Leserbrief

Das schreiben Leser dieser Zeitung zum Radschnellweg durch die Au

Zum Artikel „Radschnellweg durch die Au – neue Runde im Streit um Trasse“ vom 22. Februar:

Radfahrer in der Au unerwünscht. Auf der einen Seite sollen Radfahrer zur Lösung unserer erschreckenden Verkehrsprobleme in den Städten beitragen, auf der anderen Seite sind sie unbequem und unerwünscht – wie dies bei der Diskussion um den Radschnellweg in der Au erkennbar wird. Hier sollen offenbar die etwas schnelleren Radfahrer vergrätzt werden. Als Grund wird das Habitat des ehemaligen Neckarschwemmlandes angeführt.

Betonflächen sind für die Ackerkrume nicht besonders gut. Zugegeben. Mit Augenmaß vorgebrachte Argumente der Naturschützer sind ernst zu nehmen. Aber sollen deshalb die Klimaschützer auf dem Fahrrad auf die Straße entlang der Au verbannt werden? Wo bleibt da das Augenmaß? Zumindest hätte man doch erwarten dürfen, dass man den Bikern die Teilhabe an der Natur gönnt, und den Radschnellweg am Fuß des Augestades verortet. Das wäre wünschenswert.

Für Bürger, die die angedachte künftige Stadtentwicklung mit Spannung verfolgen, ist unverständlich, wie man sich wegen Randproblemen so verhalten kann. Werfen wir doch mal einen Blick über die Kante der Aubuckelstraße in Richtung Odenwald und schauen, was sich da in den letzten Monaten auf Spinelli bewegt hat. Zwar leiden die Anwohner in der Wachenheimerstraße unter dem Arbeitslärm, aber im Zuge der Buga 23 werden hier auf einer Fläche von 80 Hektar Gebäude und Straßen der Amerikaner abgebaut und der Natur und den Bürgern zurückgegeben. Wo bleibt der Beifall, dass ein ganzer Stadtteil militärlogistischer, klimaschädlicher Installationen totalsaniert wird?

Wenn man nun die Au und Spinelli als Teil eines lebenswerten Grünzugs um Mannheims Zentrum sieht und gewillt ist, einen größeren Zusammenhang herzustellen, relativieren sich die vermeintlichen Probleme eines Radschnellwegs doch erheblich. Im Hinblick auf den inzwischen eher engen Fertigstellungstermin zur Buga 23 sollte man solche juristischen Streitereien unterlassen. Wenn man allerdings gegen einen zeitnah verwirklichten Grünzug ist, was ich nicht glauben kann, so bietet sich hier die Gelegenheit zur Behinderung.

Günter Nachtwey, Mannheim

Es ist absurd, mit welcher Vehemenz ausgerechnet die Naturschützer*innen die Anlage eines Radschnellweges bekämpfen. Die Steigerung des Radverkehrs (und damit die naturschützende Reduzierung des Autoverkehrs) ist ein wichtiger Baustein der Verkehrswende. Die Menschen der Feudenheimer Bürgerinitiativen und der BUND wollen dem Radverkehr aber nur eine dermaßen unattraktive Wegeführung zugestehen, dass kaum jemand aufs Rad umsteigen wird. Sie fordern, dass der Radschnellweg direkt parallel zum verkehrsreichen Aubuckel und Feudenheimer Straße (Schwerlastverkehr!) verlaufen soll, verbunden mit An- und Abstiegen und scharfen Kurven. Das ist eine indiskutable Trassenführung, ein No-Go (No-Bike) für eine komfortable Radroute.

Oder finden Sie es einladend, in unmittelbarer Nähe von Autolärm, -abgasen, bedrohlicher Lkw und blendenden Lichtern zu radeln, an Kreuzungen ständig stoppen und in 180-Grad-Kurven abbremsen zu müssen? Ist Ihnen eine geradlinige Verbindung durch Grünflächen abseits des Autoverkehrs mit komfortabler Breite und Beleuchtung nicht lieber?

Der Vorschlag des Bezirksbeirats Feudenheim bietet eine optimale und attraktive Trassenvariante, auf der Radeln Freude macht. Nur ein geringer Teil der Orchideen müsste umgesetzt, die wenigen entfallenden Kleingärten können innerhalb der bestehenden Anlage ersetzt werden. So entsteht die Option und Einladung an alle (zukünftigen) Radler*innen, komfortabel, sicher, schnell und störungsarm aus dem Nordosten Mannheims in die Innenstadt zu radeln. Es wäre auch ein Signal der Wertschätzung an die Radfahrenden, dass ihre Interessen und Bedürfnisse endlich ernst genommen werden. Und ein Beitrag zum Umweltschutz!

Ina Schäfers, Mannheim

Das Thema Umwelt- und Naturschutz ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Förderung des Radverkehrs ist ein sehr gutes Mittel, hier im Bereich des Klimaschutzes und zur Verbesserung der Lebensqualität Fortschritte zu erzielen. Erfreulicherweise hat die Stadt Mannheim sich ja diesbezüglich das 21-Punkte-Programm zur Förderung des Radverkehrs verordnet und einige positive Maßnahmen dazu bereits umgesetzt.

Wer allerdings mehr als ein paar Hundert Meter mit dem Rad zum Bäcker fährt, erkennt jedoch schnell, wie lückenhaft unsere Radinfrastruktur in der Realität ausfällt. Als Beispiel sind hier Sicherheit, Abstellanlagen, Komfort und nicht zuletzt auch die vielfältigen Behinderungen zu nennen, die einem zügigen Vorankommen entgegenstehen.

Durch Einrichtung von Radschnellwegen kann hier Gutes bewirkt werden und diese ist daher zu begrüßen; natürlich sind auch die Belange des Naturschutzes zu berücksichtigen. In diesem Sinne begrüße ich den kürzlich vorgestellten Kompromissvorschlag aus dem Bezirksbeirat. Die Forderung des BUND dagegen mit einer Routenführung entlang der verkehrsträchtigen Straßen macht 80 Prozent der Idee zunichte.

Packen wir es an, viel zu lange wurde zu viel Geld in die einseitige Förderung des motorisierten Individualverkehrs investiert!

Christoph Jung, Mannheim

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