Leserbrief

Das schreiben Leser dieser Zeitung zur Corona-Krise

Zum Thema Corona:

Die politisch getroffenen Konsequenzen auf die Covid-19-Pandemie spalten die Gesellschaft. Das Problem ist, dass die Politiker letztendlich nur aufgrund der Beratung durch Experten, aber auch auf Druck mehr oder weniger informierter Medien und Bürger Entscheidungen fällen können und vor allem müssen. Auf praktische Erfahrungen können weder die Fachleute noch die Politiker zurückgreifen,

Wie verschieden dabei die Betrachtungsweisen sein können, belegen Leserbriefe Ihrer „MM“-Ausgabe vom 15. Mai (Günter Eitenmüller, Martin Lietz, Werner Bettwieser, Andrea Bleil). Die Ausführungen von Herrn Eitenmüller könnten auch als erläuternder Kommentar zu den wenig glücklich formulierten Äußerungen des Tübinger OB Boris Palmer verstanden werden. Als betroffener 80-plus-Risikobürger kann ich seine Sichtweise teilen. Die Ansichten von Herrn Lietz korrelieren dabei nicht mit den Meinungen von Herrn Eitenmüller und auch von Herrn Bettwieser, die weniger ideologisch als sachbezogen argumentieren.

Wenn trotz einer Risikoanalyse die Politik, aber auch die Fachleute, von den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie überrascht wurden, dann ist diese Tatsache dem bei uns verbreiteten Gefühl der Sicherheit gegenüber Katastrophen zuzuschreiben, das zwar akzeptiert, dass sich Katastrophen ereignen können, „aber nicht bei uns“. Ich erinnere mich einer vor vielen Jahren erfolgten Aussage eines damals zuständigen Lokalpolitikers zum Thema „Katastrophenvorsorge“: „Ich gebe Ihnen ja Recht, aber es ist zurzeit nicht opportun, das zum Thema zu machen.“

Wir müssen einfach zur Kenntnis nehmen, dass Politiker wie Fachleute von dem Geschehen überrascht wurden, keine Erfahrungen mit einem solchen Ausmaß der Konsequenzen vorhanden sind und man „auf Sicht“ entscheiden muss. Die Folgen der bisher getroffenen Entscheidungen dienen dem möglichen Vorteil relativ weniger Risikobürger und bedingen den sicheren Schaden für Zig-Millionen Menschen rund um die Welt, materiellen Schaden, aber auch Schaden an „Leib und Leben“.

Im Alltag ist man inzwischen konfrontiert mit Existenzängsten gleichermaßen wie mit Sorglosigkeit. Beides bildet den Nährboden für Unzufriedenheit und Aggression und treibt inzwischen die Menschen auf die Straße. Gleichzeitig bietet diese Situation zielgerichtet argumentierenden Populisten wie auch Menschen mit den abstrusesten Weltanschauungen Gelegenheit zur Selbstdarstellung. Sensible Menschen geraten dabei auch schon einmal in Panikstimmung.

Es wäre zu hinterfragen, ob die nahezu pausenlose Konfrontation der Bevölkerung mit von ihr kaum zu interpretierenden Horrordaten aus aller Welt, mit Pressekonferenzen und Diskussionsrunden oder „TV-Specials“ zu diesem Thema für die Akzeptanz der Problematik erforderlich ist. Claus Einberger, Mannheim

Bei der einseitigen Berichterstattung über die Corona-Krise muss man sich nicht wundern, dass Verschwörungstheorien immer mehr Anhänger finden. Extra-Sendungen des Fernsehens und Zeitungsartikel berichten ausgiebig über Fälle von schwierigen Situationen, die durch die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie entstehen. Berichte über verzweifelte Hotel- und Restaurantbesitzer und hilflose Eltern sowie Stellungnahmen der verschiedenen wirtschaftlichen Organisationen besonders betroffener Branchen sind typische Beispiele dafür.

Dagegen werden die Wirkungen des Coronavirus selbst in erster Linie nur noch in Form von Fallzahlen gemeldet und die durch sie verursachten Leiden, schwere Erkrankungen mit teilweise schlimmen Symptomen, Tod und die Not derer, die nicht bei ihnen nahe stehenden Sterbenden sein können, werden dadurch kaum wahrgenommen.

Politiker betonen zwar, dass man gegen die Verschwörungstheorien mehr Aufklärung über die Notwendigkeit der Maßnahmen betreiben muss. Das häufig erwähnte „Das Virus ist nicht aus der Welt“ reicht dazu nicht aus. Aber auch eine ausführlichere Begründung bringt nicht viel, solange die Auswirkungen der Einschränkungen die Medien beherrschen. Denn bekanntlich bewirken Bilder mehr als Worte. Als uns die schrecklichen Bilder aus Italien, Frankreich und New York erreichten, stimmte eine große Mehrheit der Bevölkerung den Restriktionen zu. Mittlerweile hat sich das Interesse der Medien gewandelt, und das hat entscheidend mit dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen der Auffassung sind, dass die Corona-Pandemie übertrieben werde oder sogar gar nicht existiere und nur zu eigenen politischen Zwecken erfunden worden sei.

Um nicht missverstanden zu werden: Mich bedrücken ebenfalls die für viele nur schwer zu ertragenden Auswirkungen der Einschränkungen, und ich halte es selbstverständlich für notwendig, darüber zu berichten. Mir geht es um eine ausgewogene Berichterstattung und die negativen Folgen der Ausblendung dessen, was das Corona-Virus selbst anrichtet. Michael Mürmann, Wilhelmsfeld

Detlef Drewes betätigt sich im „MM“ als Zentralorgan der Regierung Merkel. Er begrüßt aus vollem Herzen, dass die EU 500 Milliarden Euro Schulden aufnimmt und an die Haushalte der „notleidenden“ Südländer inklusive Frankreich verteilt. Der deutsche Steuerzahler haftet mit dem deutschen Anteil von rund 27 Prozent, das heißt 135 Milliarden Euro und muss diesen Betrag auch mindestens wieder tilgen. Wahrscheinlich auch mehr, da diverse andere Länder nicht tilgen können oder wollen.

Das Geld fließt direkt in die Haushalte der Südländer, deren Bürger im Durchschnitt vermögender sind als deutsche Bürger. Die EU kontrolliert nicht, für was diese Milliarden ausgegeben werden, beziehungsweise, ob sie sinnvoll ausgegeben werden. Dieser Handel geht voll zu Lasten der deutschen Bürger, die dies mit höheren Steuern und Abgaben bezahlen werden, da das Wort „sparen“ aktuell nicht mehr vorkommt. Franz Grossmann, Mannheim

Liebe Frau Jagoda Marinic. Wie kann man nur sein Corona-Tagebuch lieb nennen, wenn doch das Virus, dessentwegen Sie es schreiben, so böse ist. Und dann befleißigen Sie sich nicht einmal der Gepflogenheit, jeden Tag einen „Klassiker“ in Ihrem Text zu berücksichtigen. Das muss man ja wohl noch fragen dürfen? Ich persönlich (und wahrscheinlich nicht nur ich alleine), habe bisher alle Ihre Beiträge gelesen und mich ausgesprochen gut dabei gefühlt.

Ja, es scheint zu stimmen, dass sich Lockerungen auf alles Mögliche auswirken – auch auf öffentliche, verbale Ergüsse von Kritikern. Dass das nicht strafbar ist, sondern teilweise höchst beschämend, zeigt, dass wir doch in einem demokratischen Rechtsstaat leben. Man muss nicht einmal „ein Sohn Mannheims“ sein, um seine krudesten Überzeugungen unzensiert (in Leserbriefen) äußern zu dürfen (Upps, das tue ich ja gerade selbst).

Gehen Sie bitte in sich und überlegen sich einen neuen Titel für die Zeit nach Covid-19, ich würde nur ungern auf Ihre Beiträge verzichten. Weiter so. Ich ziehe meinen Hut (nicht den aus Aluminium) und freue mich auf Ihre zukünftigen Kolumnen. Gerhard Schröder, Edingen-Neckarhausen