Leserbrief

Das sagen Leser zur Stellungnahme von Lungenärzten bei Dieselgrenzwerten

Zum Artikel „Lungenärzte warnen vor ,Angstmacherei’“ vom 24. Januar:

Dieter Köhler, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, zweifelt die umfangreichen, weltweit anerkannten Studien zu Dieselgrenzwerten an. Faktoren wie unter anderem Bewegungsmangel sind seiner Meinung nach bei den untersuchten Krankheiten nicht berücksichtigt worden.

Oft schon habe ich mich gefragt, woran genau Leute sterben, die Suizid begehen, indem sie Auspuffgase in das Wageninnere leiten. In meiner Naivität schob ich die Todesursache auf schädliche Pkw-Abgase. Seit gestern wissen wir: Die Betroffenen sitzen zu lange im Auto und sterben daher an Bewegungsmangel. Ernsthaft: Die Stellungnahme zum Thema haben 113 von 3800 angeschriebenen Experten unterzeichnet. Wie kann es sein, dass die Meinung von drei Prozent der Angefragten einen solchen Wirbel verursachen kann? (Ralph Füglein, Mannheim)

Jetzt haben sich endlich Lungenfachärzte zu Wort gemeldet und auf den fehlenden Zusammenhang zwischen den aktuellen Grenzwerten für Stickstoffdioxid und Gesundheit hingewiesen, da argumentieren (Diesel-)Autogegner damit, dass diese Grenzwerte doch nur Indikatoren für die Luftverschmutzung allgemein seien und deshalb möglichst niedrig sein müssten. Wissenschaftlich fundierte Studien, die diesen Zusammenhang mit den festgelegten Grenzwerten nachweisen, werden aber nicht vorgelegt.

Leider sagen diese Leute auch nicht, dass die Verteufelung des Diesels zu mehr Benzinern, höherem Rohölverbrauch und zu einem wesentlich höheren CO2-Eintrag in die Atmosphäre beitragen, sowohl bei der Herstellung des Benzins als auch beim laufenden Verbrauch. Selbst Elektroautos sind in dieser Beziehung, wenn man den derzeitigen Strommix zugrunde legt, nicht besser. Es wird höchste Zeit, dass wieder Fakten und nicht schöngefärbte Illusionen die Umweltpolitik voranbringen.

Wir alle wollen möglichst saubere Luft und sollten besonnen die wirksamsten Stellschrauben dafür erforschen und umsetzen. Der sogenannte Diesel-Skandal hat nur dazu geführt, dass unsere begrenzten Ressourcen jetzt für fragwürdige Maßnahmen verpulvert werden. (Benno Blessenohl, Ladenburg)

Die bisher gezeigte große Einigkeit der sich medial exponierenden Experten und Politiker in der Frage der Grenzwerte und Fahrverbote steht in einem merkwürdigen Gegensatz zu den äußerst diffizilen methodischen Problemen bei der Gewinnung von belastbaren wissenschaftlichen Befunden in einem solchen offenen Lebensumfeld. Nun aber haben 113 Lungenärzte Kritik an den Grenzwerten für Stickoxid geäußert. In dem bestehenden Meinungsklima gehörte Mut dazu. Endlich hört man von Experten auch eine andere Meinung, und nun erst beginnt überhaupt eine sachliche Debatte.

Die Untersuchung der Schädlichkeit der Stickoxide in einem alltäglichen Lebensbereich wirft nun einmal besondere methodische Probleme auf und erfordert in qualitativer und quantitativer Hinsicht eine gründliche Analyse. Wer sich mit Statistik ein wenig auskennt, weiß, welche methodischen Tücken darin lauern und wie man sich schnell auf den Holzweg begibt. Das allbekannte Beispiel mit der gleichzeitigen Abnahme der Geburten und der Störche ist ein schönes Beispiel dafür.

Sehr fragwürdig ist auch die eindimensionale Herangehensweise an das Thema und die rigorose Vorgehensweise mit den sich exponentiell ausbreitenden Fahrverboten. Es ist in der Tat Zeit, dass die Debatte über den Grenzwert der Stickoxide versachlicht und auf eine breite thematische Grundlage gestellt wird. Und es würde nicht schaden, wenn die Bevölkerung hierbei zur Abwechslung einmal einbezogen wird und die öffentliche Debatte in Bezug auf die Kosten und Belastungen umfassend und transparent erfolgt. (Hartfrid Golf, Lampertheim)

Ich bin oft per Fahrrad oder zu Fuß unterwegs und immer wieder fallen mir Autofahrer auf, die minutenlang im Stand den Motor laufenlassen. Es werden Bankgeschäfte getätigt, man geht zum Kaffeetrinken, selbst wenn die Ehefrau im Supermarkt Großeinkauf macht, muss man vor dem Einkaufsmarkt mit laufendem Motor warten. An einem Taxistand stehen rund sieben, acht Taxen, nahezu alle mit laufendem Motor. Vor allem die, die ganz hinten stehen, sind sicher nicht so bald weggefahren.

Spricht man solche Menschen an, wird man schon mal beschimpft. Es sind alle Altersgruppen vertreten und man fragt sich, wie viel diesen Menschen unsere Umwelt wert ist. (Cornelia Unger, Mannheim)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2SaRbaE