um dieselben handeln dürfte.

Das von Herrn Krasko gezogene Fazit, die jetzige Regelung sei „unumgänglich“ (die Kanzlerin würde sagen „alternativlos“) ist schlechterdings unhaltbar, da alle dafür sprechenden Argumente ausnahmslos haltlos sind. Von Jörg Schmidt, Mannheim. 

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2PFzX3c