Leserbrief

Das schreiben Leser dieser Zeitung zum Thema Corona

Zum Thema Corona:

Mit den Infektionszahlen in Mannheim beschäftigen sich das Gesundheitsamt, die Stadt, die Kliniken – aber es beschäftigt natürlich auch uns Bürger. Seit dem 4. Dezember gibt es eine Ausgangsbeschränkung ab 21 Uhr und jetzt gar ab 20 Uhr. Ich habe diese Regelung für richtig gehalten, um die Infektionsverbreitung bei privaten Feiern deutlich einzudämmen.

Eigentlich, so dachte ich, kam sie viel zu spät. Noch am 10. Dezember zeigte das Diagramm mit 163 gemeldeten Fällen einen Anstieg, aber dann in den drei Folgetagen ging es zurück bis zu 83 Meldungen am 13. Dezember. Na also, geht doch, war meine Reaktion. Aber schon am 14. und 15. Dezember gab es wieder jeweils 158 Meldungen. Auch die Kurve der insgesamt gemeldeten Fälle flacht nicht ab.

Was läuft hier schief, muss man sich doch fragen? Kann es sein, dass man inzwischen wieder großzügiger verfährt, wenn Personen abends noch unterwegs sind? Und wie sieht es eigentlich mit Schwerpunktkontrollen in den Stadtgebieten aus, die dem Gesundheitsamt als sogenannte „Hotspots“ auffallen müssten, selbst wenn man nicht mehr in der Lage ist, jeden Fall zu verfolgen. Hier macht sich dann auch die Schwachstelle der App bemerkbar, die so viele wertvolle Informationen liefern könnte, wenn diese nicht dem Heiligen Gral „Datenschutz“ geopfert worden wären. Wenn aber eine Maßnahme nichts bringt, wenn man sie nicht konsequent verfolgt, dann kann man sie auch streichen. Peter Krebs, Mannheim

Wenn der Regierende Bürgermeister von Berlin die Frage stellt, wie viele Todesopfer uns das Weihnachtsshopping wert ist, dann ist die Frage noch berechtigter, wie viele Tote uns der Datenschutz wert ist? In Ländern, die den Datenschutz für eine definierte Zeit ausgesetzt haben, um damit sowohl die effektive Nachverfolgung der Infektion zu ermöglichen, als auch die Einhaltung der Quarantäne wirkungsvoll zu überwachen, sind sowohl die Corona-Infektionszahlen verschwindend gering als auch die der Todesopfer.

Die Corona-App ist krachend gescheitert, weil über allem der Datenschutz wacht und allem und jedem als billiges Argument dient. Das ist leichtfertig und zynisch. Lieber nehmen wir einen Lockdown mit unkalkulierbaren Folgen für die Wirtschaft, für unsere Kultur und unser soziales Miteinander in Kauf, als dass wir und die Gesundheitsbehörden erfahren dürfen, wo und bei wem wir uns angesteckt haben. Und über die Einhaltung der Quarantäne wacht erst recht niemand, schon gar keine App. Das ist grotesk. Martin Boeckh, Gaiberg

In einem Film aus den 1960er Jahren grassiert an Bord eines Passagierflugzeugs eine Lebensmittelvergiftung. Wer bekommt das Medikament, das die Symptome lindert? Der Pilot natürlich! Genauso klar sollte sein, wer die ersten Corona-Impfungen bekommen muss: Diejenigen, die wir alle brauchen, um die medizinische Versorgung und die Ordnung aufrecht zu erhalten, und die dabei noch massiv Kontakt mit potenziell Infizierten haben: Ärzte, Pfleger, Polizisten. Das ist keine „Bevorzugung von Berufsgruppen“, es ist eine Notwendigkeit und ein Gebot der Vernunft. Christoph Scholz, Reilingen

Was ich in Herrn Schalls Kommentar und Herrn Macks Artikel über die Schlupflöcher im Einzelhandel gelesen habe, hat auch mich wütend gemacht, und ich kann mich Ihrem Kommentar voll anschließen. Wir, das sind außer mir viele meiner Freunde und Bekannten, bemühen uns seit langen Jahren darum, die inhabergeführten Einzelhändler zu unterstützen, indem wir zum Beispiel unsere Bücher oder Kosmetikartikel eher selten bei Filialgeschäften kaufen. Wir tun dies übrigens mit Gewinn, denn die persönliche Beratung und das oft aus dem Rahmen fallende Sortiment vermisst man (zum Glück!) bei den großen Ketten.

Dass Douglas geöffnet hat, finde ich unfassbar. Das Ganze läuft auf unlauteren Wettbewerb hinaus und schädigt die inhabergeführten Geschäfte in der Stadt. Und konterkariert den eigentlichen Sinn des Lockdowns, da sich in diesen gegen jeglichen Sinn und Verstand geöffneten Läden die Kundschaft drängt. Eva Ehret, Mannheim