Leserbrief

Das schreiben Leser zu Artikeln über die Energiegewinnung

Zu den Artikeln „Der Energiestandort GKM wird weiter eine Rolle spielen“ vom 23. Oktober und „Nach der Kohle“ vom 7. November:

Besten Dank für Ihren Bericht zu dieser Veranstaltung. Das hochkarätige Diskussionsgremium hat das generationsübergreifende Thema hinsichtlich Versorgungssicherheit, gesteigerter Umweltauflagen, Arbeitsplatzerhalt und Kostenminimierung klug umrissen.

Unsere Altvorderen haben das Fernwärmenetz für inzwischen 165 000 Haushalte aufgebaut, weil sie die Abwärme des GKM nicht über Kühltürme unnütz und umweltschädlich vergeuden wollten. Deshalb sollten weltweit alle EVUs, die Kraftwerke mit Kühltürmen betreiben, darüber nachdenken, wie sie die Abwärme einer sinnvollen Nutzung zuführen. Neue Kraftwerke mit Kühltürmen dürften eigentlich nicht mehr gebaut werden.

Für die Zukunft des GKM kann Anleihe bei der BASF genommen werden. In der Chemie müssen die Kraftwerke in erster Linie den benötigten Prozessdampf liefern. Die Stromerzeugung ist quasi ein Abfallprodukt. Deshalb hat die BASF neben ihren drei Kraftwerken noch eine Spitzendampfanlage, die für die entsprechende Versorgungssicherheit im Katastrophenfall sorgt. Über einen Düker unterm Rhein wird im Übrigen der Werksteil auf der Friesenheimer Insel angebunden und versorgt. Kaskadierte Wärmetauscher passen bei den Produktionsbetrieben Druck und Temperatur entsprechend an.

Eine sinnvolle Kooperation der BASF-Energieabteilung mit GKM und MVV auf Ebene der „Praktiker“ könnte für beide Seiten von Nutzen sein – genauso wie Herr Dr. Boris Weirauch die Kontakte zu den Stuttgarter Ministerien pflegt – ohne parteipolitische Scheuklappen. (von Friedrich E. Meißer, Mannheim)

In dem Artikel „Nach der Kohle“ wird freudig über die Seenlandschaft in der Lausitz berichtet, die aus den ausgekohlten Braunkohlelagerstätten nun entstanden ist: Ein Freizeitparadies, das sicherlich nicht nur die Bewohner dieser Region ausgiebig nutzen, sondern hoffentlich auch als Urlaubsregion weiter entwickelt wird. Wunderschön, ich kann es nur empfehlen: Reisen Sie dorthin und entdecken Sie diese herrlich neu gestaltete Urlaubsregion. Stören Sie sich nicht an dem Kohlekraftwerk Boxberg, von dem – wie es im Artikel beschrieben ist – „ein halbes Dutzend mächtiger Türme dort am Horizont ragen und mächtige Rauchsäulen in die Luft spucken…“.

Dies sind keine „Rauchsäulen“, sondern Wolken aus reinstem Wasserdampf aus den Kühltürmen des Kraftwerkes. In diesen wird Wasser nach oben gepumpt und rieselt dann wieder nach unten in die Kühlturmtasse. Dabei verdampft ein Teil des umlaufenden Wassers und tritt oben aus dem Kühlturm aus: die Wolken über dem Kühlturm. Beim nächsten Regen kommt es als Wassertropfen wieder zurück in den Boden und in den Fluss, aus dem es dann wieder entnommen werden kann, um die Kühlturmtasse wieder nachzufüllen: ein ewiger Kreislauf. Vorher wird das Flusswasser natürlich noch aufbereitet und gereinigt. So ist es auch eine Reinigungsanlage für den Fluss.

Wozu benötigt ein Kraftwerk einen Kühlturm? In diesem wird die Wärme aus dem Kreisprozess des Kraftwerkes abgeführt, die nicht in Strom umgewandelt werden kann. Es ist wie bei vielen dieser Prozesse anfallende Abwärme – im Automotor ist das der Kühler. Dort nutzen wir – zumindest im Winter – einen Teil dieser Abwärme, um den Innenraum des Autos angenehm warm zu machen.

Dies wird auch in vielen Heizkraftwerken so gemacht. Parallel zum Kühlturmkreislauf wird ein Fernheizkreislauf im Kraftwerk angeschlossen. Damit werden Städte – Wohnungen und Industrie – mit Wärme beliefert. Diese Wärme kann nahezu ohne zusätzliche CO2-Emission verfügbar gemacht werden: Es ist ja Abwärme.

Im GKM hier in Mannheim ist dies beispielhaft realisiert. So wird aus Abwärme Nutzwärme für unsere Wohnungen, Büros und Fabrikhallen und der Kühlturm ist im „Nebenjob“ auch noch eine großartige Reinigungsanlage für den Fluss. Also, zusammenfassend: Fahren Sie in die Lausitz, genießen Sie „idyllisch umwaldet den Bärwalder See mit dem roten Leuchtturm“ und freuen Sie sich an den künstlichen klinisch reinen Schönwetterwolken aus den Kühltürmen, die sich – wie es im Artikel heißt – in der Oberfläche des Sees spiegeln“. Viel Spaß. (von Josef Edelmann, Hirschberg)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2IcUlqH https://bit.ly/3ndFzOW