Leserbrief

Das schreiben Leser dieser Zeitung zur Corona-Berichterstattung

Zum Kommentar „Der Dummheit keine Chance!“ vom 17.11.; zum Leserbrief „Die wahren Probleme sehen“ vom 13.11. und zum Artikel „Angehörige müssen draußen bleiben“ vom 18.11.:

Man ist es leider mittlerweile gewohnt, dass seit Beginn der Corona-Krise am Anfang des Jahres im „Mannheimer Morgen“ täglich sich irgendeine Dame oder ein Herr zu Wort meldet mit gut gemeinten Ratschlägen und Standpunkten zum Corona-Geschehen. Ein Großteil dieser Kommentare ist geprägt von (moralischer) Überlegenheit und der Tatsache, dass die Kommentatorinnen oder Kommentatoren wohl über die einzige Wahrheit verfügen. In der Regel wird sich recht wenig mit einer gegensätzlichen Meinung auseinandergesetzt, sondern die Andersdenkenden als dumm, uneinsichtig, rechts oder als Verschwörungstheoretiker in die Ecke gestellt.

Den Vogel hat Herr Dettlinger abgeschossen mit seinem Kommentar „Der Dummheit keine Chance“: „Viele sehen sich durch die Corona-Politik in ihrer Freiheit eingeschränkt. Das ist falsch!“ Das behauptet Herr Dettlinger und freut sich sehr darüber, dass das Bundesverfassungsgericht Klagen gegen die Einschränkung abgelehnt hat. Nachfolgend bekommen wir von ihm Nachhilfeunterricht, was aus seiner Sicht Freiheit bedeutet. In diesem Kommentar fehlt die Diskussion um die Verhältnismäßigkeit der Einschränkungen der Grundrechte während der Corona-Krise, die im Übrigen nicht nur von wenigen, sondern auch von der Opposition im Bundestag, Wirtschafts- und Sozialverbänden, Wissenschaftlern außerhalb des RKI diskutiert und zumindest teilweise in Frage gestellt wird.

Das hat Herr Dettlinger offenbar noch nicht mitbekommen. All dies als dumm, egoistisch und unvernünftig zu bezeichnen, ist schon dreist und unverschämt. Wenn Mitbürger vor Gericht ziehen, weil sie die getroffenen Maßnahmen als ungemessen und in der Konsequenz teilweise für existenzbedrohend erachten, ist das nicht dumm oder egoistisch, sondern ein Grundrecht, das auch der Kommentator als Teil der Demokratie akzeptieren muss.

Ich halte also diesen Kommentar für ungemessen und dreist und die Ausdrucksweise erinnert mich eher an bestimmte Zeitungen oder an Kommentare in den sozialen Netzwerken. Wir müssen aufpassen, dass in der Corona-Krise nicht nur die Gesundheit auf der Strecke bleibt, sondern auch die Möglichkeit, frei seine Meinung zu äußern. Das muss eine Demokratie aushalten können. (von Jürgen Brunauer, Ladenburg) 

Ein Lob an den 14-jährigen Schüler Paul Reich. Endlich äußert sich ein Schüler zur Corona-Lage an den Schulen. Auf dem Schulhof dichtes Gedränge und das ohne Maske! Ja, die wahren Probleme werden ignoriert. Noch eine Sache stört mich gewaltig. Was bringt es, wenn in zwei stark frequentierten Straßen Maskenpflicht gilt, aber an den übrigen Straßen und Orten nicht. Da muss ich Paul Reich wieder Recht geben, dass dieser Lockdown Light fast nichts bringt, wenn man nicht auf die wahren Probleme schaut. (von Christa Weigand, Mannheim)

Eine Bitte an alle, die das Coronavirus und seine Auswirkungen leugnen, verharmlosen, ignorieren, relativieren, die verordneten Maßnahmen für unnötig halten und diese Meinung auf Straßen und in Leserbriefen kundtun: Auch wenn für Sie das Risiko, ernsthaft an Covid-19 zu erkranken, extrem gering ist, schreiben Sie ergänzend in Ihre Patientenverfügung, dass Sie in diesem Fall jede intensivmedizinische Behandlung ablehnen. Vielleicht sind dann mehr Krankenhaus-Betten und Pflegekräfte frei für Menschen, die sich an die Regeln hielten und trotzdem erkrankten und die „Systemmedien“ müssten nicht mehr die Angst vor Betten-Knappheit schüren. (von Gerhard Schwabe, Mannheim)

Es ist für mich der absolute Hammer, dass Besuchsverbote in Mannheimer Krankenhäusern verhängt werden. Bereits während des ersten Lockdowns haben Alten- und Pflegeheime in Mannheim Besuchsverbote ausgesprochen, beziehungsweise Besuche drakonisch eingeschränkt. Kranke und behinderte Menschen haben hier keine Lobby, und deshalb ist das eine eindeutige Diskriminierung dieser Menschen. Und es kann auch weitreichende psychische und körperliche Folgen für die Betroffenen haben und kann sogar zum Tod führen.

Während gleichzeitig bundesweit seitens der Politik gebetsmühlenartig kolportiert wird, dass man aus dem ersten Lockdown gelernt habe und deshalb Gesundheitseinrichtungen künftig offenbleiben müssten für Besucher*innen, entscheidet sich die Stadt Mannheim in Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern für ein weiteres faktisches Besuchsverbot – auch deshalb, weil die aufgebauten Hürden für einen eventuellen Besuch dermaßen hochgeschraubt werden. Für mich ist ein solches Vorgehen beschämend und menschenunwürdig. Patient*innen bleiben auf der Strecke. (von Horst Hembera, Mannheim)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/36SsrZ0 https://bit.ly/3pH2zYQ https://bit.ly/32Xy3jL