Leserbrief

Das schreiben Leser dieser Zeitung zum Umgang mit Corona

Zum Thema Corona (alle Berichte und Hintergründe > in unserem Dossier):

Sind wir schon in der zweiten Corona Welle? Oder braucht die Politik Nachhilfe in Sachen Statistik?! Lust auf ein kleines Gedankenspiel? Nehmen wir mal an, wir kaufen heute eine 100-Gramm-Packung Smarties und zählen die roten Schokolinsen aus. Dabei stellen wir fest, dass zehn Stück in der Röhre waren. Am nächsten Tag kaufen wir uns eine 500-Gramm-Packung. Wir zählen wieder die roten Linsen aus. Heute sind 20 Stück in der Packung.

Nehmen wir weiter an, unsere Zählung wäre uns eine Pressemeldung wert. Was würden wir wohl berichten? Option A: Die Anzahl der roten Smarties hat sich innerhalb eines Tages verdoppelt? Oder Option B: Die Anzahl der roten Smarties ist deutlich gesunken – von zehn auf vier Prozent? Entgegen jeder Vernunft scheint sich in Sachen Corona-Meldungen in Deutschland die Option A durchzusetzen.

Werfen wir mal einen Blick auf die Zahlen, die Statista wöchentlich zur Verfügung stellt. In der Kalenderwoche 20 wurden 432 666 Tests durchgeführt, davon waren 7233 positiv. In der Kalenderwoche 30 waren wir schon bei 572 311 Tests mit 4506 Infizierten. Die Tests wurden in den Folgewochen 31 bis 34 um durchschnittlich 103 788 hochgefahren – pro Woche! In der Kalenderwoche 34 waren wir bei 987 423 Tests mit 8655 positiv Getesteten.

Ursächlich für die steigende Anzahl der Tests sind zum einen die seit Anfang Mai (Kalenderwoche 20) geänderten Testrichtlinien des RKI sowie die undifferenzierten Massentests bei Urlaubsrückkehrern seit Anfang August (Kalenderwoche 31/32). Korreliert man die Anzahl der Labortests mit der Anzahl der Infizierten im Zeitraum der Kalenderwoche 20 bis zur Kalenderwoche 34 ergibt sich ein Wert von r = 0,75**. Solange zur Zahl der Corona-Infektionen (=rote Smarties) keine Bezugsgröße in Form der Anzahl Labortests (= Größe der Packung) geliefert wird, ist diese Zahl ohne Aussagekraft und sollte so nicht interpretiert werden; alles andere ist hochgradig unseriös!

Selbstverständlich stellt man bei Urlaubsrückkehrern die höchsten Corona-Fallzahlen fest. Aber vor allem deshalb, weil diese Gruppe seit Anfang August annähernd vollständig getestet wird! Es liegen derzeit keinerlei Anzeigen dafür vor, dass wir uns mitten in einer zweiten Corona Welle befinden. (von Jürgen Eisele, Mannheim)

Kürzlich las ich sehr interessante Leserbriefe zum Thema Corona, die einen sachlichen Umgang mit der Thematik angemahnt haben. Auch wurde die Verwendung von Geldern in der Kalenderwoche 34 für die Coronateste in Verbindung mit der geringen Quote (0.98 Prozent) positiver Teste dargestellt. Im gesamten Zeitraum belaufen sich die Kosten bis zur 35. Kalenderwoche auf über 700 Millionen Euro. Rund zwei Drittel davon entfallen durch exzessive Ausweitung des Testumfanges auf die Kalenderwochen 22 bis 35, insbesondere die Kalenderwochen 32 bis 35.

Dennoch verharrt die Trefferquote in diesem Zeitraum bei rund ein Prozent. Der Anteil der Covid 19 Patienten beträgt ebenfalls rund ein Prozent der belegten Intensiv-Betten in Deutschland. Die eingeführte Testung von Rückkehrern aus sogenannten Risikogebieten erhöhte im Wesentlichen die absolute Anzahl an positiven PCR-Testen. Die Kategorie „Risikogebiet“ wird nur anhand absoluter Zahlen definiert, durch eine entsprechende Ausweitung der Testung kann jedes Land dieses Etikett erhalten.

Die Kosten dieser Testungen jetzt durch Zwangsquarantäne von mindestens fünf Tagen und einem „Sich-Freikaufen“ aus der Quarantäne durch Testung auf eigene Rechnung ersetzen zu wollen, erhöht in meinen Augen die Sinnhaftigkeit des Testens von symptomfreien Personen in keinster Weise.

Fazit: Ein positiver PCR Test ist bei fehlender Symptomatik nicht mit einer Erkrankung an Covid-19 gleichzusetzen. Eine Beschränkung der Testung auf Personen mit eindeutigen Krankheitszeichen und ihres Umfeldes, wäre wesentlich zielführender, kostengünstiger und aussagekräftiger. (Sigrid Preß, Bad Mergentheim)

Seit Monaten sind zahllose Bürger in Kurzarbeit. Andere haben ihren 450-Euro-Job verloren, den sie nötig brauchen. Längere Zeit waren Gaststätten, Cafés, Friseursalons und so weiter geschlossen. Viele dieser kleinen Geschäfte haben den Lockdown aus wirtschaftlichen Gründen nicht überlebt. Künstler können nicht auftreten, weil öffentliche Großveranstaltungen noch verboten sind. Mitarbeiter von Reisebüros und Reiseveranstaltern müssen jetzt Arbeitslosengeld beantragen, weil die Reisebranche danieder liegt. Altenpflegerinnen und -pfleger sowie Krankenpflegerinnen und -pfleger, oder Menschen mit Publikumsverkehr, sind der Gefahr ausgeliefert, dass sie sich mit dem Coronavirus bei Ihrer Arbeit anstecken können.

Mein Vorschlag wäre deshalb, dass die Bundestags- und Landtagsabgeordneten aus Solidarität und Menschlichkeit diesen Mitbürgern gegenüber ein Jahr lang auf ein Drittel ihres Gehaltes (Diäten) verzichten sollten. Das könnten unsere Politiker weitaus besser verkraften als die sonstigen Betroffenen der jetzigen Corona-Krise. Das wäre gelebte Bürgernähe von unseren Politikern und eine Geste der Menschlichkeit! (Bernhard Welker, Mannheim)

Wäre ich Le Corbusier und könnte oder wollte mich in meinem Elfenbeinturm mit Alkohol und Zigaretten vor Corona wegschließen, ich würde den „Mannheimer Morgen“ wie eine Realsatire, wie die „Lindenstraße der Corona-Krise“ lesen und mich köstlich amüsieren, wie mit immer gleichen Ritualen das Aerosol der Angst verbreitet und diese munter am Leben gehalten wird.

Fragen, wie die des Trainers der Adler nach der irrationalen „German Angst“, bleiben eine Randnotiz, würzen die Episoden der „Lindenstraße“ etwas. Gehört das „Zeitzeichen“ von Georg Spindler in dieselbe Kategorie? Immerhin durfte er die Frage stellen, wie eine neue Normalität den Kulturbetrieb beeinflussen würde und das Problem der auf der Lauer liegenden „schlafenden Hunden“ gedanklich anreißen. Ist er vielleicht ein Corona-Leugner?

Ganz anders Konstantin Groß. Abgesehen von der in der Sache richtigen Frage, ob ein Flohmarkt sein muss, wenn ein Altstadtfest abgesagt wurde, kritisiert er nebenbei Gerichtsbeschlüsse und kommt zu der Frage, ob man nicht einfach ein Jahr warten könne? Herr Groß, woher wissen Sie, dass das Virus in einem Jahr verschwunden sein wird?

Da ist der ja nicht unbedingt als Verschwörungstheoretiker verdächtige Professor Streeck nämlich ganz anderer Meinung, wie in einer Sendung mit Maischberger publik wurde. Er ist nicht so optimistisch, was einen Impfstoff betrifft und stellt die Frage, ob man nicht die Schwere der Krankheitsverläufe in den Mittelpunkt für Entscheidungen über notwendige Maßnahmen stellen solle, anstelle der absoluten Zahlen der Ansteckungen. Zurzeit verliefe nämlich der größte Teil der Neuinfektionen nur mit geringen oder gar keinen Symptomen.

Corona wird vielleicht ein Teil unserer Krankheitsbilder bleiben, und wir werden lernen müssen, damit zu leben. Damit zu leben, und nicht ständig vor lauter Angst in Schockstarre zu verfallen. Damit zu leben heißt, die richtigen Vorsorgemaßnahmen zu treffen, auch in der Intensivmedizin. Vielleicht heißt dies aber auch, und das wäre ja für die Vorsorge nicht unbedingt schlecht, dass wir Abschied nehmen müssen von Werbebildern, die Erkältungen und Schnupfen verharmlosen und uns nach dem Einwerfen einer Tablette oder eines Saftes sofort wieder an den Arbeitsplatz schicken wollen.

Wer krank ist, rumniest, rumhustet und Fieber hat, geht zum Arzt und bleibt zu Hause und steckt keine Kollegen an. Auch das würde in großem Maß helfen, Ausbreitungen von Virenerkrankungen zu verlangsamen. (Rolf Menz, Wilhelmsfeld)



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