Leserbrief

Das schreiben Leser dieser Zeitung zur Förderung des Radverkehrs

Zum Artikel „CDU will die Verkehrswende“ vom 28. November:

Seit der Gemeinderatswahl 2019 stellen die Mannheimer Grünen die größte Fraktion im Gemeinderat. Meine Begeisterung über dieses tolle Ergebnis war nach der Wahl groß. Ebenso groß sah ich die Chance der Grünen, der Mannheimer Kommunalpolitik einen deutlich grünen Stempel aufzudrücken.

Aber wer punktet zur Zeit, wenn es um die Verkehrswende in Mannheims Innenstadt geht? Die CDU hat den Vorschlag, Fressgasse und Kunststraße teilweise für den Durchgangsverkehr zu sperren und die Fußgängerzone auszuweiten, konkretisiert. Weitgehend auf dieser Basis wird nun gehandelt. Auch wenn das Thema in der Vergangenheit bereits von Grünen und SPD behandelt wurde und es seitens der Grünen einen Vorschlag für eine autofreie Innenstadt bis 2030 gibt, hier wird zur Zeit die CDU deutlich sichtbarer.

Im Sommer 2020 gab es eine Aktion der SPD zusammen mit dem ADFC zu Pop-up-Radwegen am Ring. Wo waren die Grünen? Und nun: Nikolas Löbel (CDU) macht in Berlin zehn Millionen Euro locker zur Förderung des Radverkehrs in der „Modellstadt Mannheim“. Man muss Herrn Löbel nicht mögen. Bei allen Unsäglichkeiten, die er sich in der jüngsten Vergangenheit geleistet hat, ist das doch ein tolles Ergebnis seiner Bemühungen.

Was sagt Herr Fontagnier von den Grünen dazu? „Nicht schlecht, aber planlos mit Geld um sich zu werfen, hat noch nie wirklich geholfen.“ Das ist doch nur noch arm. Machen Sie lieber konstruktive Vorschläge, was mit dem Geld zu machen ist, Herr Fontagnier! Sie sitzen an der richtigen Stelle dafür. Es gibt genug zu tun, auch übrigens an Kreuzungen.

Noch eine Bemerkung zu Melis Sekmen und Ihren Ambitionen auf ein Bundestagsmandat. Sie ist mit den meisten Stimmen vor allen anderen Bewerberinnen und Bewerbern in den Gemeinderat gewählt worden. Das war ein riesiger Vertrauensbeweis, aber auch ein Auftrag. Vielleicht täuscht mich meine Wahrnehmung, aber ich habe den Eindruck, die größte Aufmerksamkeit seitdem hat sie mit ihren Ambitionen generiert, als Kandidatin bei der nächsten Bundestagswahl anzutreten.

Als Wähler erwarte ich eher, dass sie sich erst einmal mit ganzer Kraft ihrer derzeitigen Aufgabe widmet, dabei (sichtbare) Ergebnisse liefert und sich so des Wählervertrauens würdig erweist. Dann könnte die nächste Karrierestufe kommen.

Während sich der Grünen-Stadtrat Fontagnier damit profilieren möchte, mit nicht angemeldeten Critical-mass-Fahrrad-Demonstrationen den Verkehr lahmzulegen beziehungsweise zu behindern, das Parken der Kleingärtner auf der Feudenheimer Straße ahnden zu lassen, oder die Grünen ihre in der Regel gut verdienende Wähler-Klientel teure Lastenräder subventionieren lässt, haben die CDU Mannheim und ihr MdB Löbel erkannt, dass gerade im Umbau und der Gestaltung von Kreuzungen viel Potenzial liegt für eine Erhöhung der Sicherheit für Radfahrer und haben hier für Mannheim für ein Sonderprogramm zehn Millionen Euro „beigeholt“.

Und was fällt dem „obersten Radfahrer“ der Stadt hierzu ein: Eine unsachliche Kritik, dass hier „planlos mit Geld um sich geworfen wird“. Dann doch lieber teure Subventionierung von Lastenrädern anstatt mehr Sicherheit oder weitere Critical-mass-Demos. Vielleicht ist dem Stadtrad Fontagnier als Radfahrer in den vergangenen Jahren entgangen, dass die meisten schweren und tödlichen Radfahrer-Unfälle an Kreuzungen und Einmündungen zum Beispiel beim Abbiegen verursacht werden, um zu erkennen, dass hier großes Potenzial liegt.

Nur mit seiner ideologischen Verkehrspolitik Radfahrer gegen Autofahrer – siehe Aktion „Radwegparken Feudenheimer Straße oder Critical-mass-Aktionen – wird die Verkehrssicherheit nicht erhöht. Die Kritik soll wohl nur den Ärger kaschieren, dass man nicht selbst so eine gute Politik für die Radfahrer macht, die Leben schützt und wohl auch die CDU sich um Radfahrer kümmert – und im Übrigen auch viele ihrer Mitglieder Rad fahren, ohne dies tagtäglich an die (Fahrrad-)Glocke zu hängen.

Es ist schon interessant, dass CDU-Stadtrat Nikolas Löbel zum wichtigen Thema Sicherheit für Radfahrer beim Fototermin im Gegensatz zu seinem Begleiter ohne Fahrradhelm erscheint. Dabei fängt Sicherheit zuerst einmal beim eigenen Handeln an. Einmal mehr zeigen sich bei Löbel zwischen öffentlichem Propagieren und eben jenem eigenen Handeln erhebliche Defizite auf.

Herr Löbel hat es sehr eilig, sein ramponiertes Image geradezubiegen. Mit großformatigen Plakaten am Straßenrand, die Mitteilung geben über zehn Millionen Euro für neue Radwege und 300 000 Euro für das Museumsschiff. Zugegeben, die Farbe schwarz der Plakate trifft genau die Situation, in der sich Herr Löbel befindet. Um sein Image als Bundestagsabgeordneter aufzupolieren, handelt er nach dem Motto „Tue Gutes und sprich darüber, oder besser gesagt: plakatiere darüber“. Aber als Privatmann und Unternehmer zeigt er sich als kalter Kapitalist und glaubt, sich über alles stellen zu können.

Wenn er dann „erwischt“ wird, dann weint er im Schulterschluss mit einem anderen Unternehmer von Schmutzkampagne, von Mannheimer Prawda und Mannheimer Kreml. So typisch für diese Art von Herren, wenn die Argumente ausgehen, dann wird in die CDU-Mottenkiste der 50er gegriffen und andere werden verunglimpft. Ihre Partei trägt das „C“ und Sie sollten das achte Gebot kennen und verinnerlichen, das da sagt: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“. Noch Fragen?

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3qec9mi