Leserbrief

Das schreiben Leser dieser Zeitung zu Friedrich Merz

Zum Artikel „Klöckner stützt Merz“ vom 24. September und zum Kommentar „Mann von gestern“ vom 23. September:

Frau Klöckner ist der Ansicht, dass Herr Merz mit seiner Aussage zu Homosexualität keine Vermischung oder Gleichsetzung dieser mit Pädophilie im Sinn gehabt habe. Dieser Einschätzung widerspreche ich. Für mich liest sich die Aussage von Herrn Merz so, als sei Kindesmissbrauch als Endpunkt einer Eskalationskurve anzusehen. Homosexualität ist in meinen Augen eine weitere Form der sexuellen Ausrichtung. Kindesmissbrauch ist eine Straftat, Pädophilie ein behandlungswürdiges Krankheitsbild, das in eine Straftat münden kann. Herr Merz mag das nicht „im Sinn“ gehabt haben, was bedauerlich wäre, aber er hat meines Erachtens aus dem Bauch formuliert, sozusagen sein zweites Gehirn benutzt.

Herr Merz ist ein ewig Gestriger und verkörpert das Gedankengut der CDU des letzten Jahrhunderts. Viele potenzielle CDU-Wähler*innen haben Herrn Merz und seinesgleichen längst überholt und hinter sich gelassen und haben, auch, wenn sie wertkonservativ sind, ein moderneres Weltbild. So wird es die CDU schwer haben, Mehrheiten zu generieren.

Bianca Beyer, Mannheim

Herr Merz macht eindeutig und unmissverständlich klar, ein Homosexueller als Kanzler ist für ihn kein Problem. Die Antwort von ihm lautet einfach nein. Nachgefragt sagt er, Sexualität ist Privatsache. Nur auf diese Aussage bezieht sich seine Einschränkung bezüglich Gesetze und vor allem Kinder. Überall kann man es nachlesen. Dass im Internet ein Shitstorm loslegt, ist ja mittlerweile normal. Aber dass eine Zeitung wie der „Mannheimer Morgen“ sich derart an diesem Kesseltreiben beteiligt, kann ich nicht verstehen. Eine solche Stimmungsmache hätte ich nicht von meiner Zeitung erwartet. Freuen kann sich dann wieder Walter Serif. Er nutzt die Gunst der Stunde, um reichlich Müll über den Herrn Merz auszukippen.

Jürgen Schmitt, Mannheim

Walter Serifs Kommentar „Mann von gestern“ zu Friedrich Merz reiht sich ein in zu viele Serif-Kommentare der Vergangenheit. Mündige Leser und Abonnenten wünschen sich vom „Mannheimer Morgen“ kein plattes Framing, sondern Dialektik.

Rüger Schlund, Ludwigshafen

Dass Merz „politisch korrekt“ dazu sagte, dass „die sexuelle Orientierung gehe die Öffentlichkeit nichts an, solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft“ wurde benutzt, um einen nichtexistenten Zusammenhang zu konstruieren. Für Walter Serif: „Klar ist jedenfalls, dass der CDU-Mann nicht nur ein Problem mit Homosexuellen, sondern auch mit Frauen hat“. Weitere Anschuldigung: „Gegen den Merzschen Lobbyismus, den er im Dienste der US-Heuschrecke Blackrock betrieb.“ Die Tatsache, dass für eine der größten Fondsgesellschaften außergewöhnliche fachliche Qualitäten erforderlich sind, übersteigt die Vorstellungskraft von Walter Serif. So viel zur Neidkultur. Und schlussendlich belehrt uns Herr Serif, was richtig ist: „CDU-Stimmen. . . nur wegen der klugen und liberalen Politik Merkels dort gelandet sind. . . ein Kanzlerkandidat Merz wird sich vielleicht als der große Garant für den Misserfolg erweisen.“

Eugen Heim, Oftersheim

Wieder ein „echter Serif“. Er bleibt seinem linken Weltbild in allen Kommentaren treu. Wo bitte steht geschrieben, dass man jegliche sexuelle Orientierung auch gut und richtig heißen muss? Dazu sollte sich doch jeder eine eigene Meinung bilden können, die aber Politikern anscheinend nicht zugestanden wird. Wenn Friedrich Merz nach seiner Meinung beziehungsweise eines möglichen „schwulen Kanzlers“ gefragt wird, dann wird er sich hüten, diese zu offenbaren, gar negativ zu antworten. Die Presse würde ihn in Stücke reißen.

Meinungsfreiheit ja, aber bitte nicht gegen den Zeitgeist. Sein Nachsatz, dass für ihn die Toleranz bei Pädophilie aufhört, hat ja bereits gereicht, über Merz herzufallen. Ein willkommener Bissen für die linke Journaille, Merz zu diskreditieren, denn er passt nicht in ihr Weltbild.

Peter Krebs, Mannheim

„Friedrich Merz hat nicht nur Probleme mit Homosexuellen und Frauen“. Als sei das nicht schon schlimm genug. Nein, darüber hinaus „ähnelt sein Weltbild eher dem Adenauers als Merkels.“ Mit diesem umwerfenden Vergleich lässt Walter Serif seinen Beitrag über Friedrich Merz beginnen. Zur Erinnerung: Konrad Adenauer wurde am 15. September 1949 im Alter von 73 Jahren zum ersten deutschen Bundeskanzler gewählt. Er regierte 14 Jahre bis 1963, da befand er sich im 88. Lebensjahr. Ein Mann von gestern? Was heißt das eigentlich? Unbestritten bleibt: Konrad Adenauer war ein großer Glücksfall für die damalige Bundesrepublik. Er war Jurist und ein erfolgreicher Kommunalpolitiker, kein Historiker – und auch kein Soziologe. Sein Ziel war nicht die Wiederherstellung einer guten alten Zeit, er strebte nach einem Zustand, der ihm natürlich und gottgewollt erschien. Er wollte zurück zu Recht, Ordnung, Selbstdisziplin und zu christlichen Sitten. Das wäre auch heute keine schlechte Orientierung für einen Kanzlerkandidaten.

Sollte sich hier Friedrich Merz Adenauer zum Vorbild nehmen und nebenbei noch – so sein Versprechen – die AfD halbieren, wäre er für viele ein guter Kandidat.

Rudolf Jansche, Wilhelmsfeld

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3mYI5JU und https://bit.ly/3mSlDlI

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